Kommentar zum EU-Türkei-Pakt nach dem Anschlag in Istanbul: Europäische Fassade

Auch noch zwei Tage nach dem EU-Gipfel und einen Tag nach dem Selbstmordanschlag in Istanbul reibt man sich über die türkisch-europäische Annäherung die Augen. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Ein Asylverfahren, das in Deutschland Jahre dauern kann, soll auf den griechischen Inseln nach wenigen Tagen abgeschlossen sein - einschließlich Beschwerde-Instanz. Plötzlich soll an der europäischen Außengrenze eine Art Dublin-Lösung gelten, ausgerechnet mit der Türkei in der Rolle des sicheren Drittstaats. Und das, obwohl Touristen in dem Neu-Sultanat auf Empfehlung des Auswärtigen Amts vorerst nicht auf die Straßen gehen sollten, Konsulate und Schulen aus Sicherheitsgründen geschlossen sind.

Nicht einmal auf eine Verteilung von 72.000 syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen konnten sich 28 europäische Staaten einigen. Deutschland wird’s schon regeln, lautet die Devise. Sonst hätte es keine Einigung gegeben.

Verlass ist nur auf die einzige klare Linie im Handeln der Bundeskanzlerin: Sie will nicht als jene Kanzlerin in die Geschichte eingehen, der das europäische Einigungswerk unter den Händen zerbrach. Doch genau dies geschieht. In der Fluchtkrise sind Ansprüche und Wirklichkeit offenbar unvereinbar. Nur: Schönreden und Zeit gewinnen - diese aus der Eurokrise sattsam bekannte Art der Realitätsverweigerung treibt den Preis für wirksames politisches Handeln immer höher. Die europäische Lösung ist eine europäische Fassade.

Lesen Sie dazu auch:

- Flüchtlingspakt der EU stellt Griechen vor Probleme

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.