Jährliche Einnahmen von rund acht Milliarden Euro

Rundfunkbeitrag: Wieso wir für Tatort, Traumschiff und Co. bezahlen müssen

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Kostet 17,50 Euro im Monat: Die Höhe des Rundfunkbeitrags variiert je nach Bedarf der Sender. Dieser wird alle zwei Jahre von einer unabhängigen Kommission kontrolliert. Billiger wird es für die Zuschauer in der nächsten Zeit vermutlich aber nicht. 

Berlin/Mainz. Ausgewogen soll er sein, außerdem unabhängig, aktuell, vielfältig und kritisch – der Anspruch an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist hoch. Kritiker bezweifeln, ob die Sender diesem Auftrag gerecht werden und ob ein monatlicher Beitrag von 17,50 Euro überhaupt angemessen ist.

Das Thema: ARD, ZDF, und Deutschlandradio bilden den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dieser finanziert sich, anders als die privaten Sender, vor allem durch den Rundfunkbeitrag. Zurzeit müssen Zuschauer 17,50 Euro im Monat bezahlen. 

Wir haben zusammengefasst, was wirklich hinter dem Rundfunkbeitrag steckt.

Was bekommt der Zuschauer für den monatlichen Rundfunkbeitrag?

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte das Fernsehen vor allem eine Aufgabe: Bildung und Demokratie vermitteln. Daraus haben sich die Anforderungen entwickelt, denen die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender auch heute gerecht werden müssen. Sie sollen dem Zuschauer ein ausgewogenes Programm aus relevanten, aktuellen Informationen und Unterhaltung liefern.

Wichtig ist hierbei: Die Zuschauer sollen die Chance bekommen, sich eine vom Staat unabhängige Meinung zu bilden – und das kostet derzeit 17,50 Euro im Monat.

Wer ist verpflichtet, den Beitrag zu zahlen?

Seit Anfang 2013 gilt: Nicht nur wer ein Fernsehgerät besitzt, muss den Rundfunkbeitrag zahlen. Mit Smartphone, Tablet und Co. spielt das Endgerät beim Fernsehen schließlich keine Rolle mehr. Der Beitrag wird also für jeden einzelnen Haushalt fällig. Von der monatlichen Gebühr befreit sind unter anderem Menschen, die Sozialleistungen empfangen, Ausbildungsförderung bekommen oder gesundheitliche Einschränkungen haben.

Wo landet das Geld letztendlich?

Das Geld landet bei den Rundfunksendern. Diese bezahlen von den Beiträgen ihre Programmverarbeitung, ihr Personal, ihre Altersversorgung und sonstige Investitionen. Zurzeit nimmt der öffentlich-rechtliche Rundfunk jährliche rund acht Milliarden Euro ein. Die Rundfunkbeiträge decken zu 87 Prozent den Finanzbedarf der Sender – der Rest wird durch Werbung finanziert.

Wie hat sich der Preis im Laufe der Zeit entwickelt und wo soll es noch hingehen?

Als 1954 die Fernsehgebühr eingeführt wurde, mussten Zuschauer monatlich fünf Mark bezahlen. Im Laufe der Jahre gab es dann Erhöhungen. Seit 1997 wird der Beitrag alle vier Jahre angepasst – zum Teil auch gesenkt. Zurzeit würde das Budget der Rundfunkanstalten zwar eine weitere Senkung des Beitrages erlauben, viele Personalchefs der Sender sind aber dagegen.

Wer kontrolliert die Höhe des Beitrags?

Nicht nur das Programm, auch die Kontrolle der öffentlich-rechtlichen Medien muss staatlich unabhängig sein. Alle zwei Jahre überprüft daher die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF), wieviel Geld die Sender brauchen und spricht Empfehlungen aus. Die Entscheidung liegt jedoch bei den Sendern.

Wofür wird der öffentlich-rechtliche Rundfunk kritisiert?

Kritiker werfen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor, sich mit Sendungen wie Traumschiff, Rote Rosen und Co. inhaltlich immer mehr dem Privatfernsehen anzunähern und so an Qualität zu verlieren. Erstausstrahlungen füllen mittlerweile nur noch die Hälfte der Sendezeit. Viele Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender sind zudem am Markt wenig erfolgreich.

Ein weiterer Kritikpunkt sind die hohen Ausgaben für die Altersversorgung und die Gehälter der Mitarbeiter. ARD-Chef Ulrich Wilhelm hat im Jahr 2016 laut Bildzeitung 367 000 Euro verdient. Das Gehalt von NDR-Intendant Lutz Marmor lag bei 348 000 Euro. Für Mitarbeiter-Renten müssen bis 2021 etwa zwei Milliarden Euro ausgegeben werden.

Hintergrund: Üppige Pensionen für Mitarbeiter

Bei der letzten Überprüfung durch die KEF kam heraus, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihrem Budget von rund acht Milliarden Euro durchaus erlauben könnten, den Rundfunkbeitrag in Zukunft auf 17,20 Euro im Monat zu senken. Knapp zwei Milliarden Euro konnten die Rundfunkanstalten nämlich in den vergangenen Jahren an die Seite legen. Zum Ärger vieler Zuschauer sind diese jedoch schon anders verplant – und zwar für die Altersvorsorge der Mitarbeiter. Wer bei den Rundfunkanstalten schon in den 90er-Jahren eingestellt wurde, kann sich darauf verlassen, eine Rente zu bekommen, die einen bestimmten Prozentsatz des Gehalts erreicht. Um dieses Versprechen aus der Vergangenheit zu halten, müssen die Sender den Milliarden-Überschuss nun zurückhalten. Und nicht nur das: Die zugesicherte Altersvorsorge könnte dafür sorgen, dass der Beitrag 2021 sogar nochmal erhöht wird. Spitzenleute wie etwa der WDR-Intendant Tom Buhrow mit einem Jahresgehalt von 399.000 Euro können eine Altersversorgung erwarten, die mit der Rente des Bundespräsidenten (217.000 Euro pro Jahr) vergleichbar ist.

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