Holocaust-Fonds von Gaunern geplündert

Washington - Der Millionenbetrug mit deutschen Holocaust-Entschädigungen in den USA ist noch größer als von den Justizbehörden zunächst angenommen. Wie die Betrüger sich die Gelder unter den Nagel rissen:

Im millionenschweren Betrugsskandal um deutsche Holocaust-Entschädigungen sind in den USA mittlerweile 30 Tatverdächtige angeklagt worden. Die ehemaligen Mitarbeiter der New Yorker Jewish Claim Conference und ihre Komplizen sollen sich nach neuen Erkenntnissen des US-Justizministerium mehr als 57 Millionen Dollar (41,3 Millionen Euro) Hilfszahlungen erschlichen haben. Dabei handele es sich um Geld der deutschen Regierung, mit dem eigentlich jüdischen Opfern des Nazi-Regimes geholfen werden sollte, teilte die Behörde am Mittwoch (Ortszeit) in Washington mit.

Die Ermittlungen waren im November 2010 bekanntgeworden - damals wurde zunächst von 17 Verdächtigen und einem Schaden von 42 Millionen Dollar ausgegangen. Mittlerweile sei das Ausmaß des Skandals aber größer als angenommen, so die Justizbehörde.

Am Mittwoch seien fünf weitere einstige Mitarbeiter der hoch angesehenen New Yorker Organisation festgenommen worden; eine Frau wollte sich laut Justizministerium am Donnerstag freiwillig stellen. Die US-Bundespolizei FBI war 2009 durch einen Hinweis der Claims Conference selbst auf den Fall aufmerksam geworden. Die hatte bei internen Überprüfungen Ungereimtheiten entdeckt.

Die Claims Conference hilft jüdischen Opfern des Nazi-Regimes, Hilfsgelder bei zwei Holocaust-Fonds zu beantragen, und prüft außerdem die Förderfähigkeit.

Viele Entschädigte wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg geboren

Die mutmaßlichen Betrüger hätten Anzeigen in russischsprachigen Zeitungen in den USA geschaltet, um neue Antragsteller zu finden. Daraufhin hätten sich meist Juden aus Osteuropa gemeldet, in deren Namen die Angeklagten dann Anträge auf deutsche Entschädigungszahlungen gestellt hätten. Wurden die bewilligt, sei der ausgezahlte Betrag zwischen den Angeklagten und den Antragstellern aufgeteilt worden.

Viele von ihnen seien allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg geboren worden und hätten daher keinen Anspruch auf Entschädigung gehabt, heißt es in der Klageschrift. In mindestens einem Fall sei der Antragsteller nicht einmal Jude gewesen.

Die Angeklagten hätten in den fast 5000 Betrugsfällen zum Beispiel Ausweisdokumente gefälscht oder Akten frisiert. Die Machenschaften hätten sich über mehr als ein Jahrzehnt erstreckt und monatliche Auszahlungen von mehreren Hundert Dollar oder Einmalzahlungen von rund 3500 Dollar ergeben.

Vor Gericht müssten sich die Angeklagten nun zum Beispiel wegen Postbetruges verantworten. Bei einer Verurteilung drohen bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 250 000 Dollar.

dpa

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