Hessen bei Polizeiabdeckung ganz hinten

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Polizisten vor dem Kölner Dom: Nach den Übergriffen in der Silvesternacht zeigt sich auch in Hessen eine unzureichende Polizeiabdeckung in Hessen.

Die sexuellen Übergriffe in Köln haben die personelle Ausstattung der Polizei in den Fokus der Diskussionen gerückt. Doch wie gut ist unsere Polizei eigentlich aufgestellt?

Kassel/Wiesbaden. Hessen bildet mit Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg das Schlusslicht bei der Polizeidichte der Bundesländer. Damit ist die Anzahl der Polizisten pro 100 000 Einwohner gemeint. Das geht aus einer Umfrage der Rheinischen Post hervor, die die Zahlen bei allen 16 Innenministerien abfragte.

In Hessen kommen demnach 226 Polizisten auf 100 000 Einwohner. Nur Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg schneiden schlechter ab. Dagegen weisen die ostdeutschen Länder eine bessere Personalausstattung aus: 366 Polizisten kommen in Mecklenburg-Vorpommern auf 100 000 Einwohner.

Ist Hessen unsicher?

Das hessische Innenministerium beschwichtigt. „Hessen ist und bleibt ein sicheres Bundesland“, sagt Ministeriumssprecher Marco Krause. Er vermutet, dass in der Umfrage einige Länder andere Zahlen angegeben haben: Die RP hatte nach Vollzugsbeamten gefragt und Wachpolizisten und Polizisten in der Ausbildung außen vor gelassen.

Der Sprecher des Innenministeriums mutmaßt, dass in einigen Ländern diese Gruppen mit angegeben wurden. Dann läge die Polizeidichte in Hessen bei 260. Tatsächlich wurden etwa in Bayern, Brandenburg und NRW Verwaltungsmitarbeiter miteingerechnet. Polizisten und Aufklärung

Die Zahl der Polizisten lässt laut hessischem Innenministerium nicht direkt Rückschlüsse auf die Aufklärungsquote von Verbrechen zu. Hessen lag in den vergangenen drei Jahren bei der Aufklärungsquote bei 59 Prozent und damit nach eigenen Angaben im vorderen Bereich der Bundesländer. Neue Stellen

In Hessen gibt es laut Ministeriumssprecher in diesem Jahr 13 969 Planstellen für Polizeivollzugsbeamte. Die Zahl sei damit nach zwischenzeitlichem Abbau genauso hoch wie vor zehn Jahren.

Zu den Planstellen der Vollzugsbeamten kommen 870 Anwärterstellen, die mit Beginn des Jahres um 300 Stellen aufgestockt wurden. Außerdem werden 100 neue Beschäftigte bei der Wachpolizei eingestellt. Die Zahl steigt damit auf 632.

Kritik der Gewerkschaft

Das Hessen ein sicheres Land ist, sei eine typische Politikeraussage, sagt Andreas Grün, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei Hessen. Verschiedene Umfragen hätten einen anderen Eindruck vermittelt. Der Großteil der Bevölkerung fühle sich nicht sicher, sagt Grün.

Gerade mit Blick auf den Einbruchdiebstahl und die niedrige Aufklärungsquote von rund 20 Prozent werde das deutlich. Diese Quote liege auch an der Personalausstattung der Polizei. Tatsächlich belegt die Statistik: Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 11 595 Fälle gestiegen. Zudem würden die 300 neuen Stellen bei den Polizeibeamten erst in drei Jahren greifen. Diese Personen müssten erst ausgebildet werden. „Wir brauchen 1000 neue Stellen, um von einer Verstärkung sprechen zu können“, sagt Grün.

Polizeidichte
Ein Überblick zur Polizeidichte in Deutschland (Beamte auf 100 000 Bewohner)
Stadtstaaten:
• Berlin: 473
• Hamburg: 437
• Bremen: 418
Osten:
• Mecklenburg-Vorpom: 366
• Brandenburg: 328
• Thüringen: 294
• Sachsen-Anhalt: 286
• Sachsen: 266
Westen:
• Bayern: 326
• Saarland: 281
• Schleswig-Holstein: 257
• Niedersachsen: 231
• Nordrhein-Westfahlen: 228
• Hessen: 226
• Baden-Württemberg: 225
• Rheinland-Pfalz: 224
Durchschnitt:
Bundesweit (304)
Osten (308)
Westen (250) Quelle: RP/ntv/dpa

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