Rechte im Wandel der Zeit

Internationaler Frauentag: Langer Kampf um Gleichberechtigung

Der 8. März ist Internationaler Frauentag. Es war ein langer Kampf um Gleichberechtigung -  ein alphabetischer Rückblick.

  • Erstmals gefeiert wurde der Internationale Frauentag am 19. März 1911
  • Seit 1921 wird der Internationale Frauentag am 8. März gefeiert
  • Ein alphabetischer Rückblick auf den langen Kampf um Gleichberechtigung

In Deutschland wurde der Frauentag das erste Mal am 19. März 1911 gefeiert – von 45.000 Menschen allein in Berlin. Ein eigenes Konto, der Gang zur Wahlurne, die Möglichkeit zu studieren sind Rechte, die sich Frauen erkämpfen mussten. Zum Frauentag am Sonntag werfen wir einen alphabetischen Blick zurück.

  • A wie Arbeiten: Bis 1977 durften Frauen nur arbeiten, wenn ihr Ehemann es erlaubte. Bis Juli 1958 konnte er sogar die Anstellung seiner Frau fristlos und ohne ihre Zustimmung kündigen.
  • B wie Bundeskanzlerin: Seit November 2005 ist Angela Merkel Regierungs-Chefin. In ihrem Kabinett sind sechs Ministerinnen.
  • C wie Clara Zetkin (1857 – 1933): Die deutsche Politikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin initiierte den ersten Internationalen Frauentag bei einer Konferenz 1910 in Kopenhagen.
Frauenrechtlerin Clara Zetkin, aufgenommen während des Internationalen Kongresses für gesetzlichen Arbeitsschutz im Jahre 1897 in Zürich (Schweiz).
  • D wie Dax-Vorstand: Die Niederländerin Karin Dorrepal war 2004 die erste Frau im Vorstand eines Dax-Unternehmens, des Pharmakonzerns Schering.
  • E wie Ehe- und Familienrecht: Das wurde ab 1977 reformiert und die gesetzliche Aufgabenteilung in der Ehe abgeschafft. Im Scheidungsfall wird nicht mehr nach der Schuld gesucht. Es gilt das Zerrüttungsprinzip. Der Partner, der nicht für sich selbst sorgen kann, hat Unterhaltsanspruch.
  • F wie Finanzen: Speziell Frauen sind von Altersarmut bedroht. Sie bekommen im Schnitt 46 Prozent weniger Rente als Männer, besagt eine OECD-Studie. Gründe: Minijobs, Teilzeitstellen, schlechtere Einstiegschancen nach der Elternzeit. Aufklärung und Informationen über Finanzen und finanzielle Unabhängigkeit liefern unter anderem Natascha Wegelin mit „Madame Moneypenny“ und Anne E. Connelly mit „herMoney“.
  • G wie Gleichberechtigungsgesetz: Das gibt es seit 1958. Seitdem hat der Mann nicht mehr in allen Eheangelegenheiten das letzte Wort und die Frauen nun das Recht auf ein eigenes Konto.
  • H wie Hausfrau: Kümmern um Haus- und Familienarbeit – dieses Modell ist seltener. Drei von vier Frauen in Deutschland (76 Prozent), zwischen 20 und 64 Jahren, haben 2018 einen bezahlten Job ausgeübt. 2008 waren es 68 Prozent.
  • I wie international: In Russland, der Ukraine, Kuba und 23 weiteren Staaten gilt der Frauentag als Feiertag. Seit 2019 auch in Berlin.
  • J wie Jahrestag: Der Internationale Frauentag wurde von 1911 bis 1913 am 19. März gefeiert und galt als Instrument im Kampf um das Wahlrecht. 1914 fand er zum ersten Mal am 8. März statt. Offiziell galt das Datum aber erst 1921 als Internationaler Frauentag.  
  • K wie „Keine Teilnahme am Alltag“: In Mexiko, wo die Gewalt gegen Frauen besonders hoch ist, rufen Feministinnen zu einem Frauenstreik am 9. März auf: Zehn Frauen werden pro Tag umgebracht, besagt eine offizielle Statistik. Einen Tag lang wollen sie sich deshalb aus dem Alltagsleben halten.
  • L wie Lohn: Seit 1980 gilt gleicher Lohn für alle, doch immer noch klafft eine Lücke. Darauf macht der Equal Pay Day aufmerksam, der in diesem Jahr am 17. März stattfindet. Denn Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger Geld als Männer, das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Umgerechnet heißt das, Frauen arbeiten 77 Tage lang umsonst. Erst am 18. März beginnen sie also, zu verdienen.
