„Müssen an die Rücklage“

Interview: Rentenexperte warnt trotz deutlicher Erhöhung 2016 vor Euphorie

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Im Juli 2016 sollen Deutschlands Rentner eine so hohe Rentenanpassung wie seit 22 Jahren nicht mehr bekommen.

Auf längere Sicht wird das Geld wieder knapp in der Rentenkasse, sagt der Präsident der Deutschen Rentenversicherung, Axel Reimann. Wir sprachen mit ihm über die Gründe und über die Auswirkungen der Fluchtkrise auf die Rentenkasse.

Herr Reimann, trotz der milliardenschweren Mehrausgaben für die Mütterente und die Rente mit 63 steht die Rentenkasse sehr gut da. Waren alle Warnungen nur Panikmache?

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Axel Reimann: Durch die gute Beschäftigungssituation haben sich die Einnahmen besser entwickelt als gedacht. Gleichzeitig sind aber die Ausgaben angestiegen. Bereits in diesem Jahr werden die Ausgaben schon um knapp zwei Milliarden Euro höher liegen als die Einnahmen. Dieser Trend setzt sich auch in den nächsten Jahren fort, sodass wir auf die Rücklagen in der Rentenkasse zurückgreifen müssen.

Die Reserve beträgt immerhin fast 34 Milliarden Euro...

Reimann: Ja, zum Jahresende wird das so sein. Aber die Gesamtausgaben der Rentenversicherung liegen bei etwa 260 Milliarden Euro im Jahr. Da relativiert sich das Polster.

Immer mehr Flüchtlinge kommen ins Land. Welche Auswirkungen sehen Sie für die Rentenversicherung?

Reimann: Das lässt sich schwer vorhersagen. Alles was für zusätzliche Beschäftigung sorgt, ist positiv für die Rentenversicherung, weil das die Einnahmen erhöht. Nach einer Faustformel bringen 100 000 zusätzliche Beschäftigte pro Jahr etwa 500 Millionen Euro extra in die Rentenkasse. Auf längere Sicht resultieren daraus allerdings auch Leistungsansprüche. Grundsätzlich ist es so, dass dafür zunächst einmal mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt werden müssen. Kurzfristig entstehen der Rentenversicherung also keine Belastungen.

Experten zufolge haben 70 Prozent der Flüchtlinge keine abgeschlossene Ausbildung, über die Hälfte ist unter 25. Risiko und Chance zugleich?

Reimann: Auf jeden Fall ist es ein Hinweis darauf, dass es sich lohnt, in die Ausbildung dieser Menschen zu investieren. Inwieweit sich hier schon an vorhandene Fähigkeiten und Fertigkeiten anknüpfen lässt, muss sich jedoch erst noch erweisen.

Nun gibt es nicht nur jüngere Flüchtlinge. Viele Asylsuchende werden sich kaum eine ausreichende Rente erarbeiten können, selbst wenn sie einen Job haben. Ist da verstärkt Altersarmut programmiert?

Reimann: Die Frage ist, ob diese Personen auch schon Rentenansprüche in ihren Herkunftsländern erworben haben und welche Leistungsansprüche sich dann insgesamt ergeben. Das ist noch völlig unüberschaubar. Die Rentenkasse wird auf jeden Fall nicht belastet.

Eigentlich wollte die Bundesregierung schon längst flexible Übergänge in den Ruhestand beschließen. Aber passiert ist nichts. Wie akut ist das Problem aus ihrer Sicht?

Reimann: Es gibt schon Flexibilisierungen. Nehmen Sie nur die Teilrente, bei der parallel hinzuverdient werden kann. Allerdings wird sie nur von etwa 3000 Personen genutzt, weil Hinzuverdienste, so sie bestimmte Grenzen überschreiten, auch noch im Nachhinein zur Rückzahlung von Rentenleistungen verpflichten. Würde man darauf verzichten, wäre die Teilrente sicherlich attraktiver.

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