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Jahrestag der Luftangriffe auf Dresden: Zeiten haben sich geändert

Dresden. In Dresden wird der Opfer der alliierten Luftangriffe vom Februar 1945 gedacht. Dazu ein Kommentar von Nachrichtenredakteur Wolfgang Blieffert.

"Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens," schrieb Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann im Angesicht der Zerstörungen, die er selbst vom Stadtteil Wachwitz aus beobachten konnte.

Seither sind 73 Jahre vergangen, in denen die Erinnerung an das entsetzliche Geschehen immer wieder missbraucht wurde: Die Nazis bauschten die Opferzahlen auf, Neonazis tun es bis heute. In der DDR wurden die Luftangriffe zu antiwestlicher Propaganda genutzt, in der Bundesrepublik beschwieg man die Toten lange als scheinbar gerechte Strafe für Verbrechen der Nazis. Und während 1992 Veteranen dem Fliegerkommandeur Arthur Harris in London ein Denkmal setzten, lösten in Deutschland Bücher Proteste aus, welche die alliierten Angriffe als Kriegsverbrechen einordneten.

Die Zeiten haben sich über die Jahrzehnte glücklicherweise geändert. Heute kann vorurteilsfrei und sachlich über den Krieg und seine Ursachen, seinen Charakter und seine Folgen diskutiert werden. Inzwischen sind auch die Toten und Überlebenden der Bombennächte ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden, auch die Opfer von Flucht und Vertreibung, von Massenvergewaltigungen und Kriegsgefangenschaft. Ein Prozess der deutschen Selbstversöhnung ist das zu Recht genannt worden.

Tausende wollen sich am Mittwochabend in Dresden friedlich und still treffen, um mit einer Menschenkette an die Opfer von Dresden zu erinnern und für Versöhnung und Verständigung zu demonstrieren. Dass auch Rechtsradikale unterwegs sind und für Samstag eine Demo angemeldet haben, muss eine starke Demokratie aushalten.

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