Gedenkstätten-Direktor Hubertus Knabe fordert ein Verbot sämtlicher DDR-Symbole

Berlin. Wenn es nach dem Historiker und Stasi-Experten Hubertus Knabe geht, gehört das Zeigen von DDR-Symbolen genauso unter Strafe gestellt wie das Zeigen von Symbolen des Nationalsozialismus.

Diese Forderung hat der Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen erneut bekräftigt und dafür nicht nur Zuspruch erhalten. Kritiker beklagen, Knabe setze die Verbrechen des SED-Regimes mit den Gräueltaten der Nationalsozialisten gleich, was der Historiker jedoch entschieden von sich weist.

„Diktaturen gehören allesamt geächtet, egal unter welcher Ideologie sie entstanden. Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, Bankräuber straffrei zu lassen, weil man sie sonst mit Mördern auf eine Stufe stellen würde“, verteidigt Knabe seinen Vorstoß im Gespräch mit unserer Zeitung. In vielen anderen ehemals sozialistischen Ländern wie Tschechien oder Ungarn sei das Zeigen kommunistischer Symbole ohnehin längst unter Strafe gestellt.

Zu DDR-Symbolen zählt Knabe alle Symbole des Staats- und Parteiapparates des einstigen Arbeiter- und Bauernstaates, das Wappen mit Hammer und Zirkel, das Wappen des Ministeriums für Staatssicherheit, die Abzeichen der SED. „Allerdings sollte sichergestellt sein, dass das Verbot nicht gilt, wenn sie zu wissenschaftlichen, künstlerischen oder Bildungszwecken genutzt werden“, forderte Knabe.

Mittelfristig sei er optimistisch, dass es in Deutschland zu einem Verbot von DDR-Symbolen kommen werde. Dass es bisher kein Verbot gibt, führt Knabe auf die Sorgen vieler Politiker zurück, sich unbeliebt zu machen. Zustimmung bekommt er aus den Reihen der Union. Nachdem im vergangenen Jahr am 9. Mai, der in der Sowjetunion als „Tag des Sieges“ begangen wurde, ehemalige Stasi-Mitarbeiter am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park aufmarschierten, hatte der Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion Volker Kauder angekündigt, ein Verbot nach der Bundestagswahl auszuloten. Den Weg in den Koalitionsvertrag hat dieser Vorstoß aber nicht gefunden.

„Besonders für die Opfer der SED-Diktatur ist es völlig unverständlich, warum die Leugnung ihres Leidens straffrei bleibt. Deshalb gehören diese Symbole aus der Öffentlichkeit verbannt“, unterstreicht Knabe.

Von Daniel Göbel

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