  • M wie Matriarchat: Es ist eine Gesellschaftsordnung, bei der die Frau eine bevorzugte Stellung in Staat und Familie innehat. Das Matriarchat ist selten. Als klassisches Beispiel gelten die Minangkabau auf Sumatra.
  • N wie Nein: Die „Nein heißt Nein“-Regelung wurde 2016 in Deutschland festgeschrieben. Das Gesetz gilt als Verbesserung der sexuellen Selbstbestimmung. Bis dahin waren sexuelle Übergriffe nur strafbar, wenn der Täter Gewalt androhte oder ausübte.
  • O wie Ordnungshüterin: Die ersten Polizistinnen in Deutschland gab es 1923. Unter „Frauenwohlfahrtspolizei“ waren sie für gefährdete Prostituierte und Jugendliche zuständig.
  • P wie Paragraf 218 und 219a: Frauen handeln rechtswidrig, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen (Paragraf 218). Erlaubt ist es nur, wenn vorher eine Beratung stattgefunden hat (Paragraf 218a). Der Paragraf 219a war bis Februar 2019 hart umkämpft. Er verbot Werbung für Schwangerschaftsabbrüche im Internet. Die Regelung wurde gelockert. Ärzten, Krankenhäusern und bestimmten Einrichtungen ist es nun erlaubt ihr Informations-Angebot auszuweisen.
  • Q wie Quote – auch Frauenquote: In Deutschland wird sie 2016 eingeführt. Sie besagt, dass börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mindesten 30 Prozent Frauen in ihren Vorständen, Aufsichtsräten und obersten Management-Ebenen haben müssen.
  • R wie Rock: „Mit dem kurzen Rock brauchst du dich nicht wundern.“ Das ist eine Aussage, mit der Opfern von sexueller Gewalt die Schuld an der Tat gegeben wird – auch bekannt als „Victim Blaming“.
  • S wie Studium: 1900 wurden Frauen zum ersten Mal zum Studium zugelassen. Bis dahin durften sie nur als Gasthörerinnen an Vorlesungen und Seminaren teilnehmen.
  • T wie Teilzeit: In Deutschland arbeiten 47 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit. Im Vergleich: Bei Männern sind es 11 Prozent.
  • U wie Uterus: Die Selbstbestimmung über den eigenen Körper, auch den Uterus, wurde unter anderem mit der Einführung der Antibabypille 1960 möglich.
  • V wie Vorreiterinnen: Alle Rechte mussten erkämpft werden, von Vorreiterinnen wie der deutschen Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Hedwig Dohm (1831 – 1919) oder der französischen Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir (1908 – 1986). Bedeutend sind aber auch Frauen der Gegenwart, die sich für Frauenrechte einsetzen. So wie die britische Journalistin Laurie Penny (33) und die polnisch-deutsche Journalistin Margarete Stokowski (34).
  • W wie Wahlrecht: Das Recht, an Wahlen teilzunehmen, erkämpften sich Frauen in Deutschland 1918. Am 30. November trat das Reichswahlgesetz in Kraft: Am 19. Januar 1919 nahmen Frauen zum ersten Mal an Wahlen teil. Von 300 Kandidatinnen schafften es 37 in die Deutsche Nationalversammlung. 423 waren Männer. Die Frauenquote lag somit im Parlament bei fast 9 Prozent.
  • X wie X-Chromosom: Die Chromosome bestimmen das Geschlecht. Egal ob Tier oder Mensch – zwei X-Chromosome bedeuten ein weibliches Wesen.
  • Y wie Yves Saint Laurent: Mode ist eine Ausdrucksform und der Franzose schuf 1966 mit seinem Entwurf „Le Smoking“ einen Businessklassiker für Frauen: den Damensmoking.
  • Z wie Zwickmühle: Karriere oder Kinder? Es sind die eigenen Erwartungen und die der Gesellschaft, die für Frauen zur Zwickmühle werden. Richtig und falsch gibt es hier nicht.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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