"Suche nach schnellem Erfolg"

Interview: Eike Hornig über Chancen und Risiken kleiner Parteien wie der AfD

Wiesbaden. Noch acht Wochen bis zur Europawahl, von der die Euro-Kritiker der Alternative für Deutschland (AfD) sich viel versprechen. Doch in Hessen beherrschen Querelen das Bild. Ganze Vorstände traten zurück. Mit dem Politologen Prof. Eike Hornig sprachen wir über die AfD und Probleme neuer Parteien.

Haben neue Parteien in Deutschland eine Chance? 

Eike Hornig: Wir haben auf jeden Fall ein gesellschaftliches Klima, in dem neue Parteien entstehen können. Die Bindung der Wähler an die etablierten Parteien lässt von Wahl zu Wahl nach.

Neugründungen fallen oft durch innerparteiliche Probleme auf. Ist das symptomatisch? 

Hornig: Tatsächlich ist die Organisation einer auf Dauer angelegten Partei für viele schwierig, das zeigte sich schon bei der Schill-Partei in Hamburg, bei den Piraten und nun bei der AfD.

Wo liegen die konkreten Schwierigkeiten? 

Hornig: Häufig geht es um Personalquerelen, weil Neugründungen politisch interessierte Menschen locken, die den schnellen Erfolg suchen. Bei den etablierten Parteien gilt in der Regel noch die Ochsentour. Bevor man Verantwortung übernehmen kann, muss man sich bewähren.

Ist das der bessere Weg? 

Hornig: Es ist eine Art Überlebensstrategie von auf Dauer angelegten Organisationen. Sie sind offen für neue Mitglieder, aber die Strukturen stehen schon fest. Natürlich gibt es in jeder Partei Animositäten zwischen Parteifreunden, aber die Strukturen verhindern, dass ihnen deshalb gleich der ganze Laden um die Ohren fliegt.

Neue Parteien wollen alles anders machen, transparenter und basisdemokratischer sein. Warum funktioniert das nicht? 

Hornig: Die Grünen sind ja auch so gestartet, davon ist wenig übrig geblieben. Das ist aber kein Vorwurf. Es gibt einfach gewisse Erfordernisse für Entscheidungsstrukturen. Und man braucht auch erfahrene Leute. Sowohl die Unvereinbarkeit von Amt und Mandat als auch das Rotationsprinzip für Abgeordnete aus den Anfangsjahren der Grünen haben sich als kontraproduktiv erwiesen.

Ist die AfD-Gründung eine Folge der Modernisierung der CDU? Die AfD hat sehr konservative Ansichten in der Familien- und Gesellschaftspolitik. 

Hornig: Auch. Wenn Parteien sich innerhalb des Gesamtspektrums bewegen, dann entstehen Lücken für andere. Der AfD ging es früher nur um den Euro, jetzt hat ein buntes Gemisch an Mitgliedern auch für neue Themen gesorgt.

Werden interne Querelen der Partei schaden? 

Hornig: Bei der Europawahl wohl weniger, da dann ihr Kernthema Euro im Vordergrund steht. Auf Dauer können die Probleme schon schaden, wenn der Wähler den Eindruck gewinnt, dass die AfD nicht effektiv arbeitet.

Viele wählen nicht mehr. Wie steht es um die Integrationskraft etablierter Parteien? 

Hornig: Gerade die Volksparteien versuchen, alle möglichen Strömungen aus der Bevölkerung aufzunehmen, früher die Umweltpolitik, heute auch Themen wie die der Piraten. Man hofft darauf, die Wähler wieder einzubinden, ohne beliebig zu werden. Aber die Gesellschaft wird immer pluralistischer, das merken im Übrigen nicht nur die Parteien, sondern auch die Gewerkschaften und die Kirchen. Den Kern zu erhalten und sich trotzdem zu bewegen, ist die Herausforderung.

Rubriklistenbild: © dpa

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