Bürger beklagen Verzögerungen bei der Bergung von Atommüll aus der Asse

Hürden vor der Räumung

Gefährlich: Radioaktiver Müll in einer aufgebrochenen Kammer der Asse. Foto: dpa

Wolfenbüttel. Die Räumung des maroden Atommülllagers Asse ist beschlossene Sache – doch tatsächlich geht es nur ganz langsam voran. Bürgern, die in der Nähe der unterirdischen Müllkippe wohnen, gehen die Vorbereitungen zur Bergung des Mülls viel zu langsam. „Ich habe den Eindruck, es gibt immer mehr Hürden – ob technisch oder bürokratisch“, sagt Eckbert Duranowitsch. Er hat früher in der Asse gearbeitet, später erkrankte er an Krebs.

Am Wochenende informierte er sich in Wolfenbüttel gemeinsam mit knapp 100 anderen Anliegern über den aktuellen Stand der Bergungsarbeiten in dem alten Salzbergwerk

Im Januar 2010 sah alles so aus, als ob der Weg für die Räumung der Asse weitgehend frei wäre. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hatte die Rückholung, die Verfüllung des Schachts und eine tiefere Lagerung der Fässer innerhalb des Bergwerks gegeneinander abgewogen. „Nur mit der Rückholung können wir die Sicherheit künftiger Generationen nach dem heutigen Wissensstand gewährleisten“, sagt der Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz, Werner Nording.

Doch um richtig loslegen zu können, fehlen der Behörde noch immer etliche Genehmigungen. Vor einer endgültigen Entscheidung sollen zunächst einige Kammern angebohrt werden, um den Zustand der Fässer zu erkunden. Bis heute hat das BfS noch keinen genauen Blick auf den im Salzgrus gelagerten Atommüll werfen können. Dafür gilt es, Auflagen des Umweltministeriums in Hannover zu erfüllen – viele Bürger werfen dem Land vor, dem BfS Steine in den Weg zu legen.

Skeptisch schauen die Kritiker auch nach Berlin. In einem internen Sachstandsbericht an den Bundestags-Umweltausschuss wurden unlängst Bedenken gegen die Rückholung laut. „Wenn es so dargestellt wird, dass die Rückholung nicht möglich ist, dann liegt es am Geld oder am Nichtwollen“, glauben die Kritiker.

„Vordringlich müssten nun auch mal Kriterien für das notwendige Zwischenlager erarbeitet werden“, fordert Frank Hoffmann. Der Ingenieur wohnt nahe der Asse. Wenn die 126 000 Fässer eines Tages aus 750 Meter Tiefe geholt seien sollten, sollen sie neu verpackt und in Beton eingegossen werden.

So ein Zwischenlager will niemand vor seiner Haustür haben. „In das Auswahlverfahren für ein Zwischenlager müssen deutschlandweit bundeseigene Flächen und auch die von AKW-Betreibern mit einbezogen werden“, fordert Heike Wiegel von der Bürgerinitiative.

„Ein Zwischenlager ist allemal besser als der jetzige Zustand“, mahnt Udo Dettmann von der Bürgerinitiative an. Schließlich droht das Bergwerk einzustürzen. Auch für den Physiker Wolfgang Neumann ist eine Rückholung des Mülls die beste Lösung. Die Strahlenbelastung sei dann relativ gering und kalkulierbar: „Wenn der Müll in der Asse bleibt, droht eine unkontrollierbare Strahlungsgefahr für einen nicht absehbaren Zeitraum.“

Von Anita Pöhlig

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