Unruhen in Honkong

Hongkong-Proteste: China verhängt Sanktionen gegen die USA

+
Demonstranten klettern auf der Flucht vor der Polizei über eine Autobahn-Schutzwand.

Die Lage in Hongkong sorgt für Streit zwischen China und den USA: Nun dürfen US-Kriegsschiffe nicht mehr in Hongkong Zwischenstation machen.

  • Proteste in Hongkong: Ruhe scheint vorbei
  • Hongkong: Proteste gegen Festland-China seit über fünf Monaten
  • Demonstrant stirbt bei Protesten nach Sturz von Dach einer Universität
  • Proteste in Hongkong: Zwei deutsche Studenten festgenommen
  • Lage in Hongkong: Polizei setzt scharfe Munition ein, Demonstranten Pfeile, Bomben und Napalm
  • 600 Protestler verlassen den Campus
  • US-Senat unterstützt Hongkong-Proteste
  • Wahlen in Hongkong: Sieg für prodemokratisches Lager

Update vom 02.12.2019, 08.40 Uhr: China lässt sich von den USA nichts gefallen. Nun hat das Land im Streit über die Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong Sanktionen gegen die USA verhängt. „Ab sofort“ dürften US-Kriegsschiffe nicht mehr in Hongkong Zwischenstation machen, zudem seien Strafmaßnahmen gegen US-Organisationen in Arbeit, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying. Mit den Maßnahmen reagiert China auf neue Gesetze der USA zur Unterstützung der Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Hongkong: Proteste setzen sich fort und verlagern sich in Wohngebiete

Update vom 01.12.2019, 14:00 Uhr: Auf den Wahlerfolg der Demokratiebewegung folgt in Hongkong eine ruhige Woche. Doch mit dem Frieden scheint es bereits wieder vorbei. 

Wie die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ berichtet, versammelten sich tausende Menschen zu einem Protestmarsch durch die Sonderverwaltungszone. Radikale Demonstranten sollen Geschäfte geplündert haben, die Hongkonger Polizei setzte Tränengas und Pfefferspray ein.

Die Ausschreitungen beschränkten sich diesmal nicht nur auf die Innenstadt und die Geschäftsbezirke, sondern verlagerten sich auch in die Wohngebiete der Metropole. Die Polizei nahm mindestens drei Personen fesz, darunter zwei Mädchen.

Update vom 28.11.2019, 05.30 Uhr: Nach tagelangem Zögern hat US-Präsident Trump die vom Kongress beschlossenen Gesetze zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong unterzeichnet. Zugleich äußerte er seinen „Respekt“ für Chinas Staatschef Xi. Er hoffe, dass „die Führer und Repräsentanten von China und Hongkong ihre Streitigkeiten freundschaftlich beilegen“, erklärte Trump. Laut den Gesetzen sollen unter anderem Handelsprivilegien für Hongkong entzogen werden, wenn Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in der chinesischen Sonderverwaltungszone unterdrückt werden. 

Hongkong-Proteste: China reagiert empört auf Donald Trumps Kommentar

Trotz der offensichtlich besänftigend gedachten Worte des US-Präsidenten reagierte China empört. Das Außenministerium in Peking warf Washington „unverhohlenes Vormachtstreben“ vor und sprach von einer „Verletzung des internationalen Rechts und der Grundnormen der internationalen Beziehungen“. Mit dem Gesetz unterstützten die USA „die Bedrohung der sozialen Ordnung durch gewalttätige Kriminelle“, fügte das Ministerium mit Blick auf die Demonstranten in Hongkong hinzu.

Donald Trump hat die Gesetze zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong unterzeichnet.

Aus Protest bestellte das Pekinger Außenministerium am Donnerstag erneut den US-Botschafter ein. Vizeaußenminister Le Yucheng sagte Botschafter Terry Branstad, dass Hongkong eine innere Angelegenheit Chinas sei, in die sich keine ausländische Regierung einmischen dürfe, teilte das Ministerium mit.

