Vor 17 Jahren stürzte das World Trade Center ein

Diesen Tag werden wir nie vergessen: So erlebten wir den 11. September 2001

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Rauchwolken über Manhatten: Der Anschlag auf New York veränderte die Welt. 

Heute vor 17 Jahren hielt die Welt den Atem an. Am 11. September 2001 griffen Islamisten die USA an, das New Yorker World Trade Center stürzte ein. HNA-Redakteure erinnern sich an den Terroranschlag.

Es ist ein Datum, das wohl für viele immer in Erinnerung bleibt. Wer damals als Kind, Jugendlicher oder Erwachsener die Katastrophe in den Nachrichten verfolgte, der kann sich oftmals ziemlich genau daran erinnern, wie die Nachricht zu ihm gelangte. HNA-Redakteure schreiben, wie sie den Tag erlebt haben.

Mark-Christian von Busse, Kulturredakteur (49):

Im September 2001 war ich im Urlaub in Ligurien unterwegs, pendelnd zwischen Bergen und Meer, mit Handy zwar, aber natürlich noch ohne WLan und mobilen Internetzugang. Gegen Abend bei der Ankunft auf dem Campingplatz verwirrende Bilder auf einem Fernsehschirm an der Rezeption: ein Flugzeug, das in ein Hochhaus fliegt. Was um Himmels willen war da passiert? Der Handy-Akku: nach dem langen Tag natürlich leer. Kein Vergnügen, es auf der Campingplatz-Sanitäranlage beim Laden so weit zu bewachen, bis ich meinen Bruder in Hannover anrufen konnte, um mehr zu erfahren. Er wusste aber noch nicht viel mehr. 

Ich erinnere mich noch, wie ich am nächsten Morgen endlos durch San Remo lief, auf der Suche nach einer deutschen Tageszeitung. Es gab nur „Die Welt“, aber immerhin. Im Radio, in den Bergen, wie aus dem Nichts plötzlich ein englischsprachiger Sender, der aus New York berichtete, der aber nach jeder zweiten Kurve auch wieder verschwand. Ich erfuhr also bloß Bruchstücke. Heute ist es unvorstellbar, bei einer solch einschneidenden Nachricht so lange dermaßen ahnungslos zu bleiben. Natürlich war ich damals nicht glücklich darüber. Aber ob das heutige mediale Dauerfeuer ein Gewinn ist, sei mal dahingestellt. Abschalten – im doppelten Sinn - ist fast unmöglich geworden. 

Axel Schürgels, Online-Redakteur (29)

Die Schule war gerade vorbei, das Mittagessen stand auf dem Tisch. Als ich - damals 12 Jahre alt - anschließend den Fernseher einschaltete, flimmerten auf allen Kanälen die gleichen Bilder über die Schirme. Brennende Türme! Flugzeuge entführt? Eine Katastrophe. Schnell wurde klar: Das ist kein normaler Nachmittag. Sondersendung reihte sich an Sondersendung. Die Zeit schien still zu stehen: Die Straßen waren merklich leerer, Verabredungen wurden kurzerhand abgesagt. Erklärungen für das Ganze hatte niemand so schnell parat. Was blieb? Vor allem in den ersten Tagen danach ein bedrückendes Gefühl, Schock, Trauer und langfristig der Begriff Terror, der mir zum ersten Mal bewusst wurde - und bis heute präsent ist.

Sina Beutner, Online-Redakteurin (32)

2001 war ich noch ein Teenager. Ich ging zur Schule, kam nach Hause, schaltete den Fernseher an und rief meine beste Freundin an – jeden Tag. Auch am 11. September. Dort sah ich die ersten Bilder des Anschlags. Ich weiß noch, wie wir in kindlicher Angst befürchtet haben, dass nun der dritte Weltkrieg ausbricht. Ich habe meine Mutter an der Arbeit angerufen – sie hatte noch nichts mitbekommen, damals hatte man noch kein Smartphone, geschweige denn Pushfunktionen. Den restlichen Tag habe ich wie wahrscheinlich der Rest der Welt vor dem Fernseher verbracht und Peter Kloeppel zugehört. Erst heute weiß ich, wie schwierig sein Job damals gewesen sein muss.

Bettina Fraschke, Kulturredakteurin (49):

Ein normaler Arbeitstag in der Redaktion. Schreibtisch. Computer. Plötzlich kommt der HNA-Lokalchef Horst Seidenfaden aus seinem Büro rüber zu uns. Da sei was passiert. Ich habe ihn zuvor nie so besorgt und ernst gesehen. Wir sind zu seinem Fernseher. Standen einfach davor. Schauten und schauten. Mein Kopf wollte diese Bilder vom Flugzeug im Hochhaus einfach nicht begreifen. Und dann haben wir alle tief Luft geholt und tagelang mit voller Kraft außerordentliche Zeitungsausgaben gemacht. 

