Jürgen Hardt ist Koordinator für deutsch-amerikanische Beziehungen

Interview zur bevorstehenden Wahl in den USA: „Trump wäre ein Problem"

Berlin. Mit einem US-Präsidenten Donald Trump würde die transatlantische Kooperation schwieriger werden. Das glaubt der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Jürgen Hardt (CDU).

Trump gebe einfache Antworten auf komplizierte Fragen, so Hardt im Gespräch mit unserer Zeitung. 

Herr Hardt, wie gefährlich ist Donald Trump?

Jürgen Hardt: Donald Trump als Präsidentschaftskandidat der Republikaner wäre aus heutiger Sicht problematisch. Man muss aber dazu sagen: Was ein Kandidat macht, um im Wahlkampf erfolgreich zu sein, und was er hinterher machen würde, wenn er Präsident wäre, sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Das heißt, ein Präsident Trump wäre ein anderer als der, den man jetzt erlebt?

Hardt: Trump hat vor allem Erfolg, weil er einfache Antworten auf komplizierte Fragen gibt. Leider sind diese Antworten häufig falsch. Ich glaube, wenn er politische Verantwortung hätte, würden seine holzschnittartigen Aussagen nicht mehr tragen. Dann müsste er konkrete Politik machen, dann würde sich einiges relativieren.

Würden sich mit Trump die deutsch-amerikanischen Beziehungen verändern?

Hardt: Es würde sicherlich schwieriger werden. Trump bedient vor allem die, die meinen, die USA müssten sich mehr auf sich selbst konzentrieren. Das könnte für die internationale Zusammenarbeit ein Problem werden. Aber Deutschland hat bisher mit jedem Präsidenten im Weißen Haus einen Weg gefunden, die transatlantische Partnerschaft fortzuentwickeln.

Warum ist bei den Demokraten der Außenseiter Bernie Sanders so stark?

Hardt: Sanders wirkt authentisch. Er bedient die Sehnsucht vieler Wähler nach mehr sozialer Gerechtigkeit, die in der amerikanischen Politik zunehmend eine Rolle spielt. Das, was Sanders als Sozialismus bezeichnet, ist in weiten Teilen nichts anderes als soziale Marktwirtschaft nach europäischem Vorbild. Das ist eine verführerische Botschaft.

Könnte man bei einer Präsidentin Hillary Clinton sagen, da weiß man wenigstens, was auf einen zukommt?

Hardt: Hillary Clinton hat zweifellos die größte Regierungserfahrung. Sie war immerhin vier Jahre Außenministerin. Ausländische Beobachter wissen, wie sie agiert, wie sie sich auf dem politischen Parkett bewegt. Das erklärt den Zuspruch von europäischer Seite. Amerikanische Bürger lassen sich jedoch nicht allein von der Frage beeindrucken, ob ein Kandidat Außenpolitik kann oder nicht.

Hat die Obama-Zeit die Menschen in den USA mehr polarisiert, als man in Europa wahrnimmt?

Hardt: Die Republikaner sind mit ihrer Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses angetreten, den Präsidenten politisch zu schwächen. Das ist ihnen aber nicht gelungen. Obama-Care, also die Gesundheitsreform, konnte beispielsweise nicht gestoppt werden. Auch in der Ukraine-Politik konnte Obama seine Linie durchsetzen. Er hat gegenüber der Kongressmehrheit nur sehr wenige Zugeständnisse gemacht. Das hat die Neigung befördert, die Tonlage zu verschärfen. Im Wahlkampf spiegelt sich das wider.

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