Hofreiter lässt sich auf keine Obergrenzen-Diskussion ein

Im Redaktionsgespräch mit unserer Zeitung nahm der Fraktionsvorsitzender Grünen, Anton Hofreiter, noch weiter Stellung zu Obergrenzen, den Vorfällen in Köln und Multi-Kulti-Gesellschaften.

Kassel. Nur ein Augenblick bleibt Anton Hofreiter beim Redaktionsgespräch, um einen Blick aus dem Fenster im sechsten Stock des Pressezentrums auf das Kasseler Wahrzeichen, den Herkules, zu werfen. Für einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Jahresempfang seiner Partei in Kassel hat sich der Fraktionsvorsitzende der Bundestags-Grünen Zeit genommen. Und muss doch auch hier jene Frage beantworten, die dieser Tage alle fragen: Wie kann man es schaffen, dass weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen? Wann ist eine Obergrenze erreicht?

„Ich bin kein Freund von Zahlenspielen“, antwortet der 45-jährige Hofreiter in seinem bayerischen Dialekt, den er wohl auch absichtlich pflegt. Er ist keiner, der sich anpasst. Klares Nein also: Eine Obergrenze wie von Horst Seehofers CSU gefordert, wird es mit ihm und den Grünen nicht geben. Hofreiter kennt auch die Nachfrage schon auswendig: Es muss doch gar keine Obergrenze sein - würden nicht schon klare, harte Zuwanderungs-Regeln völlig reichen?

„Ich drücke mich nicht um eine Antwort“, beharrt er. Aber statt Alternativen zu einer Obergrenze zu erörtern, wiederholt er seinen wichtigsten Einwand gegen die Obergrenze: „Was wollen Sie tun, wenn eine Familie mit Kindern an der Grenze steht, aber das festgelegte Limit ist schon erreicht? Mit Knüppeln dagegen vorgehen?“ Da würden, sagt Hofreiter, selbst die härtesten Flüchtlingszahlenbegrenzer weich werden.

Nein, das Problem sind nach Hofreiters Meinung nicht die Flüchtlingszahlen. Es ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BamF). Dessen Chef, Innenminister Thomas de Maizière (CDU), habe immer noch nicht verstanden, was die Stunde geschlagen habe. Noch immer gebe es im BamF viel zu wenig Personal und einen Stau von 600.000 unbearbeiteten Asylanträgen. Allein wegen der besseren Verwaltung werde die Flüchtlingskrise in Hofreiters Heimatland Bayern besser bewältigt als etwa in Berlin.

Und überhaupt, sagt Hofreiter und hebt die Hände: Studien bewiesen, dass Länder, in denen viele Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern leben, die erfolgreicheren Gesellschaften sind - „Multi-Kulti-Gesellschaften sind erfolgreicher.“ Und was war in Köln? Hofreiter winkt ab: „Wer glaubt, dass mit Flüchtlingen nur Engel einreisen, der ist naiv.“

Rubriklistenbild: © dpa

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