Kommentar zur Ausage im NSU-Prozess: Heillose Flucht

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Nach Beate Zschäpe hat nun auch der Mitangeklagte Ralf Wohlleben im NSU-Prozess ausgesagt - und alle Schuld von sich gewiesen. Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

Was Ralf Wohlleben zu seiner Aussage im Münchner NSU-Prozess bewogen hat, blieb gestern unklar. Möglich, dass er sich unter Druck fühlte, weil vergangene Woche die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ihre Aussage verlesen ließ und alle Schuld von sich wies. Da trat auch Wohlleben die heillose Flucht nach vorn an.

Ob er das Gericht überzeugen konnte, wird sich zeigen. Der Verdacht liegt allerdings nahe, dass das behauptete Unwissen über die Morde des Nationalsozialistischen Untergrunds gelogen, das Mitleid mit den Angehörigen der Opfer geheuchelt, und der Hinweis auf ein Versagen des Thüringer Verfassungsschutzes ein Ablenkungsmanöver war. Einer wie Wohlleben weiß, dass Verschwörungsvorwürfe auf fruchtbaren Boden fallen.

Unter der Leitung von Richter Manfred Götzl hat der Strafsenat allerdings bewiesen, dass das Verfahren bei ihm in den richtigen Händen liegt. Die Mühlen der Justiz mahlen in München zwar langsam, für die Angehörigen der Toten vielleicht zu langsam, aber sie mahlen sorgfältig. Damit wird ein Stück Vertrauen in den Rechtsstaat wiederhergestellt, das nach Bekanntwerden der NSU-Mordtaten verloren gegangen war.

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