„Haustiere sind keine Kuscheltiere“

Regierung plant „Gassi-Gesetz“: Das wird für Hundehalter bald zur Pflicht

Ein neues Gesetz für Hundehalter soll positive Veränderungen bringen. Es betrifft auch das Gassi-Gehen. Andere Tierarten sollen ebenfalls besser behandelt werden.

  • Das Bundeslandwirtschaftsministerium plant ein neues Gesetz für Hundehalter.
  • Künftig soll mit jedem Hund mindestens zweimal am Tag Gassi gegangen werden.
  • Auch Hundezüchter sind betroffen.

Kassel - Wer sich einen Hund zulegt, muss sich die entsprechende Zeit für sein Haustier nehmen. Denn die Vierbeiner sind für viele Menschen nicht nur der beste Freund und ein Familienmitglied, sondern auch Arbeit und Verantwortung. Um eine artgerechte Haltung durchzusetzen, möchte die Regierung nun zum Wohl der Tiere ein neues Gesetz erlassen. Das bedeutet aber auch strengere Regeln für die Besitzer.

Ministerin Klöckner (CDU) plant neues Gesetz: Zum Wohl von jedem Hund

Wie das geplante Gesetz vorsieht, sollen Besitzer künftig mindestens zweimal täglich mit ihrem Hund insgesamt eine Stunde Gassi gehen. So möchte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) den Tieren ausreichend Auslauf garantieren. „Haustiere sind keine Kuscheltiere – ihre Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden“, so Klöckner gegenüber der Deutschen Presse Agentur.

Tiertransporte innerhalb von Deutschland sollen ebenfalls neu geregelt werden. Diese sollen künftig maximal viereinhalb Stunden dauern dürfen, sobald die Temperaturen im Transporter zwischenzeitlich mehr als 30 Grad betragen. „Gerade im Sommer bei hohen Temperaturen müssen wir vermeiden, dass den Tieren durch Hitze vermeidbares Leiden zugefügt werden“, sagte Klöckner.

Mehr Auslauf für den Hund - Kommt das neue Gesetz schon nächstes Jahr?

Wie das Bundeslandwirtschaftsministerium mitteilt, soll eine solche Verordnung möglichst in den ersten Monaten des kommenden Jahres verkündet werden. Ein Entwurf liegt bereits vor, muss jedoch noch mit den Ländern und Fachverbänden abgestimmt werden.

Geplant sind nach dem neuen Gesetz außerdem strengere Regeln für Hundezüchter. Mindestens vier Stunden täglich sollen sich private und professionelle Hundezüchter demnach in Zukunft um die Welpen kümmern, sodass sich jeder junge Hund ausreichend an Menschen gewöhnt. Außerdem darf ein Zucht-Betreuer höchstens drei Würfe, also Nachwuchs einer Hündin, gleichzeitig betreuen.

Mindestens zweimal mit dem Hund raus - Neues Gesetz „absolut sinnvoll“

Auch eine „Anbindehaltung“ von Hunden - also Hunde die ganze Zeit anzuketten - soll verboten und nur noch unter bestimmten Voraussetzungen zulässig sein. Gerade das war Karsten Plücker, Vorsitzender des Vereins Bund gegen Missbrauch der Tiere, ein Dorn im Auge. Oft wird sich ein Hund nur angeschafft, um etwa einen Schrottplatz zu bewachen. Der nötige Auslauf sowie Zuneigung und Betreuung entfallen da beinahe komplett.

Solche Hunde werden schlussendlich oft beim Tierheim abgegeben und seien dann unvermittelbar, da sie den Kontakt mit Menschen nicht gewohnt seien, so Plücker, der auch das Tierheim Wau-Mau-Insel in Kassel leitet. Generell sei das geplante Gesetz „absolut sinnvoll“. Auf die Frage, wie es das Tierheim mit dem Gassi gehen hält, hieß es, dass man mit den Hunden ohnehin schon mindestens zweimal täglich rausgehe, und das oft sogar zwei Stunden.

Auch ein guter Partner beim Sport: Dank einem neuen Gesetz soll jeder Hund künftig mindestens zweimal vor die Tür.

Neues Gesetz: Wer das nicht einhalten kann, „sollte sich auch keinen Hund anschaffen“

Doch wie sollen die neuen Regeln, besonders bei privaten Hundebesitzern, künftig kontrolliert werden? Wie die Tagesschau berichtet, sagte eine Sprecherin von Ministerin Julia Klöckner, dass dafür die Behörden der Länder zuständig seien. Es ginge aber vielmehr um die Zwingerhaltung von Hunden. Niemand wird bei einem Privathaushalt klingeln und kontrollieren, wie oft der Vierbeiner schon vor der Tür war.

Überhaupt sollte das neue Gesetz den Umgang mit dem eigenen Hund nicht weiter beeinflussen, zumindest wenn es sich um einen verantwortungsbewussten und liebevollen Tierhalter handelt. Das betont auch Karsten Plücker, der dem Bundeslandwirtschaftsministerium in beratender Tätigkeit dient. In einem Telefongespräch mit der HNA sagte er: „Jeder, der das nicht einhalten kann, sollte sich auch keinen Hund anschaffen“. (Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Christin Klose

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.