Eine Gründung von Siemens: Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig wird 125 Jahre alt

Hilfe bei der Vermessung der Welt

Meilenstein der Präzision: Eine Atomuhr in der Uhrenhalle der PTB. Foto:  dpa

Braunschweig. Ein Pfund oder eine Minute sind den Wissenschaftlern der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig egal. Die alltäglichen Maßeinheiten sind den Metrologen, wie ihr Beruf offiziell heißt, viel zu ungenau. „Internationaler Handel und internationale Zusammenarbeit können nur funktionieren, wenn alle dieselben Maßeinheiten benutzen“, sagt PTB-Sprecher Jens Simon. Das dachte vor 125 Jahren auch der später geadelte Werner Siemens und installierte die erste staatliche, außeruniversitäre Großforschungsanstalt.

Am 28. März 1887 beschloss der Reichstag den ersten Etat für die Physikalisch-Technische Reichsanstalt, der heutigen PTB. Um Deutschland und auch sein Unternehmen voran zu bringen, hatte der Industrielle Siemens dem Staat ein Grundstück in Berlin überlassen. Seitdem sind die PTB-Wissenschaftler dabei, wenn es um Längen, Massen, die Zeit, Temperaturen, Licht- und Stromstärke oder die Menge eines Stoffs geht. „Das sind die sieben Basiseinheiten, mit denen sich prinzipiell alles messen lässt“, erläutert Simon.

Früher genügten den Menschen Einheiten wie Elle und Fuß, die oft von der zufälligen Größe des jeweiligen Herrschers abgeleitet waren. 1799 wurde in Paris erstmals mit einem Stab aus Platin festgelegt, wie lang ein Meter sein sollte. 1875 wurde die Meterkonvention verabschiedet. Jedes Land, das dem Abkommen beitrat, erhielt eine Kopie des Pariser Meters. „Diese Maßstäbe haben heute nur noch musealen Wert“, sagt PTB-Ingenieur Bernd Przebierala.

Denn beim Messen sind die PTB-Wissenschaftler unglaublich genau: Das Meter hat nicht nur 100 Zentimeter, ein Meter ist für sie die Strecke, die Licht im Vakuum während der Dauer von 1:1 299 792 458 Sekunden durchläuft. Für Laien ist das nicht vorstellbar und dennoch spielen hypergenaue Messwerte im Alltag eine wichtige Rolle. Datenübertragung im Fernsehen, medizinische Diagnosewerte, die Waage im Supermarkt, die Zapfsäule oder Roboter, die winzige Teile für ein Auto herstellen - ohne exakte, einheitliche Messwerte läuft nichts.

Ein Meilenstein war 1969 eine der weltweit ersten Atomuhren. Heute sucht etwa Arnold Nicolaus mit seinen Kollegen in einem der rund 200 PTB-Laboratorien mit Hilfe von Siliciumkugeln nach dem genauen Kilogramm. Eine der Kugeln hat den Wert von einer Million Euro. Mit rund 1500 Mitarbeitern in Braunschweig und 500 in Berlin sowie einem Jahresetat von 140 Millionen Euro ist die PTB weltweit die zweitgrößte Einrichtung dieser Art. „Nur die USA haben ein größeres Metrologieinstitut“, sagt Simon. Ende März kommen denn auch Vertreter aus mehr als 100 Ländern nach Braunschweig, um den 125. Geburtstag der PTB zu feiern. (lni)

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