Immer mehr Deutsche fürchten sich vor dem Islam

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Ein Junge liest während des islamischen Religionsunterrichts in einem Schulbuch. Foto: Oliver Berg/Archiv

Gütersloh (dpa) - Der Islam macht einer Studie zufolge immer mehr Menschen in Deutschland Angst. 57 Prozent empfinden ihn inzwischen laut einer Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung als Bedrohung - im Jahr 2012 waren es 53 Prozent.

61 Prozent meinen, der Islam passe nicht in die westliche Welt (2012: 52 Prozent). Dabei fühlt sich ein Großteil der vier Millionen Muslime in Deutschland dem demokratischen Staat und der westlichen Gesellschaft eng verbunden, wie die Sonderauswertung "Islam" des Religionsmonitors der Stiftung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, ebenfalls zeigt.

"Für Muslime ist Deutschland inzwischen Heimat. Sie sehen sich aber mit einem Negativ-Image konfrontiert, das anscheinend durch eine Minderheit von radikalen Islamisten geprägt wird", sagte Yasemin El-Menouar, Islam-Expertin der Stiftung.

Das negative Islam-Bild ist dabei nach Ansicht der Forscher nicht abhängig von Bildungsniveau, politischer Orientierung oder sozialem Status. Entscheidender seien das Alter und der persönliche Kontakt zu Muslimen, so ein Fazit der Studie. Von den über-54-jährigen Nicht-Muslimen fühlen sich 61 Prozent durch den Islam bedroht. Bei den Unter-25-Jährigen sind es nur 39 Prozent. Die Angst vor dem Islam ist dort am größten, wo die wenigsten Muslime leben: In Nordrhein-Westfalen, wo jeder dritte deutsche Muslim zu Hause ist, fühlen sich 46 Prozent bedroht. In Thüringen und Sachsen mit nur sehr wenigen Muslimen sehen sich 70 Prozent vom Islam bedroht.

Dabei halten 90 Prozent der hochreligiösen Muslime in Deutschland laut Studie die Demokratie für eine gute Regierungsform. Neun von zehn Befragten haben in ihrer Freizeit Kontakt zu Nicht-Muslimen. Jeder Zweite hat mindestens genauso viele Kontakte außerhalb der Religionsgemeinschaft wie mit Muslimen.

63 Prozent derjenigen Befragten, die sich als ziemlich oder sehr religiös bezeichnen, überdenken nach eigenen Angaben regelmäßig ihre religiöse Einstellung. Einer Hochzeit unter homosexuellen Paaren stimmen rund 60 Prozent von ihnen zu. Von den hochreligiösen Befragten mit eher unumstößlichen Glaubensgrundsätzen sind immerhin 40 Prozent dafür. Zum Vergleich: In der Türkei, dem Herkunftsland der meisten Muslime in Deutschland, überdenkt nur jeder dritte Hochreligiöse regelmäßig seinen Glauben. Und nur 12 Prozent von ihnen befürworten die gleichgeschlechtliche Ehe.

Der Religionsmonitor basiert auf repräsentativen internationalen Bevölkerungsumfragen aus dem Jahr 2013, mit 14 000 Befragten aus 13 Ländern. Um das Meinungsbild in Deutschland zu erfassen, befragte das Forschungsinstitut TNS Emnid für die Stiftung Ende November 2014 repräsentativ 937 nicht muslimische Deutsche über 16 Jahren.

Pressebereich der Bertelsmann Stiftung

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