Neue Gedenkstätte in Esterwegen will Erinnerung an Nazi-Schrecken wachhalten

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Der Weg ins Moor: Ein aus rostigem Stahl angelegter Zwangsarbeiterweg an der Gedenkstätte Esterwegen symbolisiert den Gang der KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen zu ihrer schweren Arbeit im Moor.

Esterwegen. Es ist kalt, aber sonnig. Andrea Kaltofen, Kulturdezernentin des Landkreises Emsland und Geschäftsführerin der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen, deutet auf Mauerreste am Boden.

Kaum noch erkennbar schlängelt sich ein bräunlicher Schlauch auf der Erde. „Das ist der Rest vom Kabel, mit dem der Stacheldraht unter Strom gesetzt wurde“, sagt sie. Es ist ein kleines Detail der Nazi-Terrorherrschaft, das mit archäologischer Arbeit sichtbar gemacht wurde. Zu sehen ist es in der Gedenkstätte, die am 31. Oktober eröffnet wird.

Die Nazis richteten in den Moorgebieten des Emslandes von 1933 an 15 Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager ein. 75 000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene sowie mehr als 100 000 Kriegsgefangene litten in den Lagern. Wegen unmenschlicher Haftbedingungen und Schikanen der Wachmannschaften starben mehr als 25 000 Menschen in der „Hölle im Moor“. Viele Politiker, Gewerkschafter und Intellektuelle waren interniert, unter anderem der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky.

Platt gemacht

Über die Emslandlager ist in den vergangenen Jahrzehnten im wahrsten Wortsinn Gras gewachsen. „Nach dem Zweiten Weltkrieg hat es ruckzuck eine Folgenutzung gegeben“, sagt der Landrat des Emslandes, Hermann Bröring (CDU). Die NS-Lager seien entweder als Durchgangslager genutzt worden, oder von der Justiz. Zum Teil seien sie auch schnell zugunsten von Siedlungsstellen für Flüchtlinge „platt gemacht“ worden.

Esterwegen steht mit der Gedenkstätte stellvertretend für alle Lager. Die Bundeswehr nutzte rund 40 Jahre lang das Gelände als Depot. Die Baracken waren bereits zuvor abgerissen worden. Am Ort des früheren Schreckenslagers befand sich eine idyllische Parklandschaft. Für die Gedenkstätte wurde das Gelände auf der Basis eines Entwurfes des Architekten Hans-Hermann Krafft neu gestaltet.

Rostige Stahlelemente deuten an, wo früher Lagermauern, Tore und Wachtürme standen. Im einstigen KZ-Bereich wurde der Boden mit rotbraunem Lavaschotter bedeckt. Dort, wo früher die Gefangenenbaracken standen, wurden kleine Eichenwäldchen gepflanzt, begrenzt von Stahlkanten. „Damit wollen wir die Kubatur der Barackengebäude nachempfinden“, sagt Kaltofen.

5,8 Millionen Euro hat die Gedenkstätte gekostet, ein Großteil kam vom Bund und dem Land. Auch das Aktionskomitee für ein Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager beteiligt sich an der neuen Gedenkstätte. In dem Aktionskomitee engagieren sich ehemalige Lagerhäftlinge und Angehörige.

Die Dauerausstellung wird nach dem neuesten Forschungsstand konzipiert. Eine wichtige Rolle sollen dabei die vom Dokumentations- und Informationszentrum gesammelten Interviews und Dokumente spielen. Kaltofen: Es sind die Details, die den Schrecken des Lagerlebens deutlich machen. (lni)

Von Elmar Stephan

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