BMG räumt Patzer ein

Lauterbach-Ministerium widerspricht Stiko - und gibt falsche Kinder-Impfempfehlung ab

Bundespressekonferenz in Berlin - Kinderimpfung und Corona - Karl Lauterbach, Bundesminister für Gesundheit
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Karl Lauterbach auf der Bundespressekonferenz zum Thema „Kinderimpfung und Corona“.

Das Bundesgesundheitsministerium wirbt auf seiner Website für die Corona-Impfung bei Kindern - und legt der Stiko Worte in den Mund, die so nie formuliert wurden.

Berlin - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat die Bedeutung von Impfungen für den Schutz von Kindern vor dem Coronavirus* zuletzt immer wieder betont. Dies sei der beste Schutz für Kinder in der Pandemie, sagte der Mediziner zuletzt bei einem Besuch eines Impfzentrums in Hannover, wo er selbst zwei Kinder impfte. Das Gesundheitsministerium* wirbt aktuell auch intensiv für die Impfung der Kleinsten der Gesellschaft - weicht mit ihrer Impfempfehlung jedoch leicht von der der Stiko ab.

Corona-Impfung bei Kindern: Gesundheitsministerium nennt falsche Stiko-Empfehlung

Das Ministerium hat auf seiner Webseite eine „Entscheidungshilfe für Eltern und Sorgeberechtigte“ veröffentlicht. In dem Text soll über die Kinderimpfung aufgeklärt werden. Im zweiten Satz schreibt das Bundesgesundheitsministerium: „Die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut empfiehlt die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff für alle Kinder und Jugendlichen zwischen 5 und 11 Jahren und ab 12 Jahren.“ Diese Formulierung ist allerdings nicht ganz richtig. Denn die Stiko-Empfehlung bezieht sich eben nicht auf alle Kinder.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat Corona-Impfungen Anfang Dezember zunächst nur für Kinder mit Vorerkrankungen oder mit Risikopatienten in ihrem Umfeld empfohlen. Bei allen anderen Kinder hat die Stiko es Eltern und Ärzten freigestellt, sich für oder gegen die Impfung zu entscheiden. In der 15. Aktualisierung der Covid-19-Impfempfehlung heißt es dazu: „Die Covid-19-Impfung kann auch bei fünf- bis elfjährigen Kindern ohne Vorerkrankungen bei individuellem Wunsch von Kindern und Eltern beziehungsweise Sorgeberechtigten nach ärztlicher Aufklärung erfolgen.“

Heißt: Das Impfen von Kindern ist in Deutschland möglich, wird von einigen Ärzten praktiziert - und auch von den interessierten Eltern angenommen. Eine uneingeschränkte Impfempfehlung für alle Kinder, wie vom Bundesgesundheitsministerium suggeriert, gibt es in Deutschland allerdings nicht. Die Ungenauigkeit wirft erneut kein gutes Bild auf die Kommunikation zwischen Stiko, RKI und Gesundheitsministerium. Zuletzt waren sich die Behörden öfter uneinig*. Dabei ist die Stiko dem RKI untergestellt, das als Bundesbehörde wiederum zum Bundesgesundheitsministerium gehört.

Video: Stiko: Kinder-Impfung bei Vorerkrankung empfohlen

Corona-Impfung für Kinder: Ministerium spricht von „etwas ungenauen“ Angaben

Am 9. Dezember hat die Stiko die eingeschränkte Impfempfehlung für Fünf- bis Elfjährige abgegeben*. Für eine allumfassende Einschätzung fehlten laut Stiko-Chef Thomas Mertens erforderliche Daten. „Die Datengrundlage für eine generelle Empfehlung ist im Augenblick aus Sicht der Stiko nicht gegeben.“ Es gebe wissenschaftlich fundierte Gründe, warum die Stiko keine allgemeine Impfempfehlung für Kinder von fünf bis elf Jahren herausgegeben habe, sondern nur für vorerkrankte Kinder. Es gebe nicht genug Daten über die Sicherheit der Impfstoffe für Kinder, so Mertens. 

Kinderimpfungen seien sicher, betont unterdessen Lauterbach. Das Risiko von Herzmuskelentzündungen sei so gering, dass Kinder besser geimpft als ungeimpft der Pandemie ausgesetzt werden sollten. Und gerade bei der neuartigen Omikron-Variante werde noch geprüft, ob diese insbesondere bei Kindern schwerere Krankheitsverläufe verursache.

Auf Anfrage von Merkur.de erklärt das Bundesgesundheitsministerium, dass die zum Text verlinkte Broschüre noch vor der Stiko-Empfehlung erstellt worden sei. „Der Anteasertext auf der Homepage ist möglicherweise etwas ungenau, das schauen wir uns noch einmal an.“ Richtig sei aber eben auch, „dass alle Kinder ab 5 Jahren geimpft werden können“. Stiko-Chef Mertens zeigte sich gegenüber unserer Redaktion irritiert über die entsprechende Textpassage. „Ich kann Ihnen nicht sagen, warum das BMG diese Formulierung gewählt hat. Möglicherweise ist es eine vereinfachte Darstellung.“ *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA (as)

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