Kommentar zum Kirchenasyl: Humanitäre Ausnahme

Über 450 Menschen befinden sich derzeit in Deutschland im Kirchenasyl, 2013 waren es nur 79. Aber Deutschland wäre arm, wenn es sich das Kirchenasyl nicht mehr leisten könnte, kommentiert HNA-Redakteurin Tatjana Coerschulte

Die Nutzung des Kirchenasyls zeigt das Anschwellen des Flüchtlingsstroms in Deutschland wie in einem Brennglas. Wenn doppelt so viele Menschen wie sonst ins Land kommen, ist es nur logisch, dass deutlich mehr Menschen in den Kirchen Schutz vor Abschiebung suchen. Aber wie in den anderen hastig zurechtgemachten Unterkünften auch stellen die Flüchtlinge im Kirchenasyl ihre Helfer inzwischen vor große Herausforderungen: Kirchenasyl ist ein Provisorium, mit räumlichen, zeitlichen und finanziellen Grenzen – und jetzt platzt es aus allen Nähten.

Da liegt die Versuchung nahe, aus Überforderung die Schließung dieser Zuflucht zu fordern. Aber wem wäre damit geholfen? Man kann den Kirchen zutrauen, dass sie genau hinschauen, wem sie Schutz gewähren. Und dass die Behörden das Asyl in den Gotteshäusern respektieren und nicht einfach die Türen aufbrechen lassen, zeugt von der Einsicht, dass dort eben oft Menschen landen, deren Notlage von keinem Gesetz erfasst wird.

Deutschland wäre arm, wenn es sich eine humanitäre Ausnahme wie das Kirchenasyl nicht mehr leisten könnte. Woran es fehlt, sind Behördenmitarbeiter, die Kriegsflüchtlinge von Wirtschaftsflüchtlingen unterscheiden helfen. Scheindebatten über die Welt, wie sie sein sollte, aber nicht ist, gibt es schon genug.

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