Hongkong: Nathan Law fordert Hilfe von Deutschland

Hongkong-Aktivist im Exklusiv-Interview nach seiner Flucht

Aktivist Nathan Law bei einer Pressekonferenz vor seiner Flucht
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Sein Aufenthaltsort ist nicht bekannt: Kaum trat das neue Sicherheitsgesetz für Hongkong in Kraft, floh Demokratie-Aktivist Nathan Law aus der Sonderverwaltungszone. Er will im Ausland weiter für die Unabhängigkeit Hongkongs kämpfen.

Jahrelang hat er für Freiheit in Hongkong gekämpft. Vor wenigen Tagen ist Nathan Law aus Hongkong geflohen – aus Angst vor der Verhaftung durch chinesische Sicherheitsbehörden.

  • Aktivist kämpfte jahrelang für Freiheit in Hongkong
  • Vor wenigen Tagen floh Nathan Law aus Hongkong
  • Er bittet die Bundeskanzlerin Angela Merkel um Hilfe

Hongkong – Unsere Zeitung ist die erste in Deutschland, mit der Nathan Law (26) nach seiner Flucht aus Hongkong gesprochen hat. Es war ein Telefonat mit einem Demokratie-Aktivisten, der durch seinen Mut beeindruckt, aber zugleich seine Angst nicht verbergen kann. (Anm. übersetzt aus dem Englischen)

Hongkong-Aktivist im Exklusiv-Interview: Aufenthaltsort der Familie geheim

Das bedeutet, ihre Familie lebt weiterhin in Hongkong?
Ja, sie sind dort geblieben.
Wo halten Sie sich derzeit auf?
Meinen Aufenthaltsort möchte ich im Moment nicht verraten. Da bitte ich um Verständnis.

Hongkong-Aktivist im Exklusiv-Interview: Angst vor dem Geheimdienst?

Haben Sie Angst, dass der chinesische Geheimdienst sie im Ausland verfolgen könnte?
Es ist denkbar, dass sie dies tun werden. Wir wissen, wie weit der Einfluss von China inzwischen reicht. Ich befinde mich in potenzieller Gefahr. Ich muss sehr vorsichtig sein. Ich bin mir dem Risiko bewusst, dem ich ausgesetzt bin.
Sprechen wir über die politische Lage in Hongkong. Bedeutet das neue Sicherheitsgesetz für Hongkong zugleich das dortige Ende der Demokratie?
Wir haben in Hongkong nie Demokratie genossen. Die Regierungschefin wurde ja nicht direkt vom Volk gewählt. Das neue Sicherheitsgesetz ist das Ende unserer Freiheit. Am ersten Tag der Umsetzung, dem 1. Juli, wurden mehr als zehn Personen festgenommen. Und dies nur, weil einige von ihnen einen nun verbotenen Slogan auf einem Aufkleber hatten. Das ist der Beleg, wie schnell strafrechtliche Verfolgungen eingesetzt haben. Unsere individuellen Rechte sind jetzt begrenzt.

Hongkong-Aktivist im Exklusiv-Interview: Blick auf Hongkong

Ihre Einschätzung: Was wird in Hongkong nun passieren?
Die politischen Aktivisten sind in großer Gefahr, verhaftet zu werden. Die Freiheit zur politischen Meinungsäußerung wird in Zukunft kontinuierlich weiter eingeschränkt werden.
Die Europäische Union hält sich mit Kritik an China zurück, weil wirtschaftliche Interessen wichtiger scheinen als die Demokratie in Hongkong. Fühlen Sie sich als Demokratieaktivist von Europa im Stich gelassen?
Die Europäische Union sollte Handelsabkommen mit China nicht mehr wertschätzen als die Menschenrechtslage im Land. Es geht ja nicht nur um Hongkong. Wir müssen auch nach Tibet und Xinjiang schauen. Die Europäische Union oder einzelne Länder müssen endlich Maßnahmen ergreifen. Sie müssen der Welt zeigen, dass ihnen Menschenrechte in anderen Teilen der Welt nicht egal sind.

Hongkong-Aktivist im Exklusiv-Interview: Großbritannien bietet Hilfe an

Großbritannien hat drei Millionen Hongkongern die britische Staatsbürgerschaft angeboten. Inwieweit hilft dies im Kampf für die Demokratie?
Zumindest bietet es eine Alternative für viele Menschen in Hongkong. Dies ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite ist, wie wir den Menschen vor Ort helfen können. Menschen, die sich in der demokratischen Bewegung Chinas Politik entgegenstellen. Die internationale Gemeinschaft muss konkrete Maßnahmen ergreifen. Ich denke da zum Beispiel an individuelle Sanktionen gegen die Beamten, die für das Sicherheitsgesetz in Hongkong verantwortlich sind.
Überlegen Sie persönlich, für sich die britische Staatsbürgerschaft beantragen?
Nein, darüber denke ich derzeit nicht nach.

Hongkong-Aktivist im Exklusiv-Interview: Taiwan in Gefahr

China zeigt seinen Machtanspruch in der Welt immer offener. Wird Taiwan das nächste Opfer der Expansionspolitik sein?
Bestimmt. Taiwan ist in großer Gefahr. Deshalb müssen wir gemeinsam für unsere Freiheit kämpfen.
Möchten Sie eine Botschaft an die deutsche Bundeskanzlerin richten?
Die Welt blickt auf Hongkong. Liebe Frau Merkel, wir brauchen ihre Hilfe. Es ist ein Kampf der Ideologien. Bedenken Sie: Den Wert, den sie Hongkong beimessen, den messen sie der Demokratie insgesamt bei.

Zur Person

Nathan Law (26) wurde am 13. Juli 1993 in der Stadt Shenzhen in der chinesischen Provinz Guangdong geboren. Laws Vater stammt aus dem damals noch britischen Hongkong, seine Mutter aus der Volksrepublik China. Als Law sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Hongkong.Nathan Law studierte an der Lingnan Universität in Hongkong Kulturwissenschaften und war Vorsitzender der Studentenvereinigung. Im April 2016 gründete er die Partei Demosisto und wurde ihr Vorsitzender. Bei den Legislativwahlen in Hongkong am 5. September 2016 wurde er in den Legislativrat der Sonderverwaltungszone gewählt.

Aktivist Ray Wong ist der erste anerkannte politische Geflüchtete aus Hongkong in Deutschland. Das sorgte für Spannungen mit China. Jetzt studiert er in Göttingen.

Das neue Sicherheitsgesetz in China stellt einen Wendepunkt für den Autonomiestatus Hongkongs dar. Zahlreiche internationale Politiker haben daran massive Kritik geübt.

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