Razzia in Frankfurt in der Nacht zu Freitag

Minister zu Hells-Angels-Verbot: "Lupenreines organisiertes Verbrechen"

Frankfurt/Wiesbaden. Hessens Innenminister Boris Rhein hat das Verbot der beiden Frankfurter Hells-Angels-Clubs mit „lupenreinem organisierten Verbrechen“ begründet. Ihre Hauptbeschäftigung bestehe im Drogen-, Rotlicht- und Menschenhandelgeschäft - auf höchst brutale Weise.

Viele Menschen verbinden Hells Angels mit laut röhrenden Motorrädern. Doch der Eindruck täuscht: Nur 18 Prozent der Rocker der Hells Angels haben laut Innenministerium einen Motorradführerschein.

In Frankfurt ist dem Treiben vorerst ein Ende gesetzt. Die beiden Clubs "Frankfurt“ und „Westend“ sind am Donnerstagabend verboten worden, letzterer nach Hannover der bundesweit bedeutenste Höllenengel-Verein.

Noch in der Nacht schlug die Polizei zu, durchsuchte das Vereinsheim nach den Emblemen und schraubte die Clubschilder am Haus ab. Der Innenminister beobachtete das Ganze „aus der Ferne“, wie er am Freitag sagte.

Artikel aktualisiert um 15.40 Uhr

Am Freitag ließ die Polizei die Internetseiten sperren und das Vereinsvermögen einfrieren. Um welche Summen es dabei geht, könne man noch nicht sagen. Damit schwäche man die Organisation, glaubt Rhein.

Die Machtfülle der Hells Angels, die das Rotlichtviertel am Frankfurter Hauptbahnhof beherrschen, werde eingeschränkt. Aber natürlich müsse man auch „nacharbeiten“, mit dem Verbot allein sei es nicht getan.

Die Maßnahme sei mit dem Bundesinnenminister abgestimmt, es können kein bundesweites Verbot geben, da es sich um selbstständige Vereine handele. Bislang habe es Verbote in Hamburg und Schleswig-Holstein gegeben.

Großalarm für Polizei: Hells Angels kommen

Dass der Schlag gegen die Clubs etwas mit Vorwürfen gegen ihn selbst zu tun hat, wies der Minister zurück. Das Verbot sei das Ergebnis von zweijähriger Polizeiarbeit: „Es ist abwegig zu glauben, das könne man in zwei Wochen aus dem Ärmel schütteln.“ Bei den Clubs handele es sich um „geschlossene Gesellschaften“, gegen die zu ermitteln höchst problematisch sei. „Einen Staat im Staate werden wir aber nicht dulden“, sagte Rhein, das Verbot sei ein „unmissverständliches Signal.“ Rhein glaubt nun gerichtsfeste Belege zu haben.

Er muss damit rechnen, dass die Clubs gegen das Verbot klagen. Es erstreckt sich auch auf die Gründung von Ersatzorganisationen. Allerdings können die rund 90 Mitglieder der beiden Charter zu den Clubs in Offenbach, Darmstadt und Hanau wechseln, die aber auch im Visier der Behörden stehen. Laut BKA stand 2010 fast jedes zehnte Ermittlungsverfahren zur Organisierten Kriminalität im Zusammenhang mit Rockergruppen. (wet)

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