Andreas Berger, Online-Redakteur (40)

Was ist das denn für ein billiger Film? Das dachte ich, als ich an der Theke des spanischen Lokals in Roses saß, etwa 150 Kilometer nördlich von Barcelona, einen Kaffee vor mir und den Blick auf den alten Fernseher über dem Getränkeregal gerichtet. Auf dem staubigen Bildschirm kracht ein Flugzeug in ein Hochhaus. Und dann noch einmal. Und noch einmal. Findet der Regisseur die Szene so geil, dass er sie immer wieder zeigen muss? Billig. Dann wechselt die Szene. Ein Nachrichtensprecher sagt etwas. Auf Spanisch. Verstehe ich nicht. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass auch die anderen Gäste auf den Bildschirm schauen. Erst ist es ruhig. Dann brandet Stimmengewirr auf. Immer lauter. Doch kein schlechter Ami-Film? Gänsehaut. Schauder jagen über meinen Rücken.

Der Wirt sagt auf Englisch: "Kein Film, Sondersendung." Realität. Aber keine, die ich sofort begreife. Erst als am nächsten Morgen die Bild-Zeitung, die auf dem Campingplatz erhältlich ist, über einen Anschlag schreibt und ein Foto der Szene zeigt, die ich vom staubigen Fernseher in der Kneipe kenne, findet das Gehirn die Bestätigung, nach der es verlangt hat. Ohne Handy und Laptop hatte ich damals noch nicht den Drang, ständig über die Weltlage informiert sein zu wollen. In den Tagen ab dem 11. September habe ich mir gewünscht, einen Liveticker zu haben, statt auf den nächsten Morgen warten zu müssen, um in der Bild-Zeitung einige meiner vielen Fragen beantwortet zu finden. Ein Urlaub unter Strom. Unvergessen.

Wie sich der 11. September auf die Entwicklung von HNA.de ausgewirkt hat, lesen Sie hier.

Florian Quanz, Politikredakteur (34):

In meinem Zimmer lief gerade Wonderwall von Oasis. Eines meiner absoluten Lieblingslieder. Gedankenversunken saß ich am Schreibtisch und war der Welt entrückt. Lust auf Hausaufgaben hatte ich keine. Dann höre ich von unten aus dem Erdgeschoss den Ruf meines Vaters. Unsanft wurde ich aus meinem Tagtraum herausgerissen. Ich war sauer. Was könnte es so Wichtiges am Nachmittag geben? Der Ruf erschallte erneut. Trotz der Penetranz seiner Rufe wollte ich nicht aufstehen. Irgendwann wurde es mir zu viel – ich drehte Oasis ab und lief die Treppen herunter. Kaum unten, sah ich, dass der Fernseher läuft. Ungewöhnlich, denn vor 18 Uhr, so eine alte Hausregel, wird kein Fernseher angestellt. Mein Vater starrte mich an und sagte nur kurz: Ein Flugzeug ist ins World Trade Center geflogen. Fassungslos blickte ich auf den Fernseher. Noch nicht ahnend, welche Folgen das Ereignis für die Welt haben wird.

Dorothea Backovic, Online-Redakteurin (36):

Ich war an diesem Tag beim Frauenarzt. Als ich einen Termin vereinbaren wollte, tönte die Sprechstundenhilfe fast ein wenig besserwisserisch: "Haben Sie das mitbekommen? In den USA ist so ein großes Einkaufszentrum eingestürzt. Ich habe es eben im Radio gehört - sollen ganz schön viele Leute gestorben sein." Mein 20-jähriges Ich zuckte mit den Schultern, denn mich hatte diese Nachricht noch nicht erreicht.

Als ich anschließend in die Straßenbahn stieg - es war in Kassel zwischen Altmarkt und Weserspitze - wurde die Lage irgendwie beängstigend. Die Bahn war recht voll. Ein junger Mann neben mir rief aus heiterem Himmel: "Leute, das war ein Terroranschlag! Ach du Scheiße - ich hoffe, wir sind hier in Deutschland sicher..." Was folgte waren gefühlt endlose Minuten in einer Tram, in der das einzige Thema dieser Anschlag war - Gemurmel, Diskussionen, und Spekulationen überall. Und ich mittendrin - viellicht die einzige, die bis vor wenigen Minuten an die Info glaubte, ein Einkaufszentrum sei wegen baulicher Mängel zerstört worden. Ich vergewisserte mich noch einmal bei einem Mitfahrer: "Es war kein Einkaufszentrum?" Der Mann sagte: "Nee, dieses World Trade Center - was das so genau ist, weiß ich aber auch nicht."

Das Video stammt nicht von hna.de, sondern von der Plattform Glomex.

Endlich kam ich nach der Bahnfahrt daheim an. Ich war erst zwei Wochen zuvor in mein Studenten-Appartment gezogen - das Semester sollte im Oktober beginnen. Mein erster Gang war der zum Einschaltknopf meines winzigen Röhrenfernsehers. Was ich sah, trieb mir Tränen der Angst in die Augen. Ich hatte vorher wohl nie etwas Schrecklicheres im TV gesehen. Und ich fühlte mich allein gelassen. Früher hätten die Lehrer uns in der Schule erklärt, was da passiert ist - und welche Auswirkung das haben könnte. Nun musste ich diese Nachrichten irgendwie selbst einordnen.

