Humanitäre Katastrophe: Die Dürre ist nicht allein schuld

Es ist die schlimmste Dürre am Horn von Afrika seit 60 Jahren. Die Vereinten Nationen schätzen, dass zwölf Millionen Menschen nicht genug Nahrung haben - die meisten davon in Somalia. Hunderttausende sind auf einer ungewissen Flucht vor dem Hungertod. Aber wie ist es so weit gekommen?

Hintergründe und Ursachen einer humanitären Katastrophe:

Das Wetter

Die aktuelle Dürre in Ostafrika hält seit April an, als die üblichen Regenfälle ausgeblieben sind. Meteorologen machen dafür das Wetterphänomens La Niña verantwortlich, das seit Sommer 2010 ungewöhnlich stark ist und Feuchtigkeit aus Ostafrika über den Indischen Ozean abtransportiert. Schon der vergangene Herbst war sehr viel trockener als gewohnt, sodass mehrere Ernten nacheinander ausgefallen sind.

Die Infrastruktur

Nach zwanzig Jahren Bürgerkrieg fehlt es in Somalia überall an der nötigen Infrastruktur, um mit den Auswirkungen einer Dürre fertigzuwerden. Brunnen liegen trocken, Bewässerungssysteme sind zerstört, Wasserspeicher nicht vorhanden. Ähnliche Probleme gibt es wegen Misswirtschaft und Korruption zwar auch in anderen Ländern Ostafrikas, aber in Somalia ist die Lage besonders dramatisch.

Die Lebensmittelpreise

Auch die in den vergangenen Jahren gestiegenen weltweiten Lebensmittelpreise spielen in der aktuellen Notsituation eine Rolle. Obwohl Afrika über große fruchtbare Gebiete verfügt, werden nur etwa 15 Prozent der möglichen Ackerfläche bewirtschaftet. Es fehlt an Düngemitteln, Geräten und Transportmöglichkeiten. 35 von 48 Staaten südlich der Sahara importieren Lebensmittel aus den Industriestaaten, die ihrerseits die eigenen Märkte durch Subventionen und Zölle vor der Konkurrenz aus den Entwicklungsländern schützen. So kommt die afrikanische Landwirtschaft nicht voran, und Lebensmittelvorräte können sich die armen Länder auf dem Weltmarkt kaum kaufen. In weiten Teilen Somalias gibt es zudem keine funktionierende Regierung, die solche Vorkehrungen für eine Dürre überhaupt treffen könnte.

Der Futtermangel

Dass die Ernte schon seit dem vergangenen Herbst mehrfach ausgeblieben ist, stellt für die Menschen am Horn von Afrika, die hauptsächlich von Landwirtschaft leben, ein doppeltes Problem dar. Zum einen fehlt ihnen die Nahrung selbst, zum anderen haben sie nicht genug Futter für ihr Vieh. Zusätzliches Futter können sie aber kaum kaufen. Die Tiere, die der wertvollste Besitz der Bauern sind, geben weniger Milch und sterben schließlich. Somit fällt nicht nur eine Ernte aus, sondern den Bauern wird die Grundlage ihrer Existenz entzogen.

Die Al-Shabaab-Milizen

Die Hungersnot ist gerade in den Teilen Somalias am schlimmsten, die von der islamistischen Al-Shabaab (zu deutsch: die Jugend) kontrolliert werden. Die Miliz, der Kontakte zu Al-Qaida unterstellt werden, unterbindet seit zwei Jahren die Arbeit westlicher Hilfsorganisationen. Die Viehbauern, die traditionell als Nomaden bei Dürre zu besseren Weidegründen ziehen, zwingen sie mit Gewalt zum Bleiben. Jugendliche pressen sie in den Militärdienst. So macht es die Miliz vielen Menschen unmöglich, vor der Hungersnot zu fliehen.

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