Ist die "heute-show" sehenswert? Ein Pro und Kontra

Kassel. Die Satiresendung „ZDF heute-show“ ist zurück aus der Sommerpause. Im Stil einer Nachrichtensendung machen sich Oliver Welke und sein Team (unter anderem Martina Hill, Christian Ehring, Dietrich Hollinderbäumer, Olaf Schubert und Hans-Joachim Heist) über das aktuelle Weltgeschehen und Politiker lustig. Muss man sich das angucken?

Ein Pro und Kontra zu der Nachrichten-Satire:

Pro

Mark-Christian von Busse (45) lacht sich bei der „heute-show“ immer noch oft kaputt.

Nicht nur Bundestagspräsident Lammert beklagt, in der „heute- show“ würden Politiker persönlich niedergemacht. Langweilig, öde, stets das gleiche Muster, auch so wird Oliver Welke jetzt gerüffelt. Beide Vorwürfe zielen ins Leere. Die „heute-show“ ist deftig und derb, klar.

Aber muss man deshalb die Warnung „Satire“ einblenden? Satire soll Missstände anprangern, zuspitzen, pointiert, scharf sein. Wie Gernot Hassknecht, wenn er „den IS-Konflikt in 95 Sekunden erklärt“ und Waffenexporte geißelt. Ein abwägendes Referat kann das nicht sein. Manche Scherze sind daneben. Doch hat der Spott nach mancher Woche medialen Irrsinns die wohltuende Wirkung eines Schnapses nach zu fettem Essen: Er hilft, zu verdauen.

Vielleicht hat sich die „heute -show“ irgendwann überholt. Jedes Format hat seine Zeit. Selbst Gigant Harald Schmidt hatte den Zenit überschritten. Bei Welke sehe ich diesen Punkt noch nicht. Und sogar Lammert musste zugeben, er finde die „heute-show“ zum Brüllen komisch.

Mail an den Autor:  vbs@hna.de

Kontra

Wenn die „heute-show“ tatsächlich das Beste an öffentlich-rechtlicher Satire ist, wie Kritiker und Preisjuroren behaupten, möchte ich keinen Rundfunkbeitrag mehr zahlen. Mit seinem Team betreibt Oliver Welke die Mariobarthisierung des Kabaretts.

Matthias Lohr (40) hält die „heute-show“ für völlig überbewertet.

In der ersten Folge nach der Sommerpause fiel ein halbes Dutzend Mal das Wort „Scheiße“. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wurde als „Flinten-Uschi“, „sprechende Gulaschkanone“ und „total tabulose Ministerin“ verhämt, was so viel heißt wie „Nutte“. Der sächsische SPD-Spitzenkandidat Martin Dulig, der gerade einen äußerst kreativen Landtagswahlkampf geführt hat, wurde als Vollidiot am Küchentisch dargestellt. Das soll intelligente Satire sein?

Die Pointen sind oft mau. Und sie werden nicht besser, wenn Welke sie mit Scheißhaus-Parolen versieht und ein cholerischer Zwerg wie Gernot Hassknecht sie rausbrüllt. Gegen die „heute-show“ ist „Mainz bleibt Mainz“ intellektueller Humor.

Mail an den Autor:  mal@hna.de

Rubriklistenbild: © dpa

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