Jörg S. Carl zur Rolle Russlands

HNA-Kommentar über den Krisenherd Krim: Putins Versuchung

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Jörg S. Carl (E-Mail: jsc@hna.de) zur Rolle Russlands

Auf der ukrainischen Halbinsel Krim sind laut der neuen Regierung in Kiew rund 2000 russische Soldaten auf einer Militärbasis nahe der Regionalhauptstadt Simferopol gelandet. Ein Kommentar von HNA-Redakteur Jörg Stefan Carl.

Nun rächt sich, was jahrelang versäumt wurde. Die Nato hat weder nach den Erfahrungen auf dem Balkan noch nach der russischen Invasion in Georgien ausreichende Anstrengungen unternommen, eine strategische Partnerschaft mit Moskau hinzubekommen. Zugegeben, es war schwierig, sich mit dem Kalten Krieger Wladimir Putin über gemeinsame geopolitische Interessen zu verständigen, aber auch der Westen hat Fehler gemacht.

Vor allem Washington, der entscheidende Nato-Akteur, ist dem überkommenen Denken verhaftet, Einflusssphären in Abgrenzung zu Russland (und China) zu gewinnen und zu sichern. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass der Dialog mit dem Kreml im Hinblick auf ein Zusammenwirken der global agierenden Mächte forciert worden sei. Jetzt ist dieser Dialog plötzlich notwendiger denn je: In der Ukraine brennt es, und Europa sucht bangend das Löschwasser.

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2000 russische Soldaten in Simferopol gelandet

Die Dynamik der ukrainischen Revolution hat die Krim an den Rand eines Bürgerkriegs geführt. Würde er ausbrechen, wäre dies der Beginn der Spaltung der Ukraine. Es heißt, niemand wolle sie. Doch ebenso logisch klingt, dass Moskau seinen Einfluss auf der Halbinsel um keinen Preis aufgeben wird. So klammert sich der Westen an jedes Zitat aus Moskau, das darauf hinweist, Putin werde sich bei den anstehenden Entscheidungen von Vernunft statt Emotionalität leiten lassen.

Ausgemacht ist das noch nicht. Wenn sich die russische Bevölkerungsmehrheit auf der Krim auf ihre historische Identität beruft und das nationale Glühen in Gewalt und Gegengewalt mündet, wird Putin der Versuchung des militärischen Eingreifens - siehe Freitag Abend - nur schwer widerstehen können.

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