Abzocke unter Notruf 110

„Hier ist die Polizei“: Mit gefälschter Nummer fordern Betrüger Geld

Kassel/Wiesbaden. Der Enkeltrick, mit dem Kriminelle sich am Telefon als Verwandte in Not ausgeben, um vor allem bei älteren Menschen Geld locker zu machen, ist überholt. Jetzt warnt das Landeskriminalamt (LKA) Hessen vor einer noch unverschämteren Masche.

Betrüger geben sich am Telefon als Polizeibeamte aus und fordern arglose Zeitgenossen auf, Geld über den Bezahldienst Western Union anzuweisen. Wer sich weigere, werde verhaftet.

Besonders perfide: Über sogenanntes Call ID Spoofing wird dem Angerufenen im Display seines Telefons vorgegaukelt, der Anruf komme von der Polizeinotrufnummer 110 oder + 49 110, also Notruf mit Deutschland-Vorwahl.

So versuchten Kriminelle, ihren Auftritt als angebliche Polizeibeamte noch zu untermauern. „Call ID Spoofing bedeutet übertragen, dass im Display des Angerufenen nicht die richtige Telefonnummer des Anrufers erscheint, sondern eine frei gewählte andere“, warnt Christoph Schulte, Fachberater für Cybercrimeprävention am LKA. Die Notrufnummer 110 diene ausschließlich dazu, Anrufe entgegenzunehmen, so die Behörde weiter: Über diese Nummer rufe die Polizei nie von sich aus jemanden an.

Die Abzocke funktioniert weltweit: Im kalifornischen Butte County fordern Betrüger derzeit nach Berichten von US-Medien unter der Nummer des Sheriffs Überweisungen an. Aus Texas wurde Ende Januar ein Fall bekannt, in dem sich ein Unbekannter per Spoofing die Nummer eines ahnungslosen Mitbürgers gekapert hatte, vermutlich um am Telefon angebliche Spenden für mildtätige Zwecke einzuwerben. In Alabama warnt die Telefongesellschaft AT&T vor Abzockern, die sich mit Spoofing-Nummern im Display als AT&T-Sicherheitsleute ausgeben, um an Computer-Passwörter zu kommen.

Service

Zu den Notruf-110-Betrügern stellt das Landeskriminalamt Hessen klar:

• „Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gerichte fordern niemals Zahlungen per Western Union oder anderen Bezahldiensten. Zahlungen an die Justiz oder an die Polizei erfolgen ausnahmslos auf reguläre deutsche Bankkonten.“

• „Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gerichte würden Sie niemals telefonisch zu einer Zahlung auffordern. Sie erhalten immer eine schriftliche Zahlungsaufforderung - mit klar erkennbarem Absender - auf dem Postweg.“

• „Seien Sie immer skeptisch, wenn sich Personen am Telefon als Amtsträger ausgeben und eine Zahlung von Ihnen fordern. Alle Behörden nennen Ihnen auf Nachfrage immer eine Rückrufnummer.“

Von Wolfgang Riek

Rubriklistenbild: © dpa

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