Dieter Lehmkuhl fordert eine Vermögensabgabe

Millionär: „Ich zahle zu wenig Steuern“

Dieter Lehmkuhl

Kassel. Die Reichen werden laut neuestem Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung immer reicher. Der 69-jährige Dieter Lehmkuhl aus Berlin ist selbst Millionär. Der Psychiater erbte einst Brauerei-Aktien von seinen Eltern.

Er ist Mitglied der Initiative Vermögender, die für eine Vermögensabgabe plädiert.

Wie beliebt sind sie bei den Millionären in ihrem Freundeskreis?

Dieter Lehmkuhl: Ich gehöre nicht zu den top-reichen Milliardären. Viele meiner Freunde sind nicht vermögend. Die, die mit mir die Initiative gegründet haben, denken genau wie ich.

Der Bericht der Bundesregierung zeigt, dass der Reichtum der oberen zehn Prozent der Bevölkerung wächst. Wird es jetzt Zeit, die Reichen mehr zu besteuern?

Lehmkuhl: Ich denke, dass es schon lange an der Zeit ist. Diese Entwicklung zeichnet sich seit Ende der 90er Jahre ab. Selbst der OECD-Bericht von 2011 hat aufgezeigt, dass in keinem entwickelten Land seit der Jahrtausendwende die Ungleichheit so stark gewachsen ist wie bei uns. Die Ungleichheit ist noch nicht so groß wie in Großbritannien oder den USA. Aber das Tempo, in dem sich es hier verändert, ist besorgniserregend.

Was zahlen Sie als Millionär an Steuern und warum ist das zu wenig?

Lehmkuhl: Ich zahle eindeutig zu wenig Steuern, ungefähr 15 000 Euro. Das liegt aber auch daran, dass ich relativ viel Geld spende und stifte. Das drückt die Abgaben. Die reichsten 400 Haushalte zahlen laut dem deutschen Institut für Wirtschaftsforschung 35 Prozent Steuern auf ihr Bruttoeinkommen. Und die oberen zehn Prozent der Bevölkerung nur 25 Prozent. Wenn man das mit den Abgaben eines Facharbeiters vergleicht - relativ gesehen - zahlt der Facharbeiter oft mehr Steuern als die Wohlhabenden.

Sie fordern eine Abgabe für Reiche. Wie soll die aussehen?

Lehmkuhl: Wir fordern eine Vermögensabgabe von insgesamt zehn Prozent, jenseits eines Schonvermögens von 500 000 Euro. Ein Beispiel: Ein Ehepaar besitzt ein Haus im Wert von einer halben Millionen Euro und eine Millionen an Geldvermögen. Dann haben sie zusammen 1,5 Millionen. Abzüglich der beiden Freibeträge von 500 000 Euro, werden am Ende 500 000 Euro mit zehn Prozent besteuert, das sind 50 000 Euro. Das tut niemandem weh, das kann jeder Reiche wegstecken.

Sind unsere Steuern, wie zum Beispiel die Erbschaftssteuer, insgesamt zu niedrig?

Lehmkuhl: Die Besteuerung der Reichen ist insgesamt zu niedrig. Es kommt auf den richtigen Mix an: Erhöhung der Spitzenssätze bei der Einkommenssteuer, eine angemessene Erbschaftssteuer und eine substanzielle Vermögensabgabe. Wir sind im internationalen Vergleich quai eine Steueroase, weil wir nur eine geringe Abgabe auf Vermögen haben.

Was fordert ihre Initiative?

Lehmkuhl: Die angesprochene Vermögensabgabe jenseits des Schonvermögens. Bei Betriebsvermögen liegt diese bei drei Millionen, damit der Mittelstand nicht getroffen wird. Danach die Wiedereinsetzung der Vermögenssteuer von einem Prozent. Das würde über 150 Milliarden in die öffentlichen Haushalte bringen. Das Geld sollte in Bildung, Soziales und die Energiewende fließen.

Von Max Holscher

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