Insektenplage

Heuschrecken fressen Ostafrika kahl: Experten befürchten Hungersnot

Es ist eine Plage biblischen Ausmaßes: Schwärme von Hunderten von Millionen Heuschrecken fallen über Teile Äthiopiens, Kenias und Somalias her. Sie richten ganze Felder zugrunde.

  • Riesige Heuschreckenplage in Ostafrika.
  • Tiere fressen ganze Felder kahl.
  • Eine Hungersnot droht.

Die Insekten seien „beispiellos in ihrer Größe und ihrem Zerstörungspotenzial“, teilt die UN-Landwirtschaftsorganisation (FAO) mit. Welche Gefahr verbirgt sich hinter dieser Insektenplage? Dazu Fragen und Antworten:

Welche Ausmaße hat die Heuschreckenplage?

Die Plage hat ein Ausmaß, wie es seit mehr als 25 Jahren nicht erlebt wurde, sagt Daniele Donati, stellvertretender Leiter der Abteilung für Notfälle bei der FAO. In Kenia sei ein 2400 Quadratkilometer großer Schwarm unterwegs – das entspricht fast der Größe des Saarlandes. Ein einziger Quadratkilometer der Insekten könne an einem Tag so viel vertilgen wie 35 000 Menschen. Das bestätigt Dr. Heinz Peters, Landwirtschaftsexperte bei der Welthungerhilfe, auf Anfrage unserer Zeitung. Zudem könne ein Schwarm bis zu 150 Kilometer pro Tag zurücklegen. Die Heuschreckenschwärme befallen die Ländereien und können sie völlig kahlgefressen zurücklassen.

Große Insekten: Eine Wüstenheuschrecke.

Was bedeutet das für die Menschen vor Ort?

In Ostafrika herrscht bereits ohne Heuschreckenplage große Nahrungsmittelknappheit. Die Region ist von periodischen Dürren und Überschwemmungen gebeutelt. Fast 25 Millionen Menschen haben laut dem UN-Nothilfebüro (OCHA) nicht genug zu essen. Als Bauern oder Hirten sind sie von ihrem Land abhängig. Die Plage könnte zu einem hundertprozentigen Verlust der Ernte und somit zu einer Hungersnot führen, warnt Jasper Mwesigwa, Analyst beim Klimazentrum der ostafrikanischen Regionalgemeinschaft. Laut Welthungerhilfe können mit einer neuen Aussaat nach der Plage wieder Nahrungsmittel angebaut werden. Durch die Klimaextreme ist der landwirtschaftliche Erfolg aber unkalkulierbar. Es könnte weitere Missernten geben.

Wie begünstigt das Klima diese Plage?

Was in Australien die verheerenden Brände begünstigt hat, brachte Ostafrika Überschwemmungen: der sogenannte Indische-Ozean-Dipol. Der warme und feuchte Boden bietet den Heuschrecken optimale Bedingungen zur Vermehrung, erklärt Andreas Bürkert vom Fachgebiet Ökologischer Pflanzenbau und Agrarökosystemforschung in den Tropen und Subtropen an der Universität Kassel. Durch die bereits große Grundpopulation gebe es einen Ketteneffekt.

Ein Junge vertreibt Wüstenheuschrecken mit einem Stock.

Was kann man gegen die Heuschrecken tun?

Die Behörden sind bei der Bewältigung der Plage überfordert, sagt Mwesigwa. „Es ist extrem schwierig, solche Schwärme in den Griff zu kriegen. Bei so großen Schwärmen bleibt meist nichts anderes übrig, als aus der Luft großflächig Insektizide abzuwerfen“, sagt Bürkert. Da diese aber auch für Menschen nicht ungefährlich seien, betont er, müssten die Betroffenen die Gegend vorübergehend verlassen.

Wie wird den Menschen vor Ort geholfen?

In dieser Krise müssen lokale Behörden in Verbindung mit nationalen und internationalen Landwirtschaftsexperten versuchen, die Ausbreitung der Schädlinge einzudämmen, sagt Peters von der Welthungerhilfe. Sollte es nach der Heuschreckenplage zu schweren Nahrungsmittelengpässen kommen, würden betroffene Menschen übergangsweise mit Nahrungs- und Futtermitteln und auch mit neuem Saatgut versorgt werden, um die Krise zu überstehen. Menschen aus reicheren Ländern könnten dabei finanziell unterstützen, so Peters. Die FAO braucht nach eigenen Angaben 70 Millionen Dollar für die Unterstützung.

mit dpa

Rubriklistenbild: © Ben Curtis/AP/dpa

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