Frankreich: Hollandes bewegende Antrittsrede

Paris - Vor knapp eineinhalb Wochen hat er die Wahl gewonnen: Nun ist François Hollande der neue Präsident Frankreichs. Am Abend hat er sein erstes wichtiges Treffen - in Deutschland.

François Hollande hat sich im kalten Nieselregen von seinen Anhängern auf den Champs-Elysées feiern lassen. Kurz nach seiner feierlichen Ernennung zum siebten französischen Präsidenten der fünften Republik fuhr der Sozialist im offenen Verdeck seines Hybrid-Wagens die Pariser Prachtstraße hinauf. Zuvor machte er in seiner Antrittsrede allen Franzosen Hoffnung auf die Zukunft. “Wir sind ein großes Land, das schon viele Krisen durchgestanden hat“, sagte der Sozialist am Dienstagmorgen.

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“Ich werde Frankreich wieder aufbauen und zum Frieden in der Welt und der Bewahrung der Erde beitragen“, sagte Hollande. Er wolle als Präsident gerecht und vorbildlich handeln. “Alle Franzosen sollen mit meiner Hilfe vereinigt zusammen leben, unabhängig von Herkunft, Alter und Beruf.“ Auch an Europa richtete der frisch ernannte Präsident eine Botschaft: Er werde seinen europäischen Partnern einen Pakt vorschlagen, der einerseits das Defizit verringern, aber auch das Wachstum stimulieren solle. Es könne nicht akzeptiert werden, dass die Mehrheit unter der Krise leide und eine Minderheit weiter davon profitiere.

Zuvor hatte Hollande im Elysée-Palast seinen Vorgänger Nicolas Sarkozy getroffen. Das minutiös fest gelegte Ritual will es, dass der scheidende Präsident seinem Nachfolger die Regeln zur Bedienung der französischen Atombombe und auch einige sensible Dossiers erklärt. Die Inhalte dieser rund zwanzigminütigen Unterhaltung bleiben traditionell geheim. Sarkozy verließ den Elysée-Palast unter dem Beifall einiger Anhänger am Straßenrand und an der Seite seiner Frau Carla Bruni. Nach Medienberichten soll Sarkozy nun zu einem zweiwöchigen Urlaub mit seiner Frau und seiner Tochter aufbrechen.

Bewusste Abgrenzung von Sarkozy

Hollande hob sich mit seinem Festakt bewusst von Sarkozy ab: Hatte der Konservative vor fünf Jahren seine Familie, Stars und reiche Freunde zur Zeremonie eingeladen, trat Hollande nur mit seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler auf. Zudem hatte er die französischen Nobelpreisträger und die Vertreter aller großen Gewerkschaften Frankreichs eingeladen. Ein Symbol für seine Verbundenheit mit der Arbeiterklasse und der Wissenschaft, die er im Laufe seines Wahlkampfs mehrfach beschwor.

Am frühen Abend sollte der Staatspräsident bei seinem ersten Auslandsbesuch Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin treffen. Auch die kommenden Tage werden noch spannend: Am (morgigen) Mittwoch wird Hollande sein Kabinett vorstellen. Seine Zusammensetzung wird darüber entscheiden, wie kompromissbereit seine Regierung sein wird, zum Beispiel für die Ratifizierung der europäischen Beschlüsse.

dapd

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