Tote im Jemen - Hunderte Verletzte in Kairo

Gewalt gegen US-Einrichtungen eskaliert

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In der gesamten arabischen Welt mehren sich wütende Proteste gegen die USA

Washington - Die wütenden Proteste gegen US-Einrichtungen in der islamischen Welt nehmen immer bedrohlichere Ausmaße an. Auch am Donnerstag gab es wieder Tote und hunderte Verletzte.

Aus Empörung über ein Schmäh-Video über den Propheten Mohammed griffen Demonstranten am Donnerstag im Jemen und Ägypten diplomatische Vertretungen Washingtons an. Dabei wurden Dutzende Menschen verletzt. Zuvor waren in dieser Woche bereits vier Amerikaner in Libyen getötet worden, unter ihnen auch der US-Botschafter. Auch mit Blick auf die Freitagsgebete versuchte Ägyptens Präsident Mohammed Mursi, die Wogen zu glätten.

Gewalttätige Demonstranten haben am Donnerstag die US-Botschaft im Jemen gestürmt. Die Behörden meldeten, drei Angreifer seien getötet worden, als Wachleute die Protestierenden vor dem Botschaftsgebäude in Sanaa zurückdrängten. Zehn Menschen erlitten nach diesen Angaben Verletzungen.

Ein Teilnehmer der Demonstration sagte, die Wachleute hätten mehrere Schüsse abgefeuert. Die Protestierenden hätten Autoreifen angezündet. Mit Holzlatten zertrümmerten sie das Panzerglas im Eingangsbereich.

Proteste in der gesamten islamischen Welt

 Vereinzelte Proteste wurden auch aus Afghanistan und Pakistan gemeldet. Auch in Tunesien und im Iran gingen erboste Muslime auf die Straßen. Proteste in dem von der radikal-islamischen Hamas regierten Gazastreifen blieben zunächst friedlich. Mehrere Dutzend Menschen riefen „Tod Amerika“ und „Tod Israel“ und verbrannten Flaggen beider Länder sowie das Foto eines Mannes, den sie für den Urheber des Videos hielten.

US-Sicherheitskreise vermuten das Terrornetzwerk Al Kaida hinter den Gewaltexzessen in Libyen. Beobachter befürchten, dass die Ausschreitungen mit dem Freitagsgebet auf weitere Länder in der islamischen Welt übergreifen. Die USA schickten am Donnerstag nach Medienberichten neben einer Einheit von Elitesoldaten auch zwei Kriegsschiffe vor die Küste Libyens. An den US-Botschaften weltweit wurden die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft.

Bei der Attacke auf das Konsulat in der libyschen Küstenstadt Bengasi waren in der Nacht auf Mittwoch der Botschafter Chris Stevens und drei andere Amerikaner ums Leben gekommenen. Der neue libysche Regierungschef, Mustafa Abu Schagur, verurteilte den „feigen Angriff“ auf das Konsulat in einem Interview mit Nachrichtensender Al-Arabija.

Mursi verurteilt Angriffe

Auch Ägyptens Präsident Mursi verurteilte die Gewalt gegen US-Vertretungen. Allerdings forderte er die USA zu „ernsthaften Schritten“ gegen den islamfeindlichen Videofilm auf. „Wir sind gegen jede Handlung, mit der der Islam und der Prophet Mohammed beleidigt werden soll und wir sind gegen die Beleidigung jeder Religion“, sagte Mursi nach einem Gespräch mit dem EU-Ratsvorsitzenden Herman Van Rompuy in Brüssel. „Zugleich sagen wir aber deutlich, dass dies nicht als Rechtfertigung für Angriffe auf Konsulate oder Botschaften dienen kann und dass dies keine Rechtfertigung für die Tötung unschuldiger Menschen ist. Wir sind dagegen und verurteilen das.“

Außenminister Guido Westerwelle zeigte sich besorgt über die aufgeheizte Situation in Jemen, Ägypten, Libyen und anderen Ländern der Region, wie Außenamtssprecher Andreas Peschke sagte. „Er (Westerwelle) erwartet, dass der Schutz diplomatischer Einrichtung der USA gewährleistet wird. Er verurteilt entschieden jede Form der Gewalt gegen amerikanische Einrichtungen.“ Die bisherigen Übergriffe seien durch nichts zu rechtfertigen, auch nicht durch die „verabscheuungswürdigen anti-islamischen Filme“ im Internet.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland verurteilte den tödlichen Angriff auf Amerikas Botschafter in Libyen durch militante Islamisten. „Wer hinter diesem Anschlag steckt, will die Freiheit des Landes zerstören“, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag.

Umstrittener Film als Ursache

Auslöser der Proteste in der islamischen Welt war ein in den USA produzierter Videofilm, in dem der Prophet des Islam als Mörder, Kinderschänder und Frauenheld dargestellt wird. Als Autor, Regisseur und Produzent des Films zeichnet ein „Sam Bacile“. Recherchen von US-Medien ergaben bisher keine konkreten Spuren. Das israelische Außenministerium hat sich von Autor und Film distanziert. Es hatte zunächst geheißen, der Produzent habe für den rund zweistündigen Film fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) von rund 100 jüdischen Spendern eingesammelt.

Der umstrittene amerikanische Pastor Terry Jones, der mit einer Koranverbrennung weltweit für Proteste gesorgt hatte, wollte den Film in den USA öffentlich zeigen.

Bei den Zusammenstößen zwischen gewalttätigen Demonstranten und Polizisten vor der US-Botschaft in Kairo sind am Donnerstag über 200 Menschen verletzt worden. Das berichteten Augenzeugen und Krankenhausärzte. Unter den Verletzten seien auch zahlreiche Polizisten, hieß es. Die Demonstranten, die gegen einen in den USA produzierten Schmäh-Film über den Propheten Mohammed protestierten, warfen Steine. Die Polizei, die den Auftrag hat, das Botschaftsgebäude zu schützen, setzte Tränengas ein.

Ein Zusammenhang mit den weltweiten Protesten wurde zunächst auch bei einem Zwischenfall im US-Konsulat in Berlin vermutet. Das Gebäude war am Mittag teilweise geräumt worden, nachdem mehrere Menschen plötzlich über Atemwegprobleme geklagt hatten. Der Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr wurde nach mehreren Stunden beendet. „Es wurde keine Gefahr festgestellt, darum wurde das Gebäude wieder freigegeben“, sagte eine Polizeisprecherin.

dpa

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