Nachdrücklich forderte der Vizeaußenminister die USA auf, „ihre Fehler zu korrigieren und den Kurs zu ändern“. Die Gesetze dürften „nicht in die Praxis gesetzt werden“. Auch müssten die USA sofort aufhören, sich in Hongkongs und Chinas Angelegenheiten einzumischen, um den Beziehungen und der Kooperation in wichtigen Bereichen „nicht größeren Schaden zuzufügen“. China werde energisch Gegenmaßnahmen ergreifen.

China bestellt US-Botschafter ein - USA sollen „Fehler unverzüglich korrigieren“

Update vom 26.11.2019, 10.00 Uhr: China hat im Streit um Gesetze zur Unterstützung der Demokratiebewegung in Hongkong den US-Botschafter einbestellt. Die Gesetzentwürfe dürften nicht in Kraft treten, andernfalls „müssten die USA sämtliche Konsequenzen tragen“, teilte das chinesische Außenministerium am Dienstag mit. Vize-Außenminister Zheng Zeguang bestellte demnach am Montag US-Botschafter Terry Branstad ein und brachte seinen „vehementen Protest“ zum Ausdruck.

Die Gesetzentwürfe griffen „dreist in die inneren Angelegenheiten Chinas“ ein und unterstützten das „gewalttätige kriminelle Verhalten“ pekingfeindlicher Kräfte in Hongkong, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums. Die USA müssten „ihre Fehler unverzüglich korrigieren“.

Mit den beiden bereits vom US-Kongress verabschiedeten Gesetzentwürfen sollen Hongkong unter anderem Handelsprivilegien entzogen werden, wenn Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in der chinesischen Sonderverwaltungszone unterdrückt werden. Damit die Gesetze in Kraft treten können, müssen sie noch von US-Präsident Donald Trump unterzeichnet werden.

Dieser stellte die Unterzeichung vergangene Woche jedoch in Frage. Die USA müssten an der Seite Hongkongs stehen, er stehe aber auch an der Seite seines „Freundes“, des chinesischen Staatschefs Xi Jinping, sagte Trump dem Sender Fox News.

Update vom 26.11.2019, 07.35 Uhr: Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam hat nach der deutlichen Wahlschlappe des regierungstreuen Lagers bei den Bezirkswahlen keine neuen Zugeständnisse an die Protestbewegung gemacht. „Die Wahlen haben klar gezeigt, dass viele Wähler ihre Meinung über die Regierung und mich selbst zum Ausdruck bringen wollten“, sagte Lam am Dienstag. Diese Meinungen seien aber vielfältig. Einige hätten offenkundig genug von der Gewalt auf den Straßen der chinesischen Sonderverwaltungsregion. Andere seien der Meinung, dass die Regierung nicht kompetent gehandelt habe.

Lam sagte, sie und ihre Regierung hätten zuletzt den Dialog gesucht. Die instabile Lage und die Gewalt in der Millionenmetropole hätten mehr Austausch jedoch nicht zugelassen. Sie hoffe, dass dies nun möglich sei. Eine unabhängige Kommission sei beauftragt worden, die Ursachen der Proteste zu ergründen und der Regierung Maßnahmen vorzuschlagen. Damit blieb Lam weit hinter den Forderungen ihrer Kritiker zurück.

Update vom 25.11.2019, 16.35 Uhr: Nach der Schlappe für Hongkongs Regierung bei den Bezirksratswahlen kündigte Regierungschefin Lam an, „demütig und ernsthaft“ über den Ausgang des Votums nachzudenken. Es gebe viele Analysen, „und ziemlich viele sind der Ansicht, dass die Ergebnisse die Unzufriedenheit des Volkes über die gegenwärtige Situation und tiefsitzende Probleme in der Gesellschaft widerspiegeln“, ließ die Regierungschefin in einer Stellungnahme wissen. 

Von unmittelbaren Konsequenzen war jedoch nicht die Rede. Die Protestbewegung fordert seit Monaten Lams Rücktritt und dürfte sich durch das eindeutige Wahlergebnis ermutigt sehen. In Peking versicherte Außenamtssprecher Geng Shuang, dass die Zentralregierung unverändert „voll“ hinter der Regierungschefin stehe.

