Kommentar zur Debatte um Arbeitszeit: Suche nach Reserven

Die Wirtschaft brummt, die Arbeitskräfte werden knapp. So ist es kein Wunder, dass die Politik Ausschau hält nach Optimierungsreserven auf dem Arbeitsmarkt. Schließlich wird hier jener Mehrwert erwirtschaftet, der unseren Sozialstaat in Gang hält. Dazu ein Kommentar von HNA-Redakteur Tibor Pézsa.

Ein oft übersehener Nebeneffekt unserer Hochleistungswirtschaft sind ihre Folgen für die Familienpolitik. Kinder in die Krippen, Mütter in die Produktion – diese Linie wird mittlerweile von fast allen Parteien verfolgt. Was freilich nicht nur den Wünschen der Wirtschaft entgegenkommt, sondern oft auch denen vieler Arbeitnehmer, um genau zu sein: Arbeitnehmerinnen. Denn um sie geht es in dieser Frage in den meisten Fällen.

Heimarbeit scheint eine gute Lösung zu bieten, jedenfalls in der Theorie. Wie aber eine Mutter von zwei, drei Kindern mit ihrem Vollzeitjob Familie auch noch den Teilzeitjob fürs Geldverdienen vereinbaren soll, das wird allzu schnell als Privatsache weggeredet – bis hin zu einer krank machenden Selbstausbeutung. Zu Recht verlangen die Gewerkschaften hier einen Schutzrahmen.

Umgekehrt liegen die Vorteile flexibler Arbeitszeiten auf der Hand: Fachkräfte und Führungsnachwuchs können besser in den Betrieben gehalten werden, Produktionsreserven werden effektiver genutzt, die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt. Und irgendwann sind die Kleinen zuhause auch mal groß.

Eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten dürfte daher umso sinnvoller sein, je genauer sie an die Bedingungen einzelner Branchen und Betriebe angepasst ist – aber ebenso auch an die Bedürfnisse der Mitarbeiter. Schließlich sind sie es, die immer feinmaschiger funktionieren sollen. So sie es denn wollen. Und können.

Lesen Sie dazu auch:

- Wirtschaft für flexiblere Arbeitszeit - Debatte über Homeoffice

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