Medizin: Wirkungsweise bleibt wissenschaftlich umstritten

Homöopathie: Mehr als nur ein Placebo?

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Erfreuen sich immer größerer Beliebtheit: Homöopathische Mittel.

Das Thema: Sie gilt als kontroverser Punkt in der Medizin: Homöopathie. Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für die alternative Behandlungsmethode. Kritiker sind jedoch nach wie vor überzeugt, dass die Wirkungen der Kügelchen und Tröpfchen einem Placebo-Effekt gleichen.

Die Fläschchen sind meist aus braunem Glas, in denen sich kleine weiße Kügelchen befinden: Homöopathische Mittel sind selbst denjenigen bekannt, die nicht an deren Wirkung glauben. Denn die Behandlungsmethode ist zwar die beliebteste unter den alternativen Möglichkeiten, seit Jahren aber auch die umstrittenste.

Nicht alle Mediziner glauben an die stark verdünnten Medikamente, sie belegen vielmehr mit Studien deren Unwirksamkeit: Wie Placebos sollen sie wirken, einzig und allein der Glaube an das Medikament führe zur Heilung, nicht aber das Medikament selbst - so lautet der Vorwurf, die Schar der Kritiker groß. Am bekanntesten ist wohl die Studie eines Forscherteams der Universität Bern unter der Leitung des klinischen Epidemiologen Matthias Egger. Die Wissenschaftler verglichen 2005 die Ergebnisse von gut 110 Studien, die sich mit der Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln beschäftigt haben, mit der gleichen Zahl von Schulmedizin-Studien, die hinsichtlich Diagnose und Behandlungsziel ähnlich waren.

Kommentar zum Thema

Constanze Wüstefeld: Besserung in Sicht

Je nachdem, wie groß die Studie war, fiel laut Wissenschaftlern das Ergebnis aus: Je kleiner, desto schlechter die Qualität - und umso besser die Resultate für die Homöopathie. Je größer und seriöser die Studien jedoch angelegt waren, desto mehr kristallisierte sich heraus, das es lediglich schwache Hinweise auf einen minimalen Effekt der homöopathischen Mittel gebe. Die Effekte seien stattdessen „mit denen von Scheinmedikamenten zu vergleichen“. Bei der Schulmedizin hingegen zeigte sich eine Wirkung.

Die Befürworter sehen das anders: Sie räumen zwar ein, dass der Mechanismus der homöopatischen Medikamente noch ungeklärt ist, stellen dadurch aber nicht die Wirkung infrage: „Die gibt es, das sehe ich jeden Tag“, sagt die erste Vorsitzende des deutschen Zentralvereins homöopatischer Ärzte, Cornelia Bajic. Zudem gebe es etliche Studien, die eine Wirkung bestätigen.

Oftmals berufen sich die Homöopathen dabei auf den Quantenphysiker Anton Zeilinger, dem es gelungen ist, die Eigenschaften eines Teilchens auf die eines anderen zu übertragen. Genau das soll auch in der Homöopathie passieren: Die Informationen eines Wirkstoffes sollen auf eine Lösung übergehen und dort bleiben, selbst wenn die stark verdünnt ist. „Dass ein Bezug zwischen meiner Arbeit und der Homöopathie hergestellt wird, ist wissenschaftlich unbegründet“, sagte Zeilinger der Süddeutschen Zeitung. „Dass ein Wirkstoff Informationen in einer Lösung hinterlässt, in der er nicht mehr enthalten ist, ist wissenschaftlich unbegründet.“

Deutscher Arzt begründete die Homöopathie

Eigentlich schwelt er schon von Anfang an, der Streit um die Wirksamkeit der Homöopathie: Seit der deutsche Arzt Samuel Hahnemann das alternative Heilverfahren 1796 begründet hat, ist es höchst umstritten. Denn weder damals noch heute gibt es Erklärungen dafür, wie das Medikament genau funktioniert.

Hahnemann war freilich von seiner Heilmethode überzeugt. „Ähnliches mit Ähnlichem heilen“, lautet das heute noch immer geltende Grundprinzip. Dabei wird in einer Anamnese herausgefunden, was das Leiden bedingt. Die Ursache wird dann mit stark verdünnten Mitteln behandelt. Die jeweils angewandten Arzneien werden dabei so ausgesucht, dass sie bei Gesunden in höherer Dosis ähnliche Krankheitssymptome verursachen würden. Die Mittel sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren.

Milde Heilung

Begründet hatte Hahnemann diesen Zweig der Medizin deshalb, weil er mit der traditionellen im 18. Jahrhundert nicht zufrieden war: vom Aderlass hielt er nichts. Er wollte stattdessen eine individualisierte und milde Heilung für die Patienten.

Hahnemann wurde 1755 in Meißen in Sachsen geboren und testete einige Medikamente im Selbstversuch. Er starb 1843 in Paris, wo er eine eigene Praxis betrieb. 

Hintergrund: Krankenkassen übernehmen Kosten

Nach Ärzteangaben übernehmen rund 70 Prozent der gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten für Homöopathie bei dafür ausgebildeten Medizinern. Das kommt in der Bevölkerung gut an: Laut dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller hat die Hälfte der deutschen Bevölkerung die Homöopathie schon getestet. In den deutschen Apotheken werden von Kunden täglich zu 70 Prozent homöopathische Arzneien nachgefragt, vor allem bei leichteren Beschwerden wie Erkältungen und Allergien. Der Gesamtumsatz der Branche lag in Deutschland 2011 bei fast 400 Millionen Euro.

Von Constanze Wüstefeld

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