"Rührend naiv"

HNA-Kommentar über die Repressionen gegen den Guardian

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Jörg S. Carl

Was Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger schildert, klingt wie eine Szene aus einem Thriller: Britische Agenten gehen in den Keller der renommiertesten Zeitung des Landes und zwingen die Journalisten, Festplatten mit sensiblen Informationen zu zerstören. Ein kommentar von HNA-Redakteur Jörg S. Carl.

Dass der britische Premier David Cameron derart naiv sein soll, treibt einem fast Tränen der Rührung in die Augen. Er schickt Geheimdienstler in ein Zeitungshaus, um Festplatten mit brisantem Material zur NSA-Affäre zerstören zu lassen. Die Schlapphüte schauen zu und freuen sich: Spionageabwehr made in Great Britain.

E-Mail an den Autor: jsc@hna.de

Haben die Spione, die in die Keller des Guardian kamen, noch nie etwas von digitalen Kopien gehört? Weiß Cameron nicht, dass Erpressung keine unliebsame Berichterstattung verhindert, sondern das Gegenteil bewirkt: nämlich das Streiten für die Wiederherstellung der Pressefreiheit, indem genau das veröffentlicht wird, was die Regierung zu unterdrücken versucht.

Wenn die Festplattenzerstörung nur ein symbolischer Akt der Einschüchterung sein sollte, war er sinnlos. Denn nicht nur der Guardian verfügt über NSA-Material, und nicht nur journalistische Wächter in Großbritannien werden weiter über die Datenspähaffäre berichten. Ohnehin ist deren Konsequenz längst jedem klar: Der Staat hat keinen Ruf mehr zu verlieren, er hört und liest mit, wo er kann. Angeblich allein im Bemühen, seine Bürger zu schützen. Wer’s glaubt.

Von Jörg S. Carl

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