„Den Sturm zu stoppen und die Ordnung in Hongkong wiederherzustellen, ist gegenwärtig die wichtigste Aufgabe“, sagte der Sprecher. Er verwahrte sich gegen Ratschläge aus dem Ausland. „Hongkong ist Chinas Hongkong“, sagte Geng Shuang. Hongkong sei allein eine innere Angelegenheit der Volksrepublik.

Hongkong wählt in Zeiten der Proteste: Demokratie-Lager mit klarem Sieg

Update vom 25.11.2019, 7:05 Uhr: Eine Schlappe für Hongkongs Regierung und die kommunistische Führung in Peking, ein Sieg für das Demokratie-Lager: Bei den Bezirksratswahlen in Chinas Sonderverwaltungsregion erfährt das von der Protestbewegung getragene pro-demokratische Lager breite Rückendeckung der Bevölkerung. Nach vorläufigen Ergebnissen vom Montag nahmen pro-demokratische Parteien dem Regierungsblock die meisten Bezirksratsposten ab.

Das Wahlergebnis bedeutet eine klare Botschaft an Peking und eine Schlappe für die von der Kommunistischen Partei protegierte Regierungschefin Carrie Lam. Denn die Abstimmung galt als Referendum darüber, ob die schweigende Mehrheit in Hongkong hinter den Protesten steht.

Dennoch dürften die Wahlen in der politischen Praxis kaum Folgen haben, da die Bezirksräte der Stadt nicht wirklich über Macht verfügen und weder Gesetze verabschieden noch sonst nennenswerte Entscheidungen treffen können.

Während den Wahlen war die Lage auf den Straßen Hongkongs ruhig geblieben, nachdem es in den Wochen zuvor immer gewalttätigere Zusammenstöße zwischen Polizei und radikalen Aktivisten gegeben hatte.

Update vom 22.11.2019, 16:20 Uhr: Das angesichts der seit Monaten anhaltenden Proteste verhängte Vermummungsverbot in Hongkong ist vorübergehend wieder in Kraft. Die Polizei dürfe das Verbot innerhalb der nächsten sieben Tage wieder durchsetzen, teilte des Oberste Gericht in Hongkong am Freitag mit. Damit solle der Regierung Zeit gegeben werden, Einspruch gegen die gerichtlich angeordnete Aufhebung des Vermummungsverbots einzulegen. 

Hongkong-Proteste gehen weiter: Vermummungsverbot wieder in Kraft

Die Regierung Hongkongs hatte Anfang Oktober auf ein Notstandsgesetz aus der britischen Kolonialzeit zurückgegriffen und ein Vermummungsverbot verhängt, um zu verhindern, dass Demonstranten Gesichtsmasken tragen. Ein Verstoß kann mit Haftstrafen bis zu einem Jahr geahndet werden. Das Oberste Gericht Hongkongs hatte das Vermummungsverbot am Montag für verfassungswidrig erklärt. Die Grundrechte der Bürger würden dadurch stärker beschnitten als "vernünftigerweise nötig".

Update vom 20.11.2019, 8:00 Uhr: Als Reaktion auf die Unterstützung des US-Senats für die Demokratiebewegung in Hongkong hat das chinesische Außenministerium einen ranghohen US-Diplomaten einbestellt. Vize-Außenminister Ma Zhaoxu habe den US-Geschäftsträger William Klein vorgeladen, um entschieden gegen das Vorgehen des US-Senats zu protestieren, teilte das Ministerium in Peking am Mittwoch mit.

„Wir fordern die US-Seite dringend auf, umgehend effektive Maßnahmen einzuleiten, um zu verhindern, dass diese Gesetzesvorlage verabschiedet wird“, erklärte das Ministerium weiter. Andernfalls werde China entschiedene Maßnahmen ergreifen, um dagegen vorzugehen. Die USA müssten dafür „alle Konsequenzen“ tragen.

