Hessen nimmt Zombie-Rechner ins Visier

Fordert härtere Strafen: Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann. Foto: dpa

Ein 17-Jähriger aus Gießen legte mit gehackten Computern die Homepage von Sigmar Gabriel lahm. Fälle, in denen Kriminelle Computer mit infizieren, und für ihre Zwecke nutzen, häufen sich.

Wiesbaden. Hessens Justizministerin fordert jetzt härtere Strafen. „Polizei schnappt Groko-Hacker“, titelten die Medien, nachdem die Polizei im April einen 17-Jährigen aus Gießen geschnappt hatte. Er steht im Verdacht, unter anderem die Homepage von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel lahmgelegt zu haben.

Der Jugendliche nutzte dabei ein Computernetzwerk, ein sogenanntes Botnetz. Dieses kombiniert die Leistung vieler Computer und verschickte so viele Anfragen an den Server von Gabriel Internetauftritt, dass dieser zusammenbrach.

Fälle dieser Art häufen sich, wie das hessische Justizministerium in einer Initiative schreibt, über die die Justizministerkonferenz in Stuttgart derzeit berät. Darin fordert die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann eine schärfere Ahndung solcher Angriffe. Als weiteres Beispiel wird die lahmgelegte Webseite der belgischen Zeitung „Le Soir“ genannt. Die musste im April wegen einer Cyber-Attacke deaktiviert werden.

Die Statistiken des Internetverbandes eco zeigen: Die Zahl der „Zombie-Rechner“ in Deutschland steigt. In diesem Jahr hat das Anti-Bot-Beratungszentrum des Internetverbandes 83 310 Systeme gescannt und dabei auf knapp 42 Prozent der Rechner infizierte Dateien gefunden, die unbemerkt dort landeten. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der verseuchten Rechner ebenfalls auf diesem Niveau. Bei der Schadsoftware handelt es sich oft um Trojaner und Viren. Darüber erhalten die Kriminellen einen Zugriff auf den Rechner, zwacken beispielsweise Rechenkapazität ab. Am Ende können sie ein Netzwerk bilden, über das Spam-Mails verschickt oder Internetseiten angegriffen werden können. Auch andere Attacken sind denkbar - wie durch Terroristen.  

Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann hat deshalb ihren Vorschlag eingebracht. Dieser sieht eine Gesetzesänderung vor - bisher ist der Datendiebstahl und die Datenveränderung laut Strafgesetzbuch (303a und 303 b - Computersabotage) strafbar. Die Zahl der Verurteilungen ist trotz der vielen Betroffenen aber gering.

Deshalb soll auch die Bemächtigung eines Rechners strafbar werden. Bis zu zehn Jahre Haft könnten drohen, teilte das Justizministerium mit.„Wir haben es mit einer neuen Dimension des Terrors zu tun“, sagt Eva Kühne-Hörmann. Wenn Cyber-Terroristen es schaffen würden, 10 000 private Rechner zu koppeln und für ihre Attacken zu nutzen, dann machten sie die heimischen Computer zu ihren Waffen. Das müsste verhindert werden. Die Initiative fand bereits Zustimmung in Vorabgremien der Justizministerkonferenz.

Gegen den 17-Jährigen, der Gabriels Homepage lahmlegte, wird laut Alexander Badle, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, weiterhin ermittelt. Das während der Wohnungsdurchsuchung im April sichergestellte Beweismaterial werde derzeit noch ausgewertet.

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