Interview: „Gabriel hat die SPD nicht geschont“

Der Parteichef und seine neue Generalsekretärin: Sigmar Gabriel (56) und Katarina Barley (47) auf dem Parteitag. Foto: dpa

Seit wenigen Tagen ist Katarina Barley neue Generalsekretärin der SPD. Wir sprachen mit ihr über ihren neuen Job und über Parteichef Sigmar Gabriel.

War der SPD-Parteitag am 11. Dezember für Sie ein schönes Ereignis? 

Katarina Barley: Wir haben gute Anträge verabschiedet und fruchtbare Diskussionen geführt. Ich habe mich über mein persönliches Ergebnis sehr gefreut. Aber natürlich, darauf spielen Sie an, war das Wahlergebnis für Sigmar Gabriel ein Wermutstropfen.

Warum stimmte ein Viertel der Delegierten gegen ihn, obwohl es keine Gegenkandidaten gab? 

Barley: Da sind viele Dinge zusammengekommen. Sigmar Gabriel hat in seiner Rede zu allen Punkten, die in der Partei kritisch diskutiert werden, klar Position bezogen. Er hat sich und die Partei nicht geschont. Dann muss man damit leben, dass manche Leute Einzelfragen hochziehen und dort entlang entscheiden. So ist das in einer gelebten Demokratie.

Überkommt sie manchmal die Angst, dass die Unberechenbarkeit der Partei auch Sie treffen könnte?

Barley: Angst ist ein Gefühl, das mir relativ fremd ist. Ich bin zu Helmut Kohls Zeiten in die SPD eingetreten. Ich fand dessen Führungsstil in der CDU furchtbar. Einer sagt, wo es lang geht, und alle scharen sich widerspruchslos dahinter. Ich fand an der SPD immer toll, dass wir eine streitbare Partei sind. Aber natürlich wünsche ich mir auch Geschlossenheit.

Haben Sie eher Angst vor der Unberechenbarkeit des Vorsitzenden? 

Barley: Ich komme mit Sigmar Gabriel gut klar. Ich mag ihn und auch die Art, wie wir miteinander sprechen. Das geht sehr direkt und schnell. Ich mag seinen Humor. Manchmal kommt etwas per SMS zurück, worüber ich sehr lachen kann. Ich glaube, das wird eine gute Zusammenarbeit.

Am 13. März sitzen Sie nach drei wichtigen Landtagswahlen zum ersten Mal in der Fernseh-Elefantenrunde der Generalsekretäre. Bangen Sie? 

Barley: Nein, aber die Umfragen sind sehr eng. Mir liegt Rheinland-Pfalz sehr am Herzen, vor allem Malu Dreyer, die aus meinem Wahlkreis kommt. Es wäre gut für das Land, wenn sie als Ministerpräsidentin weitermachen könnte. Auch in Baden-Württemberg erleben wir gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nils Schmid bekommt dort meine volle Unterstützung. Gleiches gilt für Katrin Budde in Sachsen-Anhalt.

Aber das Risiko ist hoch, dass Sie zum Start Wahlniederlagen erklären müssen, weil die AFD in die Landtage gezogen ist.

Barley: Mich bedrückt in der Tat, dass die Rechten in die Landtage einziehen könnten. Mich bedrückt noch mehr, dass die Union sie sogar noch stark macht, wie die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner es in Rheinland-Pfalz tut. Natürlich steckt strategisches Kalkül dahinter. Ich finde das absolut unverantwortlich. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte sollte man sich hüten, die äußerste Rechte für eigene Zwecke einzusetzen. Im Gegenteil, wir müssen von Anfang an klare Kante gegenüber der AfD zeigen. Das erwarte ich auch von der Union.

Zur Person:

Katarina Barley (47) war bisher Justitiarin der SPD-Bundestagsfraktion. Die gebürtige Kölnerin, die einen britischen Vater hat, fand erst relativ spät ihren Weg in die Politik. Zunächst arbeitete die promovierte Juristin als Anwältin in Hamburg, später als Richterin in Trier, wo sie sich politisch für die SPD engagierte. 2013 zog sie über deren Landesliste in den Bundestag ein. Barley ist verheiratet und hat zwei Söhne. (wll)

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