Interview mit Frank Bettenhäuser

Hütt-Chef über Preisabsprachen der Bierbranche: „Umsatz stark rückläufig“

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Bußgelder für illegale Preisabsprache: Das Bundeskartellamt hat Millionenstrafen an deutsche Bierbrauer verhängt.

Das Bundeskartellamt hat wegen illegaler Preisabsprachen auf dem deutschen Biermarkt weitere Bußgelder in Höhe von 231,2 Millionen Euro verhängt. Betroffen sind die Radeberger-Gruppe (Jever), Carlsberg (Holsten), die regionalen Brauereien Bolten, Erzquell, Gaffel und Früh sowie der Brauereiverband NRW. Radeberger legte bereits Einspruch ein.

Frank Bettenhäuser, Leiter der Hütt-Brauerei in Kassel, glaubt, dass die Bierpreise durch die Kartellstrafe weiter steigen.

Herr Bettenhäuser, mit illegalen Preisabsprachen haben deutsche Brauer die Bierpreise in die Höhe getrieben. Welche Auswirkungen haben solche illegalen Preisabsprachen für Brauereien wie Hütt? 

Frank Bettenhäuser: Für uns bedeutet es, dass weiterhin der Bierpreis absolut im Fokus der Verbraucher und der Presse steht. Mit seinen Ermittlungen, die absolut berechtigt sind, trägt das Kartellamt letztendlich zu einer weiteren Konzentration im Biermarkt bei. Das heißt, der Wettbewerb dürfte sich noch mehr verschärfen, was mittel- bis langfristig zu steigenden Bierpreisen führen dürfte. Denn wenn es weniger Wettbewerber gibt ist es leichter, die Bierpreise zu erhöhen.

Sind kleinere Brauereien damit in ihrer Existenz bedroht? 

Bettenhäuser: Das Ausschalten von Wettbewerbern läuft bereits seit einigen Jahren. Die erste Vermutung für mich war, als ich von den Kartellermittlungen hörte, dass man gegen die Großbrauereien ermittele, weil sie sich zusammengeschlossen hätten um den Mittelstand durch Niedrigpreise aus dem Markt zu drängen. Die Arolser Brauerei zum Beispiel produziert nicht mehr selbst, sondern bezieht ihre Biere nun von der Allersheimer Brauerei. Die Alsfelder Brauerei und die Schaumburger Privatbrauerei sind in die Insolvenz gegangen. Und das ist nur eine kleine Aufzählung dessen, was sich in unserer Nähe getan hat.

Insider der Brauereibranche sagen, dass Bierkartell sei ein Ausdruck der Hilfslosigkeit von Brauereien. Teilen Sie diese Meinung? 

Bettenhäuser: Ich glaube, dass man diese Meinung bestätigen kann, da preislich in den vergangenen Jahren nicht viel passiert ist.

Woran liegt das? 

Bettenhäuser: Der Einzelhandel hat Bier als Frequenzbringer entdeckt. Denn, derjenige, der mit Leergut kommt, kommt in der Regel mit dem Auto und wer mit dem Auto kommt, macht einen größeren Einkauf. Das führt dazu, dass Teile des Einzelhandels keine Vollkostenkalkulation mehr für ihr Bier machen, sondern mit dem Artikel Bier versuchen, den Kunden in den Laden zu locken. Außerdem ist aufgrund der Altersstruktur der Bierumsatz seit Jahren stark rückläufig und hat so zu Überkapazitäten im Markt geführt. Somit ist eine gewisse Hilflosigkeit der Großbrauer und Fernsehbiere entstanden, da sie nur aufgrund ihrer Produktionskapazitäten mit großen Mengen im Markt agieren können und so keine Spezialitäten herstellen können.

Welche Auswirkungen werden die Kartellstrafen auf den deutschen Brauereimarkt haben? 

Bettenhäuser: Wo solcher Kostendruck hinführt, sehen wir an den immer wieder aufkeimenden Skandalen aus dem Fleischbereich. Das heißt, die Metzger vor der Haustür, die dem Konsumenten nachweisen können, wie sie ihre Ware produzieren, sind immer mehr zu Lasten der Großschlachtereien verschwunden, die Leiharbeiter einsetzen und einfachste Qualität zu billigsten Preisen auf den Markt schleudern. Der Konsument muss sich klar entscheiden, wie in Zukunft seine Lebensmittelversorgung aussehen soll. Ob er bereit ist, einen auskömmlichen Preis für hochwertige Produkte zu zahlen, oder ob er billigste Massenware kaufen will.

Von Daniel Göbel

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