Tafeln brauchen in vielen Orten jüngere Ehrenamtliche – Göttingen ist eine Ausnahme

Helfer altern mit den Tafeln

Spaß bei der mildtätigen Arbeit: In der Göttinger Tafel arbeiten junge und ältere ehrenamtliche Helfer zusammen: von links Ute Stanewsky, dahinter Waltraut Tusch, Sabine Hilke, Jan Lohrengel und Tracy Adkins. Nachwuchsprobleme wie in anderen Städten gibt es hier nicht. Foto:  Kopietz

Hannover/Göttingen. Als die erste Tafel 1993 in Berlin gegründet wurde, ahnte niemand, welchen Erfolgskurs die Idee, Lebensmittel einzusammeln und damit Bedürftige zu versorgen, einschlagen würde. Mittlerweile gibt es in Deutschland 850 Tafeln, 97 in Niedersachsen und Bremen, wo die ehrenamtlichen Helfer täglich etwa 70 000 Menschen versorgen. Doch einige der Tafeln leiden unter Nachwuchsmangel. Die Göttinger Tafel aber ist eine Ausnahme – hier gibt es genügend junge Helfer.

Seit der Gründung dabei

„Viele Tafel-Mitarbeiter sind über 60 Jahre alt, manche schon über 80 Jahre“, berichtet Edeltraud Gräßler. Die Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln kennt viele Einrichtungen und Leiter, die zum Teil seit der Gründungszeit dabei sind. „Es gibt keine Statistik, aber fest steht: Wir werden mit den Tafeln älter – und es darf nicht so kommen, dass alle Helfer irgendwann 75 sind und zeitgleich ausscheiden, weil sie nicht mehr können.“ Ihr Fazit: „Wir brauchen jüngere Unterstützer.“

In kleineren Städten sei der Mangel an jüngeren Helfern oft ein echtes Problem, auch weil die älteren die zeitaufwändige Arbeit teilweise nicht mehr schaffen. „Die Sammel-Fahrten dauern oft fünf Stunden“, beschreibt Gräßler.

Nachwuchsmangel kennt die Leiterin der Göttinger Tafel, Martina May, nicht: Es gibt hier 70 aktive Ehrenamtliche – darunter sind viele jüngere: 15 Helfer sind zwischen 15 und 39 Jahre alt. Gleichwohl sind auch einige der Tafel-Helfer schon in die Jahre gekommen. „Wir haben Fahrer, die sind 75 Jahre alt – aber top-fit“, sagt May, die sich sehr über den Altersmix und die Jungen in ihrer Tafel freut: „Sie bringen neue Ideen in unser Haus und sammeln Erfahrungen für ihr Leben.“

In der Universitätsstadt kommen immer wieder Studenten zur Tafel. „Das ist zwar oft nur für eine gewisse Zeit, aber trotzdem gut, für beide Seiten“, schildert May.

Jan Lohrengel hat sein Studium beendet, ist auf Jobsuche und will nun seine Zeit „einfach sinnvoll nutzen, etwas Gutes tun, Menschen helfen, die es nötig haben und dafür sorgen, dass Lebensmittel nicht einfach weggeschmissen werden.“ Die Arbeit in den engen Räumen der Tafel mit dem erfahrenen Team und anderen Jüngeren macht ihm viel Spaß. Den hat auch Tracy Adkins. Die US-Amerikanerin ist der Liebe wegen nach Göttingen gekommen, darf aber noch nicht „richtig arbeiten“. Also nutzt sie die Möglichkeit in der Tafel zu jobben, um ihre Sprache zu verbessern. Von der Arbeit ist die 36-Jährige überzeugt: „Ich kannte das aus den USA – und das ist gut.“

Doch so ganz ohne Probleme ist auch die Göttinger Tafel nicht: „Wir brauchen einfach Spenden um unsere große logistische Aufgabe bewältigen zu können.“ Und die Spenden fließen nicht immer gleichmäßig. Manchmal, so May, sei es auch eine mangelnde Wertschätzung der Tafelarbeit in der Öffentlichkeit.

HINTERGRUND

Von Thomas Kopietz

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