Hongkong: US-Senat stellt sich auf Seite der Demonstranten

Nach dem US-Abgeordnetenhaus hatte am Dienstag auch der Senat einstimmig einen Gesetzentwurf zur Unterstützung der „Menschenrechte und Demokratie“ in Hongkong verabschiedet. Die USA machten damit deutlich, dass sie „fest und unmissverständlich hinter den legitimen Bestrebungen des Volkes von Hongkong stehen“, hieß es vom Ausschuss für auswärtige Beziehungen des Senats.

Die Gesetzesvorlage des Senats sieht unter anderem Maßnahmen vor, die den Verkauf von Tränengas, Gummigeschossen und anderen Geräten, die von Sicherheitskräften in Hongkong gegen die Demonstranten der Demokratiebewegung eingesetzt wurden, verbieten.

Update vom 19.11.2019, 7:20 Uhr: Schätzungsweise noch rund 100 Studenten haben sich in einer von der Polizei belagerten Universität verbarrikadiert. Regierungschefin Carrie Lam sagte am Dienstag vor der Presse, die Sicherheitskräfte wollten die "Zwischenfälle" an der Polytechnischen Hochschule friedlich lösen. Rund 600 hätten das Universitätsgelände in Hung Hom verlassen. Rund 200 von ihnen seien unter 18 Jahre alt gewesen. Wie viele festgenommen wurden, sagte Lam nicht.

Hongkong: Demonstranten und Polizei liefern sich Schlagabtausch

Viele der jüngeren Demonstranten waren über Nacht von einer Gruppe von Mittelschuldirektoren, religiösen Führern sowie dem früheren Parlamentspräsidenten Tsang Yok-sing, die sich vermittelnd eingeschaltet hatten, vom Campus geführt worden. Die Minderjährigen konnten nach Hause gehen, nachdem ihre Personalien von der Polizei aufgenommen worden waren. Regierungschefin Lam forderte die verbliebenen Studenten in der Hochschule auf, sich zu ergeben.

Update, 18.40 Uhr: Dramatischer Schlagabtausch zwischen der Polizei und Demonstranten an der Polytechnischen Universität in Hongkong: Sicherheitskräfte kesselten am Montag hunderte Demokratie-Aktivisten in der Hochschule ein. Mit Tränengas und Schlagstöcken gingen sie gegen Demonstranten vor, die versuchten, vom Campus zu fliehen. Dutzende Protestierende wurden festgenommen. Dennoch gelang dutzenden Aktivisten auf spektakuläre Weise die Flucht aus dem Gebäude. Peking richtete derweil erneut scharfe Warnungen an die Protestbewegung.

Wie auf Videoaufnahmen zu sehen war, seilten sich eingeschlossene Aktivisten von einer Fußgängerbrücke auf eine Autobahn ab, wo sie von wartenden Motorradfahrern abgeholt wurden. Es war zunächst unklar, wie vielen die Flucht gelang und wie viele sich noch auf dem Campus befanden.

Hongkong: Proteste in mehreren Stadtteilen

Die Stimmung unter den auf dem Campus verbliebenen Aktivisten sei verzweifelt, berichtete eine 19-Jährige, die sich "K" nannte. "Einige haben heftig geweint, andere waren wütend. Sie empfanden Hoffnungslosigkeit, weil uns der Weg aus dem Campus versperrt wurde."

Auch in anderen Teilen der Stadt kam es am Montag zu Protesten: In den Vierteln Tsim Sha Tsui und Jordan ging die Polizei mit Tränengas gegen Menschenansammlungen vor. Mehrere Protestierende wurden verhaftet.

Update, 16.00 Uhr: Inmitten der schweren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten hat Hongkongs Regierung eine peinliche Niederlage hinnehmen müssen. Ein Gericht verwarf das erst Anfang Oktober verhängte Vermummungsverbot am Montag als verfassungswidrig und zu weitgehend. Das in einem Rückgriff auf fast hundert Jahre koloniales Notstandsrecht verhängte Verbot von Maskierungen verstoße gegen das Grundgesetz der chinesischen Sonderverwaltungsregion, befand das Gericht. Die Zusammenstöße zwischen radikalen Aktivisten und Sicherheitskräften dauerten auch am Montag an.

