Herrenhäuser Gärten in Hannover sollen Weltkulturerbe werden

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Hannover. Das wiederaufgebaute Schloss Herrenhausen beschert der einzigartigen Barockanlage in Hannover einen zusätzlichen Besucherboom. Jetzt prüft die Stadt eine Bewerbung zur Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe. Aus Expertensicht wird das schwierig.

Die Herrenhäuser Gärten in Hannover sollen ins Rennen um den begehrten Titel Unesco-Weltkulturerbe geschickt werden. Dazu prüft die niedersächsische Landeshauptstadt, mit welchem Konzept sie antreten wird. „Wir haben eine Chance, wenn wir erstmalig versuchen, eine Kombination von materiellem und immateriellem Kulturerbe zu schaffen“, sagte Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann der Nachrichtenagentur dpa.

In der berühmten Barockanlage wirkten Geistesgrößen wie der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz oder der Komponist Georg Friedrich Händel. Die Herrenhäuser Gärten locken schon jetzt jährlich mehr als eine halbe Million Gäste an, davon knapp 15 Prozent aus dem Ausland.

Langfristig könnte der Unesco-Titel für noch mehr internationale Besucher sorgen. „Der Titel Weltkulturerbe ist ein Qualitätsversprechen“, sagte Garten-Direktor Ronald Clark. Für eine Bewerbung müsse das Land Niedersachsen unbedingt das Alleinstellungsmerkmal von Herrenhausen herausarbeiten, betonte Klaus-Henning von Krosigk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, in Berlin. „Das wird zunehmend komplizierter.“

Die Unesco-Liste umfasst mittlerweile 981 Natur- und Kulturstätten von außergewöhnlicher Bedeutung für die Menschheit, davon 38 in Deutschland. Zuletzt kam im Juni der Bergpark Kassel-Wilhelmshöhehinzu, von Krosigk gehörte dem Wissenschaftlichen Beirat des Kasseler Bewerbungsteams an.

Möglicherweise habe eine gemeinsame Bewerbung von mehreren Barockanlagen in Deutschland bessere Chancen, schlug der Präsident der Gartenkunst-Gesellschaft vor. 2012 hatte die UNESCO zum zweiten Mal hintereinander abgelehnt, der kurpfälzische Schloss- und Gartenanlage von Schwetzingen in Baden-Württemberg das begehrte Siegel zu verleihen.

Ein Kriterium bei der Auswahl ist die Authentizität des Ortes. In Herrenhausen gibt es auch ein Schloss, allerdings ist dies ein Neubau mit einer rekonstruierten historischen Fassade. Innen verbirgt sich ein überwiegend vom Bauherren, der Volkswagenstiftung, genutztes Tagungs- und Wissenschaftszentrum. In den Flügeln ist seit Mai ein städtisches Museum zur Historie der Herrscher von Hannover untergebracht. „Die Gärten sind nicht nur bunte Blümchen. Das Museum ist eine wichtige Ergänzung, um Hintergründe zu erfahren“, sagte Clark.

Das Besondere an Herrenhausen ist dem Direktor zufolge das Ensemble mit Gärten aus verschiedenen Epochen. „Wir haben hier fast 350 Jahre Gartenkunst versammelt. Und der Große Garten ist der einzige barocke Garten, der in seiner Grundstruktur unverändert geblieben ist. Das gibt es in dieser Größenordnung in Deutschland nirgendwo anders.“ Die Wasserkunst sei einzigartig, betonte Clark: „Georg I., Kurfürst von Hannover und König von England, hat es mit Hilfe von englischen Ingenieuren geschafft, die Fontäne 1720 auf sensationelle 35 Meter Höhe springen zu lassen. Sie war die höchste in Europa und übertraf sogar Versailles.“ 30 Jahre lang habe man daran gearbeitet.

Eine Bewerbung für das Unesco-Weltkulturerbe ist nach Angaben von Hannovers Kulturdezernentin nicht vor 2016/17 realistisch. Der Experte von Krosigk meint: „Bis zur Schlussrunde dauert eine solche Bewerbung 12 bis 15 Jahre. Versuchen muss man es in Hannover, es ist ein toller Garten.“ (dpa)

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