„Wie im koreanischen Fernsehen“

Heute-journal-Chef Kleber macht weiter Front gegen die Tagesschau

Starres Verlesen der Nachrichten: Sprecherin Judith Rakers gehört zum Team der ARD-Tagesschau. Gerade ihr traut Kleber einen eher moderierenden Nachrichtenstil zu. Foto: dpa

Mit dem Zweiten sieht man besser: Davon ist Claus Kleber (57), der mitunter etwas selbstverliebte, aber äußerst populäre Moderator des heute-journals, felsenfest überzeugt. Wie wenig er von der Konkurrenz hält, tut er ganz offen und wenig gentlemanlike kund.

Indirekt zielte er jüngst vor laufender gegen seinen scheidenden Kollegen vom Ersten. Mit dem hatte er zuvor zwar bei einer Gala die Goldene Kamera in der Kategorie „Nachrichten“ bekommen. Doch als Tom Buhrow zum künftigen WDR-Intendanten ernannt wurde, schwärmte Kleber nach Verkündung dieser Nachricht, dass er den spannendsten Job im Fernsehwesen recht gerne weiterzumachen gedenke. Spitzer kann man dem Ex-Kollegen nicht nachsagen, dass er ein „Verwaltungsheini“ wird, ohne es auszusprechen.

Youtube-Video

Ein Video einer Nachrichtensendung aus Nordkorea sehen Sie hier.

Nun legt Kleber nach. Und nimmt direkt eine nationale Institution aufs Korn: die Tagesschau. Diesmal nutzt er das Forum einer Veranstaltung der Kreissparkasse Waiblingen: Zwar sei er sich bewusst, dass die Hauptnachrichten der ARD der „Goldstandard“ sind. Aber die Art und Weise, wie die Meldungen vorgetragen werden, seien nicht zeitgemäß. Und dann knallte Kleber nach Angaben des Medien-Portals „Meedia“ rhetorisch die Peitsche: „Das trockene Nachrichtenablesen gibt es heutzutage nur noch um 20 Uhr und im koreanischen Fernsehen“, meinte er unter Verweis auf den generalstabsmäßigen Feldherren-Ton im Fernsehen Nordkoreas. Der moderierende, erklärende angloamerikanische Nachrichtenstil sei ihm ins Blut übergegangen. Bei der „Tagesschau“ bliebe dagegen wenig Spielraum, obwohl die Journalisten hochprofessionell seien. „Jemand wie die hochgeschätzte Kollegin Judith Rakers könnte natürlich mehr moderieren und einordnen, aber sie soll nicht.“

Kritik an der ARD: ZDF-Nachrichtenmoderator Claus Kleber.

Kleber selbst ist imprägniert mit der amerikanischen Art des Nachrichtenbusiness: 15 Jahre hatte er als Korrespondent für ARD-Anstalten in Hörfunk- und TV-Beiträgen aus den USA berichtet. Vom Hörfunkredakteur stieg er zum Studioleiter in Washington auf, von wo aus er live über die Terroranschläge vom 11. September 2001 berichtete.

Bereits vor zwei Wochen hatte der gebürtige Reutlinger, der eigentlich Claus-Detlev Walter Kleber heißt und mittlerweile mit Sonderbeiträgen im ZDF sowie in Büchern auch gern den Weltenerklärer gibt, die Konkurrenz in die Mangel genommen. Im Interview für „Die Zeit“ hatte er behauptet, er sehe keine Zukunft für die „Tagesschau“ in ihrer jetzigen Form: „Ich glaube, dass sich dieses Konzept gerade überlebt“. Was diese Art von Nachrichten biete, werde am ehesten durch den schnellen Blick ins Internet ersetzt, sagte Kleber. „Wir müssen die Zeichen der Zeit erkennen. Studenten etwa sind, während sie ihre Essays schreiben, auf Facebook aktiv und lesen Spiegel Online. Die brauchen abends die Tagesschau wirklich nicht.“

Was meinen Sie?

Argumente von Claus Kleber

• Fernsehen darf sich nicht aufs bebilderte Ablesen der Nachrichrichten beschränken. Aktuelle News gibt es tagsüber bereits im Internet.

• Zeitgemäße TV-Nachrichten sollten sich daher auch nicht auf einen Sprecher beschränken, sie müssen Spielräume nutzen, um auf moderierende und erklärende Art das Wesentliche anschaulich zu vermitteln. Im US-Fernsehen gibt es dafür den Begriff des Anchorman, der sich nicht als Nachrichtenverleser sieht. Argumente für die Tagesschau

• Knapper, nüchterner Nachrichtenstil vermittelt am besten den Gehalt der Nachricht. Ohne Ablenkung durch unterhaltsame Moderationsmätzchen wird am besten garantiert, dass der TV-Zuschauer sich auf die Essenz des Tages konzentrieren kann.

• Längst nicht alle, erst Recht nicht Berufstätige, kommen dazu, stündlich die News online zu lesen. Sie sind froh, abends das Wichtigste vom Tage gebündelt vorgetragen zu bekommen. (rie) Schreiben Sie uns Wie ist Ihre Meinung, liebe Leserinnen und Leser? Schreiben Sie uns per Post an HNA Nachrichtenredaktion, Frankfurter Straße 168, 34121 Kassel oder per mail an nachrichten@hna.de

Von Ullrich Riedler

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