Gewerkschaft beklagt dramatischen Rückgang bei Bewerberzahlen

Interesse an Polizei sinkt

Harter Einsatz: Wer sich für eine Ausbildung bei der Polizei in Niedersachsen entscheidet, ist auch dabei, wenn die linke Autonomenszene wie hier bei einer Demonstration auf dem Göttinger Markt in Schach gehalten werden muss. Archivfoto: dpa

Hannover. Bei der Polizei in Niedersachsen haben sich in diesem Jahr deutlich weniger junge Menschen beworben als in den Jahren zuvor. Gingen sonst an die 6000 Bewerbungen pro Jahr bei den Gesetzeshütern ein, waren es jetzt laut niedersächsischem Innenministerium erst 4700 Interessenten. Auch der doppelte Abiturjahrgang, der in diesem Sommer die Schulen verlassen hat, ließ den Bewerberstrom nicht anschwellen.

Der Landesverband Niedersachsen der Deutschen Polizeigewerkschaft spricht von einem „dramatischen Rückgang“. „Wir machen uns erhebliche Sorgen“, sagt der stellvertretende Landesvorsitzende Alexander Zimbehl.

In Niedersachsen gibt es laut Innenministerium rund 19 700 Polizisten; diese Zahl solle in den kommenden Jahren gehalten werden, sagt Sprecher Dirk Hallmann. Pro Jahr stellt die Polizei rund 600 junge Menschen für eine Ausbildung ein. In diesem November begannen 607 Anwärter an den Polizeiakademien ihre Ausbildung, die Bewerbungsfrist dafür endete am 30. Oktober 2010.

Pensionierungswelle

Schon im vergangenen Jahr hätten sich also jene melden müssen, die erst in diesem Jahr die Schule abschließen, somit auch Schüler aus dem doppelten Abiturjahrgang. Der habe sich aber zahlenmäßig bei den Bewerbungen nicht bemerkbar gemacht, sagt Hallmann. Bei der Gewerkschaft löst diese Entwicklung die Befürchtung aus, dass künftig nicht mehr alle Stellen besetzt werden können. Denn: „Wir stehen vor einer Pensionierungswelle“, sagt Alexander Zimbehl. Demnächst gehen jene Polizisten in den Ruhestand, die in den 70er-Jahren ihren Dienst begannen. Damals gab es wegen des Kampfes gegen die Terrororganisation RAF eine Einstellungswelle. Laut Innenministerium werden demnächst bis zu 850 Polizisten pro Jahr pensioniert.

Für die Gewerkschaft hat das abnehmende Interesse an dem Beruf nicht nur mit den sinkenden Schülerzahlen zu tun. Ob Randale bei Bundesligaspielen, Castor-Transporten oder Großdemos: „Die Einsatzbelastungen prägen das Image des Berufs“, sagt Zimbehl. Um von dem negativen Eindruck wegzukommen, bedürfe es Zeichen aus Politik und Justiz, dass die Arbeit der Polizei unterstützt werde.

Noch gebe es keine Defizite bei der Qualität der Auszubildenden, räumt der Gewerkschafter ein. Das betont auch Ministeriumssprecher Hallmann: „Im Grunde brauchen wir ja nur 600 Bewerber - wenn sie passen.“ Damit die Guten nicht abspringen, legt die Verwaltung aber doch Tempo an den Tag: Für die Ausbildung ab Herbst 2012 hat die Polizei schon jetzt 250 Zusagen erteilt.

Von Tatjana Coerschulte

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