Bereits 1999 war die Schummelsoftware bei Audi ein Thema

Abgasskandal bei VW: Kam die Idee aus Ingolstadt?

Wolfsburg/Ingolstadt. Die VW-Software, mit der Abgaswerte manipuliert wurden, geht offenbar auf eine Erfindung von Audi-Ingenieuren zurück.

Bereits 1999 sollen die Entwickler in Ingolstadt über Möglichkeiten nachgedacht haben, wie sich die immer strengeren Stickstoff-Grenzwerte umgehen lassen. Eingesetzt habe Audi diese Software selbst nicht, das passierte erst Jahre später in Wolfsburg bei Volkswagen. Dies berichtete das Handelsblatt – unter Berufung auf Branchen- und Konzernkreise – in seiner gestrigen Ausgabe.

Bernd Pischetsrieder

Bislang gab es für den Abgasskandal bei Volkswagen eine eindeutige Sprachregelung: Die Verantwortung liege allein bei der Kernmarke VW. Die Entscheidung, die Motorsteuerungssoftware zu verändern, sei dort von VW-Mitarbeitern unterhalb der Vorstandsebene in nachgeordneten Abteilungen der Aggregate-Entwicklung getroffen worden. Doch so ganz scheint dies nicht zuzutreffen. Vielmehr scheint es so, als habe Audi damals – vor gut 16 Jahren – den Werbeslogan „Vorsprung durch Technik“ wörtlich genommen. Da Audi selbst diese Software nicht eingesetzt hat, dürfte juristisch an den Ingolstädtern allerdings nichts kleben bleiben.

Software für Akustik

Als sogenannte Akustik-Software soll das Programm getarnt gewesen sein. Dies würde auf ganz legale Bemühungen zurückgehen, den Lärm klopfender Diesel nach dem Kaltstart zu vermindern. Es heißt, die Beteiligten hätten die illegale Software „dort versteckt“. Eigentlich ein Unding, denn in der Branche dürfte es gang und gäbe sein, dass die Wettbewerber ihre Motoren gegenseitig auseinandernehmen. Während sich Materialien und Technik vergleichen und bewerten lassen, spielt Software in einer anderen Liga – man bestaunt das Ergebnis, der Lösungsweg bleibt aber oft im Verborgenem.

1999 sei die illegale Software auch bei den Motorenentwicklern von Audi ein Thema gewesen. Entsprechende Hinweise sollen die Ermittler der US-Kanzlei Jones Day erhalten haben, deren Abschlussbericht in den nächsten Wochen erwartet wird.

Grund für die damaligen Überlegungen waren die verschärften Abgaswerte. Ab 2001 ließen die europäischen Regeln nur noch einen Ausstoß von 0,5 Gramm Stickoxid pro Kilometer vor. Heutzutage sind nur 0,08 Gramm pro Kilometer zulässig (Euro-6-Diesel).

Wolfgang Bernhard

2005 feilten die Entwickler bei VW am neuen Dieselmotor EA189. Chef der Kernmarke VW war seinerzeit Wolfgang Bernhard, Vorstandschef war Bernd Pischetsrieder. Um die Entwicklung des Dieselmotors EA 189 voranzutreiben, so das Handelsblatt, habe sich Bernhard Entwickler aus Ingolstadt geholt. Bernhard musste Ende 2005 gehen, Pischetsrieder ein Jahr später. Die damaligen Konzernoberen haben bereits im vergangenen Oktober vehement bestritten, etwas vom Einbau der Software gewusst zu haben.

In den Zentralen von Audi und Volkswagen hieß es gestern: „Mit Blick auf die laufenden Ermittlungen können wir dies se Untersuchungen derzeit nicht kommentieren.“

Rubriklistenbild: © dpa

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