Klauseln sind nicht verbraucherfreundlich

Schlappe für Hotelportale: Gericht bremst Bestpreisgarantie

Planschen zum Bestpreis: Große Hotelportale locken mit Garantien – in Wahrheit zum Nachteil der Verbraucher, meint das Bundeskartellamt. Foto: dpa

Düsseldorf. Viele Verbraucher lieben die Bestpreisgarantien der Reiseportale im Internet.

Doch Wettbewerbshütern ist ihr Zustandekommen oft ein Dorn im Auge. Das Oberlandesgericht Düsseldorf gab ihnen gestern Recht und bestätigte ein Verbot der Bestpreisklauseln beim Hotelbuchungsportal HRS. Fragen und Antworten zu dem Thema.

Worum geht es bei dem Streit? 

Viele große Reiseportale wie HRS, Booking oder Expedia geben ihren Kunden eine Bestpreis-Garantie. Wenn Kunden nach der Buchung auf einer anderen Webseite das gleiche Hotelzimmer bei gleichen Konditionen zu einem günstigeren Preis finden, erstatten die Anbieter die Differenz. Doch die Portale versuchen häufig, ihr Risiko einzuschränken, indem sie in ihren Verträgen mit den Hotels Bestpreisklauseln festschreiben.

Wie sieht so eine Bestpreisklausel aus? 

Die Portale sichern sich damit optimale Konditionen. HRS etwa verpflichtete laut Bundeskartellamt die Hotelpartner, dem Unternehmen jeweils den niedrigsten Hotelpreis, die höchstmögliche Zimmerverfügbarkeit und die jeweils günstigsten Buchungs- und Stornierungskonditionen im Internet anzubieten. Selbst direkt an der Rezeption sollten die Herbergen keine besseren Konditionen offerieren dürfen. Auch die Konkurrenten Booking und Expedia haben nach Angaben der Wettbewerbshüter ähnliche Klauseln in ihren Verträgen.

Was stört das Bundeskartellamt daran? 

Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde sind die Bestpreisklauseln nur auf den ersten Blick vorteilhaft für den Verbraucher. „Letztlich verhindern die Klauseln, dass an anderer Stelle niedrigere Hotelpreise angeboten werden können“, warnt Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Was bedeutet das Urteil für die Verbraucher? 

Das Bundeskartellamt rechnet damit, dass die Verbraucher unmittelbar von der Entscheidung profitieren. Der Wettbewerb zwischen den Portalen um niedrigere Preise werde sich nun beleben.

Müssen die Verbraucher dafür auf Bestpreisgarantien verzichten? 

Zumindest vorläufig nicht. HRS-Geschäftsführer Tobias Ragge kündigte an, das Unternehmen halte trotz der Gerichtsentscheidung an der bisherigen Praxis fest. Für die Kunden ändere sich nichts. Und auch die Wettbewerber Expedia und Booking locken auf ihren Internetseiten weiterhin mit ihren Bestpreisgarantien.

Was sagt die Wissenschaft zu Preisgarantien?

Der Volkswirt Ulrich Schwalbe von der Universität Hohenheim kam 2012 in einer Studie zu dem Ergebnis, Preisgarantien im Einzelhandel seien nicht verbraucherfreundlich, sondern ermöglichten in Wirklichkeit den Unternehmen, vergleichsweise gefahrlos die Preise zu erhöhen.

Ist mit dem Urteil der Streit vom Tisch? 

Nein. Denn das Oberlandesgericht hat eine Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof zugelassen. Außerdem laufen beim Bundeskartellamt noch zwei weitere Verfahren gegen die Portale Booking und Expedia. (dpa) Aktenzeichen: VI - Kart. 1/14 (V)

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