Interview: Fabian Pflume, Landesschülervertreter, will die Stimme der hessischen Schüler stärken

Die Landesschülervertretung startet am Montag eine Umfrage unter allen hessischen Schülern. Es geht um die Themen des Schulalltags. Landesschulsprecher Fabian Pflume erklärt, worum es geht.

Was genau hat es mit der Schülerbefragung auf sich?

Fabian Pflume: Es geht uns darum, wie unsere Mitschüler Schule beurteilen - nicht, um Meinungen abzufragen, sondern eher, um Probleme festzustellen. Wo sind die allergrößten Baustellen in der Schule? Was sind die dringendsten Probleme, die wir uns vorknöpfen sollten, die aber auch von der Politik erwartet werden? Dazu haben wir einen Fragebogen erstellt. Er umfasst sechs Seiten und dauert etwa 20 Minuten. Der Fragebogen beinhaltet alle Themen, die aus Schülerperspektive von Bedeutung sind.

Welche Themen sind das im Einzelnen?

Pflume: Da ist Mobbing dabei, es geht aber auch um Nahverkehr, Digitalisierung, Inklusion, den baulichen Zustand der Schulen und vieles mehr. Wir wollen wissen, wo wir unbedingt anpacken müssen. Wir haben vorher schon mit allen hessischen Landtagsfraktionen und dem hessischen Kultusministerium gesprochen und von allen die Versicherung, dass die Daten von großem Interesse sind. Im Anschluss werden wir die Daten zur Verfügung stellen und fragen, was sie daraus für Schlüsse ziehen.

Was für Schlüsse erhofft sich die Landesschülervertretung denn?

Pflume: Die Schülerperspektive ist eine, die bisher leider viel zu sehr vernachlässigt wird. Die Politiker im Landtag entscheiden nach unserer Wahrnehmung viel zu häufig auf einer theoretischen Ebene, weit weg von der Schule. Wir sind überzeugt, dass Schüler, die einen Großteil des Tages in der Schule verbringen, sich mit bestimmten Themen besser auskennen als alle anderen. In manchen Bereichen sind wir Schüler die Experten. Da macht uns niemand was vor. Und da ist es wichtig, dass man weiß, wie wir die Lage einschätzen. Denn Schule existiert ja für niemand anderen als für uns. Von daher muss sie sich auch an uns orientieren und unsere Mitsprache ermöglichen.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Umfrageergebnisse in der Tonne landen und unberücksichtigt bleiben?

Pflume: Die Berücksichtigung ist uns ein ganz wichtiges Anliegen, gerade weil die meisten meiner Mitschüler nicht wählen dürfen. Wir sind darauf angewiesen, dass es Parteien und Politiker gibt, die unsere Anliegen ernst nehmen, obwohl wir wahlkampftechnisch kein Schwergewicht sind. Deshalb gibt die Befragung uns die Möglichkeit, mit stärkerer Stimme zu sprechen.

Ist die Umfrage offen gestaltet oder mit Themenschwerpunkten?

Pflume: Sie ist schon konkret gestaltet. Wenn man sich mal 50 000 als Richtwert setzt, und jeder schreibt einen freien Text - das können wir gar nicht auswerten. Das funktioniert nur über Ankreuzen.

Als Beispiel zum Thema Diskriminierung und Mobbing: Da sind es sechs Fragen. Wird das Thema im Unterricht thematisiert? Gibt es eine Bezugsperson an der Schule? Werden soziale Kompetenzen vermittelt? Dann kann man die Schulnoten eins bis fünf vergeben oder nichts sagen. Das werten wir aus und ermitteln den Durchschnitt. Das ist für uns eine Herkulesaufgabe, wir stecken da viel Zeit rein.

Die Befragung findet hessenweit statt. Wird das nach Regionen aufgeteilt?

Pflume: Wir fragen auch den Landkreis ab. Wenn im Landkreis Werra-Meissner 80 Prozent sagen, ich komme ohne Auto nicht zur Schule, dann ist das alarmierend für den Kreis. Frankfurt hat dann damit wenig zu tun, aber dann müssen da trotzdem Konsequenzen folgen.

Wann kann man mit ersten Ergebnissen rechnen?

Wir gehen davon aus, dass Anfang März die ersten Ergebnisse vorliegen.

Die Schulen werden vom Kultusministerium angeschrieben. Schüler können ihre Lehrer ansprechen und dann den digitalen Fragebogen ausfüllen.

Zur Person

Fabian Pflume (18) ist seit Mai 2017 hessischer Landesschülersprecher und unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er kommt aus Wiesbaden und besucht die Qualifikationsphase 1 der Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim (Rheingau-Taunus-Kreis).

Von Lara Thiele

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