Hongkong: Lage vor der Kommunalwahl unsicher

Wegen der unsicheren Lage erwägt die Hongkonger Regierung eine Verschiebung der für Sonntag geplanten Kommunalwahl. Sie teilte nach Angaben des Rundfunksenders RTHK mit, die Ereignisse des vergangenen Wochenendes hätten "die Chancen verringert", die Wahlen für die Bezirksräte abhalten zu können. Kontroversen hatte es schon vorher gegeben, nachdem ein Wortführer der Demokratiebewegung, Joshua Wong, als Kandidat disqualifiziert worden war. Ihm wird unterstellt, für die Unabhängigkeit Hongkongs einzutreten. Auch wurden mehrere Kandidaten beider Lager attackiert und verletzt. Zuletzt waren prodemokratische Kandidaten in Umfragen im Aufwind.

Update, 14:30 Uhr: Nach einer Woche besonders gewalttätiger Proteste rückten dutzende chinesische Soldaten in einheitlicher Sportkleidung und mit Bürstenhaarschnitt aus, um Trümmer und Steine von den Straßen zu räumen. Demonstranten in Hongkong hatten Straßen tagelang mit Barrikaden versperrt. Auf Videoaufnahmen war auch zu sehen, wie die Soldaten eine Straße hinauf und hinab joggten. Die chinesische Armee bestätigte später, sie habe die Streitkräfte entsandt, um die Straße vor der Hongkonger Kaserne zu räumen.

Einschreiten von China unwahrscheinlich

Experten zufolge ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Peking die Volksbefreiungsarmee mobilisiert, solange es noch andere Optionen gibt. Eine militärische Intervention gilt als politisch heikel und als letzter Ausweg. Peking würde demnach eher die bewaffnete Volkspolizei - eine paramilitärische Eingreiftruppe - oder Sicherheitskräfte aus der benachbarten Provinz Guangdong nach Hongkong schicken.

Update, 12:30 Uhr: Polizeikräfte haben den Campus der von Demonstranten besetzten Hongkonger Polytechnischen Universität (PolyU) gestürmt. Laut Augenzeugenberichten sind die Polizisten dabei mit äußerster Härte vorgegangen. Wie CNN berichtet, kamen neben Tränengas auch Schallkanonen zum Einsatz. Auf zahlreichen Videoaufnahmen ist dokumentiert, wie Beamte mit Schlagstöcken auf am Boden liegende Zivilisten einprügeln.

Zahlreiche Demonstranten sollen in der Nacht versucht haben, die Polizeiabsperrungen zu druchbrechen. Die Polizei habe die Flüchtenden aber wieder zurück ins Gebäude getrieben und dutzende Personen festgenommen.

Auch aufseiten der Protestbewegung radikalisieren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Laut CNN-Informationen haben Sicherheitskräfte unweit der „PolyU“  eine selbstgebastelte Bombe entdeckt. Der Sprengkörper wurde vom Kampfmittelräumdienst unschädlich gemacht. CNN berichtet außerdem davon, dass mehrere radikale Gruppierungen in der Universität dabei beobachtet wurden, wie sie eine Form von selbstgemachtem Napalm herstellen. Bereits mehrfach flogen Molotov-Cocktails auf die Polizisten

Update vom 18.11.2019, 6:30 Uhr: Aktivistinnen und Aktivisten der Demokratiebewegung in Hongkong haben am Montag den Eingang der PolyU in Brand gesetzt, um dadurch einen Polizeieinsatz zu verhindern. 

