Interview: Kultusminister Lorz zu Kehrtwende bei Kürzungen

Kürzt nun doch keine Stellen an Oberstufen: Hessens Kultusminister Alexander Lorz Archivfoto: C.Hartung

Der Protest von Lehrern und Eltern gegen Kürzungen von Lehrerstellen war groß. Nun folgte die Kehrtwende: Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kündigte an, auf den Wegfall von Stellen an den gymnasialen Oberstufen zu verzichten.

Herr Minister Lorz, im März haben Sie den Wegfall von 150 Stellen in den kommenden beiden Schuljahren an den Oberstufen noch verteidigt. Nun der Meinungswechsel. Warum?

Alexander Lorz: Wir haben schon im März ausdrücklich betont, dass wir uns die Stellenverwendungsfrage an den Oberstufen individuell anschauen. Im neuen Schuljahr wären zudem mehrere Effekte zusammengekommen, was insgesamt zu Schwierigkeiten hätte führen können. Das erkennen wir an, indem wir eine Entlastung schaffen und auf die geplanten Veränderungen bei der Lehrerzuweisung verzichten.

Wie sind Verschiebungen von Stellen so einfach möglich?

Lorz: Der Stellenbedarf wird mit Blick auf die Schülerzahlen in Hessen ständig aktualisiert. Je näher das Schuljahr kommt, desto genauer einschätzbar wird er. Bei rund 50 000 Lehrerstellen in Hessen kann es sein, dass sich Spielräume in dieser Größenordnung ergeben. Diese konkrete Entwicklung hat uns selbst positiv überrascht.

160 Stellen sind bereits an den Oberstufen weggefallen, 150 Stellen an den Grundschulen. Wird es auch da ein Zurück geben?

Lorz: Nein. Dafür gibt es keinen Spielraum. Die Stellen sind schon anderweitig im Bildungsbereich im Einsatz. Wer das fordert, muss auch sagen, wo diese Stellen herkommen beziehungsweise, wo sie weggenommen werden sollen. Die Rückmeldungen in diesem Schuljahr haben gezeigt, dass es nirgendwo wirklich zu Problemen gekommen ist.

Sind Gymnasien personell nicht ohnehin gut ausgestattet?

Lorz: Wir haben in der Sekundarstufe II überdurchschnittlich viele Ressourcen im Einsatz - gerade im Vergleich zu anderen Schulstufen. Das hat auch zu der Überlegung geführt: Dort sind Umlenkungen am ehesten verkraftbar.

Gibt es Pläne, in anderen Bereichen Stellen einzusparen: Etwa der Schulverwaltung?

Lorz: Die Garantie, dass mindestens alle existierenden Stellen im Bildungssystem erhalten bleiben, gilt nur für den Lehrerbereich. Aber natürlich gibt es jedes Jahr Veränderungen in der Stellenverteilung. Man kann den derzeitigen Verteilungsstand nicht einfach einfrieren. Wir haben gerade mit Blick auf die Flüchtlingsthematik nicht nur beträchtlich bei den Lehrkräften, sondern auch in der Verwaltung aufgestockt. Und wir planen keine weiteren Umlenkungen von Lehrerstellen zur Finanzierung unserer bildungspolitischen Schwerpunkte.

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