Freier Eintritt für Flüchtlinge im Hessenpark: Protest im Internet

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Idyllische Fachwerkkulisse: Im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach wird das Leben in vergangenen Zeiten veranschaulicht. Zurzeit ist es aber wenig gemütlich: Freier Eintritt für Flüchtlinge erregt die Gemüter.

Gegen den Hessenpark in Neu-Anspach hat es im Internet Protest gegeben, weil Flüchtlinge dort keinen Eintritt zahlen müssen. Museumsleiter Jens Scheller verteidigt das Konzept.

Neu-Anspach. Normalerweise geht es im Hessenpark in Neu-Anspach recht idyllisch zu. Alte Fachwerkhäuser, Handwerkskunst früherer Zeiten, Nachbauten kleiner Läden. Zurzeit aber sehen sich die Mitarbeiter des Freilichtmuseums einer Protestwelle (Shitstorm) bei Facebook ausgesetzt. Sie werden zum Teil übel und unflätig beschimpft. Der Grund: Flüchtlinge haben in den Hessenpark freien Eintritt. Was manche Gemüter erregt: Bezieher von Sozialhilfe müssen 2,50 Euro zahlen, Menschen mit Behinderung vier Euro, die normale Tageskarte kostet acht Euro.

Den freien Eintritt für Flüchtlinge gibt es bereits seit September 2015, die Wogen der Missgunst schlagen aber erst seit einigen Tagen hoch. Zuvor hatte es nur vereinzelte Kritik gegeben.

Dabei will das Museum, eine Gesellschaft des Landes Hessen, nach eigenen Angaben nichts weiter als seinen Beitrag zur Integration und zum besseren Verständnis der hiesigen Sitten und Gebräuche leisten. „Wir wollen, dass die Menschen in die Geschichte und Kultur der Region eintauchen und dadurch eine Verbindung zu ihrer neuen Umgebung aufbauen können“, erläuterte Museumsleiter Jens Scheller. Der Hessenpark sei kein Einzelfall, viele Museen und ähnliche Einrichtungen in ganz Deutschland böten ebenfalls freien Eintritt.

In einer Stellungnahme des Hessenparks auf seiner Facebook-Seite, die mittlerweile über 3500 Likes hat, heißt es, man schätze den freien Meinungsaustausch, was aber im Moment vor sich gehe, sprenge jeden Rahmen. Man stehe weiterhin zur Entscheidung, Flüchtlinge kostenlos auf das Gelände zu lassen. Außerdem, so das Museum in einer Mitteilung, wolle man ein Zeichen setzen, dass Flüchtlinge in Hessen willkommen seien. Durch die Regelung nehme niemand Schaden, betonte Scheller gegenüber unserer Zeitung.

Die Zahl der Flüchtlinge, die das Angebot angenommen haben, ist überschaubar: Seit September waren es, so Scheller, inklusive Begleitpersonen 244.

Solidarität der Parteien

Die zahlreichen Hass-Postings („Wir haben schon 15.000 Leute zusammen, die diesen Moslem-Islam-Park boykottieren werden“ - „Lasst Euch den Park doch von den Flüchtlingen finanzieren“ - „Sogar Hunde müssen Eintritt bezahlen und Fremde nicht“) blieben nicht ohne Reaktion. Nach Angaben der Museumsleitung seien die schlimmsten Facebook-Kommentare an die Polizei weitergeleitet worden. Es werde ermittelt.

Am Wochenende kamen Vertreter aller im Landtag vertretenen Parteien in das Freilichtmuseum, um ihre Solidarität zu zeigen. Sie pflanzten am Eingang eine Buche, als Symbol, dass auch Fremde hier Wurzeln schlagen sollen.

Museumsleiter Scheller kann der ganzen Sache auch Positives abgewinnen. Durch das Medienecho sei der Hessenpark bekannt geworden, es seien bereits einige neue Besucher gekommen. Auch im Internet gibt es eine Menge positive Postings. So schreibt ein Nutzer: „Da Rassisten jetzt den Hessenpark meiden, kann man sich noch häufiger dort aufhalten. Danke.“

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