Die Universität auf der Halbinsel Kowloon wurde am Sonntag von hunderten Personen besetzt. Manche von ihnen attackierten anrückende Polizeikräfte mit Molotov-Cocktails und Pfeilen. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP sah maskierte Bogenschützen sowie Späher mit Ferngläsern auf einem Dach. Am Sonntag war ein Polizist durch einen Pfeil am Bein verletzt worden

Hongkong: Polizei macht Ankündiung offenbar wahr

Laut eigenen Angaben setzen die Sicherheitskräfte in Hongkong ab sofort auch scharfe Munition gegen die Demonstranten ein. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, kam es am Montagmorgen zu mehreren lauten Explosionen. Danach habe es einen Brand am Eingang der PolyU gegeben. 

Ein Polizist hält einen Demonstranten außerhalb der Hong Kong Polytechnic Universität fest, während es am frühen Montag am Campus zu schweren Zusammenstößen mit den Demonstranten kam.

Bereits am Sonntag hatte Polizeisprecher Louis Lau angekündigt, dass die Sicherheitskräfte mit scharfer Munition auf die Aktivistinnen und Aktivisten schießen würden. „Wenn sie mit solchen gefährlichen Aktionen fortfahren, haben wir keine andere Wahl als ein Mindestmaß an Gewalt anzuwenden, darunter scharfe Munition, um zurückzuschießen“, schrieb Lau in einem Facebook-Beitrag. Bei den Protesten in den vergangenen Wochen hatten Polizisten bereits in drei Situationen scharf geschossen - allerdings ohne Vorwarnung.

Hongkong: Demonstranten setzen Uni in Brand - Polizei schießt scharf

Hongkong-Proteste: Zwei deutsche Studenten festgenommen 

Update vom 15.11.2019, 17.05 Uhr: In Hongkong sollen zwei deutsche Studenten festgenommen worden sein*. Laut Informationen der „Bild“-Zeitung handelt es sich um Austauschstudenten der Lingnan-Universität. Das Auswärtige Amt bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass zwei deutsche Staatsangehörige festgenommen worden seien und das Generalkonsulat in Hongkong mit ihnen, ihrem Rechtsanwalt und den Behörden vor Ort in Kontakt sei.

Erstmeldung vom 08.11.2019, 06.43 Uhr: Hongkong - Am Rande der Anti-Regierungsproteste in Hongkong ist ein Student nach einem Sturz von einem Parkhaus ums Leben gekommen. Wie die Hongkonger Krankenhaus-Behörde mitteilte, starb der 22-Jährige am Freitag an seinen schweren Verletzungen.

Wie lokale Medien berichteten, war der Informatik-Stunden am Montag von einem Parkhaus gestürzt, in dessen Nähe es zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten gekommen war. Er wurde mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert, wo er bis Freitag im Koma lag. Die genauen Umstände des Sturzes blieben unklar.

Hongkong: Polizei setzt Tränengas gegen Demonstranten ein

Wie die Polizei mitteilte, wurde der Student etwa 120 Meter von einer Stelle gefunden wurde, an der die Beamten Tränengas eingesetzt hatten. Die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" berichtete, dass der Student von der dritten in die zweite Etage des Parkhauses gestürzt war.

Hongkonger Studenten und Mitglieder der Protestbewegung hatten wütend und bestürzt auf das Unglück reagiert. Viele werfen der Polizei vor, für den Sturz verantwortlich zu sein.

Proteste in Hongkong seit über fünf Monaten

Seit fünf Monaten demonstrieren die Hongkonger gegen die eigene Regierung und den wachsenden Einfluss der Pekinger Führung auf die ehemalige britische Kronkolonie. Immer wieder kommt es dabei zu schweren Zusammenstößen von Polizei und Demonstranten.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom als eigenes Territorium regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten.

China-Expertin warnt: Das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen ist riesig. Deutlich wird dies auch an der Unterdrückung der Uiguren. Die Bedrohung reicht bis Deutschland.

Innerhalb eine Woche sterben bei den sich zuspitzenden Protesten zwei Menschen. Zunächst stürzte ein Demonstrant von einem Parkhaus, nun wurde ein alter Mann von einem Pflasterstein getroffen. Die Regierung macht "Randalierer" verantwortlich.*

mav mit afp

*fr.de Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.