17-Jähriger leblos vor Schloss Bieberstein gefunden

Tod nach Party: Internatsschüler stirbt an Vollrausch

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Das Internat Schloss Bieberstein.

Hofbieber. Ein Vollrausch nach einer Faschingsparty in einem Elite-Internat im osthessischen Hofbieber hat einen 17-jährigen Schüler in den Tod geführt.

Ehe er am Mittwochmorgen leblos vor Schloss Bieberstein gefunden wurde, hatte er viel Alkohol getrunken und auch Drogen genommen.

Damit habe er sich vergiftet, berichtete die Staatsanwaltschaft Fulda. Nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis hatte er auch Erbrochenes eingeatmet.

Was er genau genommen hatte, soll ein Gutachten klären. Er trug in der frostigen Nacht keine Jacke, aber erfroren ist er nicht. Eine Straftat schließen die Ermittler aus. Polizei und Schulleitung sprechen von einem tragischen Unglücksfall.

Was alles in der Nacht geschah, war zunächst unklar. Der junge Mann sei zuletzt um 1.30 Uhr von einer Mitschülerin draußen gesehen worden - betrunken, aber nicht hilflos. Die Schule habe nicht ihre Aufsichtspflicht verletzt, sagte Schul- und Heimleiter Helmut Liersch am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Fulda.

Das Elite-Internat, in dem ein Schuljahr 30.000 Euro kostet, habe kein Drogen- oder Alkoholproblem, sagte Liersch. Der 17-jährige sei ein Einser-Schüler gewesen und vorher nicht durch Rausch-Eskapaden aufgefallen. "Er war kein Partymacher, sondern eher ein stiller Schüler, der guten Kontakt zu fast allen Schülern hatte", sagte Liersch. Dass womöglich Mutproben oder Sauf-Rituale in der Schülerschaft kursierten, schließe er aus.

Bei der Faschingsparty von Schülern und Lehrern sei der Genuss von leichter Bowle und Bier erlaubt gewesen. Die Veranstaltung sei um 21 Uhr beendet worden. Bei den abendlichen Kontrollgängen sei der 17-Jährige gegen 22.30 Uhr in seinem Zimmer gewesen. Danach habe er es aber offensichtlich noch mal verlassen, berichtete der Rektor.

Die Leitung der Hermann-Lietz-Schule will nun ihre liberale Haltung überdenken: "Als Konsequenz aus dem schrecklichen Todesfall ist es unumgänglich, alle Kontrollsystem auf den Prüfstand zu stellen", sagte Liersch, der in Fulda mit stockender Stimme eine zweiseitige Erklärung verlas. Er verwies darauf, dass das Internat keine geschlossene Einrichtung sei und Oberstufenschüler nicht eingeschlossen werden könnten.

An der Schule gebe es regelmäßig unangekündigte Drogen- und Alkoholtests. Wer auffalle, riskiere den Schulverweis. In den vergangenen Jahren sei das zweimal der Fall gewesen. Liersch betonte: "Das Jugendproblem übermäßigen Rauschmittelkonsums wird von der Internatsleitung präventiv angegangen." Die Schüler dürfen seinen Worten zufolge nur bei genehmigten Feiern im schuleigenen Bistro Bier trinken, Drogen seien verboten. Auf den Zimmern dürfe kein Alkohol getrunken werden.

Die Schule setzte den Unterricht bis zur nächsten Woche aus. Es ist den Schülern freigestellt, ob sie nach Hause fahren wollen. Damit Schüler und Lehrer den Schock verarbeiten können, bekommen sie Betreuung von Psychologen, Seelsorgern und Krisen-Teams des Schulamtes. (dpa)

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