Titelseite der HNA am 12. September 2001

Matthias Lohr, Online-Redakteur (44):

Es gab damals noch keine Smartphones - zumindest für mich und die meisten anderen Menschen, die an diesem Dienstagabend auf dem Nachhauseweg waren. Wir warteten am Kasseler Hauptbahnhof auf den Zug und starrten auf den großen Videoschirm, wo eine Sondersendung lief. Dort liefen die Bilder aus New York. Flugzeuge rasten in die Türme des World Trade Centers. Die Menschen schüttelten den Kopf, manche hielten sich die Hand vor den Mund. Sie konnten nicht fassen, was sie sahen. Heute würden alle nur auf ihre Handys schauen und gleich twittern. Damals musste man, während man auf dem Nachhauseweg war, eine gefühlte Ewigkeit auf Neues warten. Zuhause schaltete ich den Fernseher an. Erst da sah ich, wie der erste Turm zusammenstürzte.

Michael Jochimsen, Online-Redakteur (28):

Es war noch ein ganz normaler Dienstag, als ich als Sechstklässler am Mittag aus der Schule kam. Nach dem Essen spielte ich gerade mit einem Freund, als ich merkte, dass alles anders war. Meine Eltern waren aufgeregt und sagten mir, dass ein Flugzeug in ein Gebäude in New York geflogen wäre. Für mich schien das zunächst wie ein tragischer Unfall wie viele andere auch - dass Menschen so etwas mit Absicht tun könnten, kam mir nicht in den Sinn. Mein Vater, der Lehrer ist, besprach sich am Nachmittag mit seinen Kollegen darüber, wie sie diese Katastrophe am nächsten Tag in der Schule ansprechen sollten. Mir selbst wurde das ganze Ausmaß des Terrors erst klar, als ich später die Bilder der einstürzenden Gebäude im Fernsehen sah. 

Wilhelm Ditzel, Online-Redakteur (64):

Ich war mit meiner Freundin und einem befreundeten Pärchen im Wanderurlaub auf Mallorca. Der Grund, warum wir uns dafür ausgerechnet Malle ausgesucht hatten, war aber ein anderer: Wir wollten schon immer mal Manu Chao live bei einem ‚Heimspiel’ in Spanien sehen und in dieser Urlaubswoche hat es gepasst – er sollte am 11. September um 22 Uhr in der ehemaligen Stierkampfarena in Palma auftreten. Für diesen Tag hatten wir die anspruchsvollste Tour der Woche geplant, eine Bergtour zum Puig de Masanella, veranschlagt im Wanderführer auf sechseinhalb Stunden. 

Das Konzert am Abend sollte die Belohnung dafür sein. Aus den prophezeiten 6 ½ wurden fast 8 Stunden. Klar, dass man im Gebirge nichts von den Ereignissen in NY mitbekommen hat. Für eine Einkehr auf dem Rückweg, wo man etwas hätte erfahren können, war keine Zeit und der Mietwagen hatte einen CD-Player (damals hörte man noch CDs). Wir wären vermutlich gut gelaunt zum Konzert gefahren, wenn nicht um 17 Uhr die Mutter meiner Freundin angerufen und gefragt hätte „Was sagt ihr denn zu dem Ganzen?“ „Zu was, bitte?“ 

Zwischen den Bildern des einstürzenden WTCs und Kommentaren gab es im TV immer wieder Ansagen über Konzert- und Festabsagen in Deutschland und Europa, so dass wir davon ausgingen, dass Manu Chao auch ausfällt. Zwei Tage später haben wir gelesen, dass das Konzert stattgefunden hat. Es waren nicht mal die Hälfte der Menschen erschienen, die ein Ticket für den ausverkauften Gig hatten und die Stimmung soll sehr gedrückt gewesen sein.

Das geschah am 11. September 2001

Hier haben wir ein paar Daten, Zahlen und Fakten zu den Anschlägen vom 11. September 2001 zusammengefasst.

  • Für die Terroranschläge vom 11. September 2001 entführten islamistische Terroristen vier Flugzeuge. 
  • Insgesamt waren 19 Al-Kaida-Terroristen an den Flugzeugentführungen beteiligt. 
  • Zwei Flugzeuge stürzten in New York ins World Trade Center, eins ins Pentagon in Washington und eine Maschine stürzte nahe Pittsburg ab.
  • Die Flugzeugentführer gehörten zur Terrororganisation Al-Kaida.
  • Etwa 3000 Menschen kamen ums Leben - welche Anzahl von Menschen an Spätfolgen starb, ist unklar. 
  • Die meisten Menschen starben, als die Zwillingstürme des World Trade Centers einstürzten. 
  • Die USA machten Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden für die Anschläge verantwortlich. 
  • Die Konsequenz war der Krieg gegen das Talibanregime in Afghanistan. 
  • Bis heute ranken sich unzählige Verschwörungstheorien um die Ereignisse des 11. September.

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