Ex-Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur

Interview zu Fracking: "Der Widerstand ist irrational"

Gegen das vom Bundeskabinett beschlossene Fracking-Gesetz gibt es Widerstände auch in den Reihen der großen Koalition. Der Ex-Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler, hält die Kritik an der Erdgasfördertechnik aber für irrational.

Ist das ein Fracking-Verhinderungs- oder ein Fracking-Ermöglichungsgesetz? 

Stephan Kohler: Es ist ein Fracking-Untersuchungsgesetz. Es soll erforscht werden, ob es möglich ist, Fracking umweltfreundlich durchzuführen. Es geht vor allem um das Testen neuer, nicht wasserschädlicher Flüssigkeiten. Es ist also eine Pilotphase.

Würde sich Fracking in Deutschland überhaupt lohnen? 

Kohler: Beim heutigen niedrigen Erdgaspreis nicht. Das Gesetz ist aber nicht auf eine kurzfristige wirtschaftliche Anwendung angelegt. Mittel- bis langfristig kann Fracking eine interessante Option auch bei uns werden.

Wie gefährlich ist Fracking noch für die Umwelt, für das Grundwasser? 

Kohler: So wie es heute in den USA betrieben wird, mit den vielen chemischen Zusatzstoffen, würde ich Fracking nicht empfehlen. Das ist tatsächlich umweltgefährdend. Aber mit der Entwicklung neuer Flüssigkeiten besteht eine Chance, die Technik auch umweltfreundlich anzuwenden.

Es gibt massiven Widerstand gegen Fracking in Deutschland. Ist der rational oder irrational?

Kohler: Inzwischen ist er irrational. Deutschland setzt sich die höchsten Klimaziele, steigt aus der Atomenergie aus, steigt aus der Kohle aus. Und will keine Abhängigkeit von russischem Gas. Ohne eine Alternative, und dazu gehört auch heimisches Gas, kann das alles nicht funktionieren. Fracking ist nur eine Option unter mehreren, und kann die regenerativen Energiequellen ergänzen. Nicht mehr, nicht weniger. Und das nicht heute, nicht morgen, aber in mittlerer Zukunft.

Die Gegner befürchten, Fracking mache den Ausbau erneuerbarer Energien unattraktiv und konterkariere so die Energiewende. 

Kohler: Wir werden bis 2050 noch einen gewissen Anteil fossiler Energiequellen im System brauchen, sowohl zur Strom- als auch zur Wärmeerzeugung. Und da ist Gas allemal klimaverträglicher als etwa die Kohle.

Wäre ein Totalverbot jetzt eine Alternative gewesen? 

Kohler: Nein. Deutschland ist ein Technologieland, das vom Export seiner Technologien abhängt. Fracking wird weltweit betrieben. Deshalb muss Deutschland auch auf diesem Gebiet präsent sein, unabhängig von der Frage, ob es Fracking am Ende selbst anwendet oder die Technik anderen verkauft.

 

Zur Person:

Stephan Kohler (62) war mehr als 14 Jahre Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena). Sie gehört zur Hälfte dem Bund, die anderen 50 Prozent teilen sich drei Banken, darunter die staatliche KfW sowie die Allianz. Kohler ist gebürtiger Augsburger und studierte Maschinenbau und Energietechnik in München. Er ist verheiratet und lebt in Berlin. Seit Jahresbeginn ist er Vorsitzender des Fachbeirats des Magdeburger Energiedienstleisters Getec.

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