Gesund in jedem Alter

Zahl der 100-Jährigen wächst - Tipps für langes Leben

+

Die Zahl der über Hundertjährigen in Deutschland steigt. Dies geht aus einem Bericht des Statistischen Bundesamtes hervor. Ein Forscher kennt einige Faktoren für ein langes Leben.

Immer mehr Menschen erreichen heutzutage ihren 100. Geburtstag. Wir sprachen mit dem Psychologen und Gerontologen Dr. Christoph Rott, Projektleiter der Heidelberger Hundertjährigen- Studie, darüber.

Herr Rott, wieso erreichen heute so viel mehr Menschen ihren 100. Geburtstag als noch vor zehn Jahren?

Christoph Rott: Wir werden immer älter, und das liegt an den kulturellen Errungenschaften: den besseren Lebensbedingungen, einer besseren Prävention und Gesundheitsversorgung sowie effektiverer medizinischer Versorgung. Durch Gesundheitsprävention für alle Lebensalter ist die Chance höher, die 80 zu erreichen und zu überschreiten. Darüber hinaus geht die Sterblichkeit jenseits der 80 stark zurück. Das bessere Überleben im hohen Alter treibt die Lebenserwartung entsprechend voran.

Wie sieht das Leben nach dem 100. Geburtstag aus?

Rott: Der Körper ist in den meisten Fällen gebrechlich. Etwa 30 Prozent können noch selbstständig gehen und lediglich 10 Prozent sind nicht in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt. Fast 90 Prozent sind in unterschiedlichem Maße auf Pflege angewiesen. Auch die geistige Leistungsfähigkeit ist bei der Hälfte aller Hundertjährigen stark beeinträchtigt. Was aber bei vielen Hochaltrigen vorhanden ist, sind eine psychische Robustheit und positive Lebenseinstellung. Zwei Drittel sagen sich: Mit 100, was soll ich da von meinem Körper noch erwarten. Stattdessen konzentrieren sie sich auf ihre Enkel und Urenkel, in denen sehen sie die Zukunft.

Gibt es ein Rezept für ein langes Leben?

Rott: Es gibt keine Garantie, die 100 zu erreichen, aber ein entscheidender Faktor ist eine positive Lebenseinstellung. Es spielt auch die körperliche Aktivität eine Rolle. 84 Prozent unserer Hundertjährigen waren bis ins hohe Alter körperlich aktiv. Sie haben sich bewegt, bis es ihnen nicht mehr möglich war, und das, um sich ihre Gesundheit zu erhalten. Das scheint eine wichtige Voraussetzung zu sein, die 80 zu erreichen. Anschließend sollte man sich dann von Widrigkeiten nicht unterkriegen lassen. Ich habe errechnet, dass von den jetzigen 50-Jährigen drei Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen die 100 erreichen.

Warum altern Männer und Frauen unterschiedlich?

Rott: Das liegt an der unterschiedlichen Physiologie. Die Männer sind durch ihre hormonelle Ausstattung anfälliger für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Die Frauen sind durch das Östrogen eher davor geschützt. Es ist aber auch bewiesen, dass in jedem Lebensalter die Sterblichkeit des männlichen Geschlechtes höher ist. Man könnte auch sagen, dass Männer mehr „Blödsinn“ machen - auch im Bereich ihrer Gesundheit.

Welches Alter wollen Sie erreichen?

Rott: Ich gehe davon aus, dass ich 95 werde. Meine Großeltern erreichten teilweise fast die 90. Mein Vater - ohne besonders gesund gelebt zu haben - wurde 85 Jahre alt. Ich habe nie geraucht, ein wichtiger Faktor, bin sportlich sehr aktiv, und das will ich beibehalten. Ich ernähre mich ziemlich gesund: ausgewogen, wenig Fleisch, vor allem kein rotes. Früher gab es nichts Schöneres für mich, als ein großes saftiges Rumpsteak oder Schnitzel, mittlerweile habe ich nicht mal mehr das Bedürfnis danach. Wenn ich so weiterlebe, werde ich auch ein hohes Alter erreichen. Bis 90 könnte ich ein gutes Leben haben, danach spielt mein Körper vielleicht nicht mehr mit. Aber aus der Studie weiß ich, dass ich mich dem anpassen kann, um ein lebenswertes Leben zu führen.

Ist die Lebensweise wichtiger als die Gene?

Rott: Die Gene spielen eine Rolle, die aber nicht überbewertet werden sollte. Es gibt die Faustregel, dass ein Viertel der Lebensdauer von der Genetik abhängig ist. Ein weiteres Viertel wird dadurch bestimmt, wie man als junger Mensch gelebt hat und die übrige Hälfte wird durch den Lebensstil als Erwachsener geprägt. Der Lebensstil ist viel entscheidender als die genetischen Voraussetzungen.

Ab wann sollte man sich spätestens entscheiden, wie alt man werden will?

Rott: Generell ist es nie zu spät, seinen Lebensstil zu ändern - das bestätigt auch die Wissenschaft. Aber an seinem 50. Geburtstag sollte sich jeder überlegen, wie die zweite Lebenshälfte für ihn aussehen soll. Natürlich wäre es schön, wenn schon früher auf weniger Stress, mehr Bewegung und eine gesunde Ernährung geachtet wird, aber es schadet auch nicht so sehr, wenn man in jüngeren Jahren noch nicht so vernünftig ist.

Zur Person:

Christoph Rott (61), im bayerischen Miltenberg geboren, studierte Psychologie an der Universität Heidelberg. Seit 1995 beschäftigt er sich in der Altersforschung mit dem Spezialgebiet Hochaltrigkeit. Ein weiteres Gebiet für ihn ist Gesundheit im Alter. Im Verein steht er noch immer mit seiner Mannschaft auf dem Volleyballfeld. Er wohnt mit seiner Frau in Heidelberg. Gemeinsam haben sie einen Sohn.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.