HNA-Kommentar zum Fachkräftemangel: Fehlende Balance

Rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind ohne Berufsabschluss. Gleichzeitig gehen der Wirtschaft aufgrund des demografischen Wandels die Fachkräfte aus. Nun erinnert man sich wieder an eine totgesagte Schulform: die Hauptschule. Ein Kommentar von Ullrich Riedler.

Die Firmen in Deutschland schlagen Alarm: Ihnen geht der Nachwuchs aus. Selbst durch Zuwanderung lässt sich das Problem nicht lösen. Bislang ist die Resonanz aus anderen Ländern gering. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung drängt aber die Zeit. Nach Angaben von Wirtschaftsexperten herrscht Fachkräftemangel: Bei Klempnern und Pflegekräften ist der Engpass größer als bei studierten Vermessungstechnikern oder Mechatronikern. Den Mittelstand kostet das viel Geld.

Politik, Gewerkschafter und allerlei Idealisten haben die Hauptschule, deren man sich nun als letzte Reserve besinnt, jahrelang kaputtgeredet. Praxis und Unterricht verzahnende Konzepte wie an Hessens Hauptschulen hatten daher kaum Zukunft. Alle ans Gymnasium, alle an die Uni, lautete die Losung. Nun dämmert es den Verantwortlichen, dass Hauptschüler für eine Gesellschaft genauso wertvoll sind wie Gymnasiasten.

Folge dieser fehlenden bildungspolitischen Balance wird sein, dass Firmen ihren Ausbildungsnachwuchs selbst nachschulen und fördern müssen, wenn sie Personal wollen, das ihren speziellen Wünschen genügt. Unsere Parteien wiederum sollten ihre bildungspolitische Einäugigkeit aufgeben und die verbliebenen Hauptschulen sowie Real- und berufliche Schulen in Personal und Ausstattung alle Förderung angedeihen lassen, die sie brauchen und verdienen. Denn mit Kopfarbeitern allein lässt sich keine Volkswirtschaft am Laufen halten.

E-Mail an den Autor: rie@hna.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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